Falkenhagener Testanlage : Ein Stück Zukunft weitergedacht

Die Beteiligten drücken den symbolischen Startknopf für die Methanisierungsanlage.
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Die Beteiligten drücken den symbolischen Startknopf für die Methanisierungsanlage.

Einstige Testanlage „Power-to-Gas“ in Falkenhagen mit der „Methanisierungsstufe“ erweitert. Längst ein internationales Testgelände.

svz.de von
12. Mai 2018, 15:36 Uhr

Im Jahr 2012 wurde in Falkenhagen bei Pritzwalk die erste „Power-to-Gas“-Anlage in Betrieb genommen. In Kürze erklärt: Überschüssiger Windstrom wird in Wasserstoff umgewandelt, im Erdgasnetz gespeichert und ist so nutzbar, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.

Jetzt wurde die Anlage erweitert mit der „Methanisierungsstufe“. Das heißt, aus dem hier erzeugten Wasserstoff wird Methan hergestellt. Ein Gas, das mit dem herkömmlichen Erdgas identisch ist. Vorteil dieses Prozesses: Es dürfen bislang maximal zwei Prozent Wasserstoff dem Erdgasnetz zugeleitet werden aber unbegrenzt viel Methan.

Die einstige Testanlage, die durch Eon aufgebaut wurde, ist längst ein internationales Testgelände geworden. 27 nationale und internationale Unternehmen aus sechs europäischen Ländern haben sich zur Uniper Storage Innovation GmbH zusammengeschlossen. Sie testen und betreiben neben Falkenhagen zwei weitere Testanlagen – eine in Troia in Italien und eine weitere Anlage in Solothurn in der Schweiz.

Während Uniper-Geschäftsführer Dr. Axel Wietfeld das Ganze als Aufbruch in eine neue Zeit der erneuerbaren Energien bezeichnet und für die Zukunft bei den anwesenden Vertretern der Bundespolitik entsprechende Änderungen der gesetzlichen Vorgaben einfordert, wies Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, diese Forderungen zurück. „Wir wollen mit dem Gasleitungsnetz nicht weitere Herausforderungen schaffen wie im Bereich der Elektrizität oder der Telekom“, so Homann.

Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Speicherung und Umwandlung erneuerbarer Energien forderte auch Eckhardt Rümmler von Uniper diese Veränderungen ein. Helmut Knauthe von ThyssenKrupp und dort für industrielle Technologien zuständig, versicherte, dass sein Unternehmen an der Weiterentwicklung der Technologie arbeite und den Wirkungsgrad der Anlage weiter erhöhen wird. „Zukünftige Anlagen werden zehn bis 100 mal so groß sein wie diese hier in Falkenhagen“, kündigte Knauthe an.

Falkenhagen ist und bleibt zunächst eine Testanlage, die nicht gewinnorientiert arbeitet, sondern technologische Erfahrungen bringen soll. Eines zeigt die Anlage aber bereits deutlich: Das rechtliche Dilemma und die Weigerung der Politik, dieses zu ändern.

In Falkenhagen wird doppelt so viel Strom mit Windenergie erzeugt, wie das Stromnetz aufnehmen kann. Dennoch darf die Testanlage diesen Strom, der zwar vergütet, aber nicht genutzt werden kann, nicht verwenden. Der Strom für die Testanlage in Falkenhagen kommt aus dem öffentlichen Netz und muss zu normalen Konditionen bezahlt werden. Um für das eingespeiste Methan oder den Wasserstoff überhaupt eine Vergütung nach dem Energieeinspeisegesetz zu bekommen, hat Uniper ein Ökozertifikat norwegischer Wasserkraftwerke erworben. Ein rechtlicher Irrsinn, der der Technologie aber keinen Abbruch tut.

Mit dem Bau der Methanisierungsanlage wurde auch das benachbarte Furnierwerk in Falkenhagen eingebunden. Die in der Testanlage entstehende Abwärme mit etwa 300 Grad wird in das benachbarte Werk als Prozesswärme abgeleitet. Steht die Testanlage, wird vom Furnierwerk Wärme an die Testanlage geliefert, um diese jederzeit anfahren zu können. „Das ist eine sehr gute Situation hier in Falkenhagen, die den Wirkungsgrad der Anlage um etwa 15 Prozent erhöht“, sagt René Schoof, der die Anlage und das Projekt von Anfang betreut. Doch auch regionale Unternehmen zeigen großes Interesse an der Projektanlage. „Wir betreiben hier direkt in der Nähe die Eisenbahnlinie Pritzwalk-Meyenburg und unser Ziel ist es, Dieselfahrzeuge zukünftig auf den Betrieb mit Wasserstoff umzurüsten und so emissionsneutral zu fahren“, sagt Dr. Ralf Böhme von der Deutschen Eisenbahn Service AG.

Die Methanisierungsanlage in Falkenhagen ist ein EU-gefördertes Projekt, das zwei Jahre laufen und getestet werden soll. Mit allen bisherigen Teststufen wurden in Falkenhagen 28 Millionen Euro investiert, so Schoof. Davon kommen 18 Millionen von der EU als Projektförderung, sechs Millionen von den Partnern in der Schweiz und vier Millionen von den deutschen Industrieunternehmen.

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