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Ein Stück Stadtgeschichte hautnah nacherleben

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erstellt am 07.Okt.2010 | 06:57 Uhr

Wittenberge | Im Stadtarchiv Wittenberge herrscht dieser Tage emsiges Treiben. Zehn Schüler aus den achten bis zwölften Klassen des Marie-Curie-Gymnasiums in der Elbestadt beschäftigen sich dort im Rahmen der Projektwoche mit der Geschichte ihrer Stadt. Sie führen damit das Projekt "Stolpersteine" vom letzten Jahr weiter. Jeweils zwei Schüler beschäftigen sich dabei mit einer der jüdischen Familien, für die im vergangenen Jahr Stolpersteine in der Stadt verlegt wurden.

"Die Schüler helfen uns bei der Recherche zu den Familien, erstellen Stammbäume und Lebensläufe", so Susanne Flügge, Mitarbeiterin des Stadtarchivs. Grundlage der Arbeit seien die vom Stadtarchiv angestellten intensiven Nachforschungen und die Erkenntnisse von Stadtgeschichtler Günter Rodegast, veröffentlicht in einer Broschüre zum Thema. Diese wird von der Projektgruppe erweitert und verbessert. "Wir haben in der Zwischenzeit viele neue Informationen erhalten, die jetzt von uns verarbeitet werden", erklärt Flügge. Das Stadtarchiv freue sich auch weiterhin über Hinweise aus der Bevölkerung.

Besonders wertvolle Hilfe sei in der Vergangenheit aus den USA gekommen: "Jeffrey, Rhea und Luise Atkin sind Nachkommen der Familie Isenberg, für die auch schon ein Stolperstein verlegt wurde. Sie haben uns in zahlreichen Briefen wichtige Details zu den Familien Isenberg und Kreide geschildert, die uns bei der Arbeit weitergebracht haben".

Den Gymnasiasten biete das Projekt die Möglichkeit, "Geschichte zum Anfassen" zu erleben und eine persönliche Beziehung zu den Opfern der Nazis aufzubauen, da einige von ihnen zur Zeit der Verfolgung etwa im gleichen Alter wie sie selbst waren. "Ich habe hier erst richtig erfahren, wie systematisch Juden zur Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt und entrechtet wurden", bestätigt Schüler Julian Troks.

Das Projekt im Stadtarchiv gefalle ihm gut, weil er mit Schülern außerhalb seines Klassenverbandes zusammenarbeite und sich konzentriert mit einer Sache beschäftigen und so zielorientiert arbeiten könne, wie es im Unterricht nur schwer möglich sei.

Für den Schulleiter des Marie-Curie-Gymnasiums, An dreas Giske, ist das einer der Gründe für die Durchführung dieser speziellen Form des Unterrichts: "Die Projektwoche ermöglicht den Schülern, den eigenen Arbeitsablauf zu strukturieren und eigene Interessen zu profilieren. Das ist auch eine Vorbereitung auf das spätere Lernen und Leben."

Die Ergebnisse der vielfältigen Projekte werden am 6. November im Gymnasium präsentiert. Zu sehen sein werden neben der Broschüre des Stadtarchiv-Projektes unter anderem eine Modenschau mit von Schülern geschneiderter Kleidung, ein selbst inszeniertes Musical und die Ergebnisse einer Schülerbefragung zum Thema Abwanderung aus der Prignitz.

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