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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 06:50 Uhr

Ein supergenialer Lebensabschnitt

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2010 | 06:44 Uhr

Bendelin/Fresenhagen | Nein, wie die Könige lebten Diana und Thomas Kleis von November 2006 bis August vorigen Jahres in Fresenhagen nicht. Und das, obwohl sie dem "König von Deutschland" ganz nah waren. Die Bendeliner leiteten während dieser Zeit das Rio-Reiser-Haus - Wohn- und Sterbeort des Musikers, seit seinem Tod am 20. August 1996 Kult- und Pilgerstätte für Fans. Angesprochen wurden sie von Gert Möbius, Rio Reisers Bruder. "Es geht um Fresenhagen. Wir brauchen Hilfe", sagte er im Juli 2006 zu Thomas Kleis. Beide kannten sich schon länger. Zudem war geplant, im Sommer 2006 den Reiser-Dokumentarfilm "Lass uns ein Wunder sein" in Bendelin zu schneiden.

Selbst wenn daraus nichts wurde - die Kooperation Kleis-Möbius kam zu Stande. "Wir hatten uns eine Bedenkzeit ausgebeten, mussten hier die Betreuung für unser Grundstück organisieren. Die Bendeliner unterstützten uns sehr", erinnert sich Diana Kleis und fügt hinzu, dass auch die schlechte berufliche Perspektive in der Prignitz ihnen den Schritt nach Nordfriesland letztendlich erleichterte.

"Wir packten Katzen und Sachen ein und fuhren los", berichtet sie. Die Quereinsteiger hatten vom ersten Tag an alle Hände voll zu tun. "Zunächst einmal haben wir aufgeräumt, Ordnung geschaffen", sagt Diana. Alsbald wurden eigene kleine Events organisiert. "Insgesamt waren es am Ende unserer Zeit in Fresenhagen 170 Veranstaltungen, die wir durchführten", zählt Thomas auf. Rund 2500 Übernachtungen waren zu managen, tausende Gäste zu betreuen. "Wir kümmerten uns ums Grab, Museum, Hotel, Veranstaltungen, Proben von Musikgruppen - waren Mädchen für alles." Zahlreiche eigene Ideen konnte der passionierte Heimwerker mit finanzieller Unterstützung der Familie von Rio Reiser umsetzen, machte sich dabei seine Kenntnisse aus dem Baugewerk zunutze.

Reich werden konnten die Bendeliner mit dem Job nicht - dafür sammelten sie unendlich viele Erfahrungen, lernten die unterschiedlichsten Typen von Menschen kennen. Denn: Die Fangemeinde von Rio Reiser zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. Erstaunlich sei, mit wie viel Ehrfurcht sich die Besucher den Reliquien des Musikers näherten. Besonders viel brachte Diana und Thomas Kleis die Begegnung mit Reisers langjährigem Wegbegleiter R.P.S. Lanrue, Gitarrist, Komponist und Mitbegründer der Band "Ton Steine Scherben". Fast während ihres gesamten Aufenthaltes erfuhren sie von Lanrue Hintergründe aus erster Hand, was ihnen ihre Arbeit im Rio-Reiser-Haus erleichterte.

Viel Verantwortung, wenig Schlaf - auf Dauer für die beiden nicht auszuhalten. "Uns kommt es vor, als hätten wir in den drei Jahren Fresenhagen eigentlich fünf Jahre gearbeitet", resümieren die Bendeliner und finden dennoch, dass es ein supergenialer Lebensabschnitt war. Ihre Erfahrungen möchten sie in die kulturelle Belebung ihres eigenen Umfeldes einbringen. Am 18. September veranstalten sie gemeinsam mit dem Dorf- und Heimatverein ein Rockkonzert auf ihrem Hof. Vorher aber, nämlich an diesem Wochenende, pilgern sie nach Fresenhagen, um Rio Reiser zu huldigen.

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