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Filme und Fotos zeigen Perleberger Leben : Ein Stück Perleberger Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Voller Saal im Freizeitzentrum Effi bei der Filmpremiere „Die verbotene Stadt“. Einblicke in das Leben mit der Sowjetarmee in Perleberg

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Mit großem Beifall wurde der 75-minütige Film „Die verbotene Stadt“ von Jens Nering aufgenommen. 120 Perleberger waren begeistert über den Einblick in 46 Jahre Stadtgeschichte, in der die Sowjetarmee zum Stadtbild gehörte.

Es sind mitunter die kleinen privaten Dinge, die sich als großer Schatz erweisen. Fritz Hentschel verfügt über einen großen Bestand an Filmen und Fotos aus den Zeiten, als die Sowjetarmee in Perleberg stationiert war. Er wusste von Jens Nerings Filmproduktionen zur Perleberger Geschichte. Daher sprach er ihn an, ob er diesen Fundus für seine Arbeit haben wollte. Nering sagte ja. Gemeinsam sichten sie die Materialien und Jens Nering recherchiert. Fritz Hentschel hatte durch seine Tätigkeit beim Kreisbetrieb für Landtechnik dienstliche Verbindungen in die Kasernen der Sowjetarmee. Aus dienstlichen Kontakten entwickelten sich auch private, die auf beiden Seiten nicht gern gesehen wurden. Aber es gab sie. Die zahlreichen Fotos und Filmsequenzen beweisen es.

Die Perleberger werden mitgenommen auf eine Reise in die Zeit von 1945 bis 1992, zwischen Kriegsende und dem Einmarsch der Russen am 2. Mai 1945 bis zum Abzug der letzten Soldaten am 4. März 1992. Der Film gibt Einblicke in das Leben hinter den Mauern der Stadtkaserne und der Kaserne am Flugplatz, mitten im Wald. Er zeigt die Offiziersquartiere, das Leben der Familien. Nering hat aber auch recherchiert, dass Atomraketen hier stationiert waren. Anhand von Luftbildaufnahmen sind die einstigen Raketenstellungen zu erkennen.

Andererseits räumte er mit Vorurteilen und Gerüchten auf. Es gab durchaus keine Löcher in den Decken, die als Toiletten in Richtung Keller genutzt wurden. Und auch der Müll, der nach dem Abzug in den Häusern gefunden wurde, war weniger eine russische Hinterlassenschaft, als der Müll von Perlebergern.

Viele Objekte sind inzwischen verschwunden oder einer anderen Nutzung zugeführt. Die eine oder andere Hinterlassenschaft prägt noch heute das Stadtbild. „Kasernen sind gerade nicht gefragt“, so die Feststellung im Film. Andere Immobilien wurden von der GWG übernommen und saniert, sind heute Wohnungen der Perleberger.

Petra Ritter findet den Film sehr interessant. „Er war gut, weil er ein Stück unserer Jugend war, als die Russen hier in Perleberg waren“, sagt sie nach der Vorführung. Sie hätte jedoch das Verlassen anders dargestellt, denn „das haben wir anders erlebt“, verweist sie auf den baulichen Zustand der Gebäude beim Verlassen der Truppen.

Viele Erinnerungen kamen bei Peter Krips wieder. „Ich war ja Mitspieler“, sagt er schmunzelnd. Als Oberstleutnant bei den hier stationierten NVA-Einheiten hielt er lange Jahre Freundschaft zu den Sowjetsoldaten. Für ihn ist dieser Film gleichzeitig das Signal, in seinem eigenen Archiv nach Erinnerungen aus dieser Zeit zu suchen. „Es lohnt sich“, ist er sich sicher. Auch Bürgermeisterin Annett Jura hat ihre ganz persönlichen Erinnerungen an diese Zeit. Als Schülerin war sie mit dem Klub der deutsch-sowjetischen Freundschaft auf dem Flugplatz, wo „wir die Pioniere besuchten“, erzählt sie. „Durch den Film habe ich mich an diese Begegnungen erinnert und auch einzelne Gebäude wiedererkannt.“ Den 75-minütigen Film bezeichnet Annett Jura als „ganz wertvoll“.

Am Ende bestätigen die Zuschauer mit ihrem Beifall Jens Nerings einführende Worte: „Es ist kein politischer Film. Es ist kein militärischer Film . Es ist ein Stück Perleberger Geschichte.“

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