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Integration von Flüchtlingen in der Prignitz : Ein Tänzchen in der Aula

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sprachkurse stehe vor dem Aus – Finanzierung fehlt / Berge macht sich stark

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Baum-Bäume. Einzahl-Mehrzahl. So steht es an der Tafel in der Aula der Berger Grundschule. Die Unterschiede hat Helga Scherfke mit bunter Kreide markiert. Vor ihr sitzen keine Kinder, sondern erwachsene Männer und Frauen.

Es sind Flüchtlinge. Sie kommen aus Afghanistan oder Syrien. In ihrer Heimat ist Krieg. Bomben fallen, Sprengstofffallen explodieren, töten wahllos Kinder, Frauen, Männer. Sie sind geflohen und für manche von ihnen ist es das erste Mal im Leben, dass sie eine Schule besuchen.

Die Tür geht auf, der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke und Amtsdirektor Hergen Reker kommen herein. Mit ihm Berges Bürgermeister Werner Eckel und sein Putlitzer Kollege Bernd Dannemann. Laut sprechen sie über künftige Finanzierungsmöglichkeiten dieser Einführungskurse für Asylbewerber. Hände werden geschüttelt, die Schüler sagen „Guten Tag“ und dann reden die Politiker weiter übers Geld.

Helga Scherfke hört zu. Dann fragt die pensionierte Lehrerin: „Moment. Wer sind Sie, wie heißen Sie.“ Die Vorstellung war im Eifer des politischen Gefechts vergessen worden, wird aber umgehend nachgeholt.

Noch bis Ende Mai läuft der Deutschkurs in Trägerschaft des CJD. Dann endet die Finanzierung für Einstiegskurse. Das ist der Grund, warum Hergen Reker das Treffen anregte. „Wir werden neue Familien bekommen und können sie nicht einfach in der Wohnung sitzen lassen“, sagt er. Sobald über den Asylantrag entschieden sei, gebe es geförderte Sprachkurse, aber nicht in den ersten Monaten.

Doch genau die seien immens wichtig. „Es geht um Alltagsdeutsch“, sagt Helga Scherfke. Um einfache Grundlagen, damit die Flüchtlinge ein wenig verstehen können. Derzeit gibt es 4,50 Euro pro Teilnehmer und Stunde. Das Modell sei ausreichend, „aber alles auf das Ehrenamt abzuwälzen, ist keine Lösung“, betont Bernd Dannemann. Selbst mit einer Teilfinanzierung wäre das Amt schon glücklich. „Wir würden etwas dazu geben“, sagt Reker.

Die aktuelle Regel, dass offiziell nur Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea an diesen Einführungskursen teilnehmen können, sei nicht praxistauglich. „Wie soll man das dem afghanischen Mitbewohner erklären?“, fragt Reker. In Berge spiele das keine Rolle. „In unseren Unterricht dürfen alle kommen“, stellte Helga Scherfke klar. Sebastian Steineke hört zu, diskutiert und stimmt zu. Diese zwei Punkte wolle er ansprechen. Wie erfolgreich er sein wird, bleibt abzuwarten.

Helga Scherfke unterrichtet weiter. Kopf, Arme, Bauch – spielerisch lernen ihre Schützlinge wichtige Körperteile. Sie könnten nicht verstehen, warum der Kurs endet, würden lieber weiter lernen, um fit für eine Ausbildung oder einen Job zu werden. Auch Helga Scherfke lernt von ihnen. Oft erfährt sie neben dem persönlichen Schicksal von kulturellen Sitten. „Heute haben wir zu arabischer Musik getanzt“, verrät sie und macht dabei einen sehr glücklichen Eindruck.

 

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