Kreative Brutstätte in Dallmin : Ein Strohhut als Kinderstube

Erwartungsvoll schauen die jungen Zaunkönige aus dem Strohhut-Loch und reißen hungrig die Schnäbel auf.
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Erwartungsvoll schauen die jungen Zaunkönige aus dem Strohhut-Loch und reißen hungrig die Schnäbel auf.

Zaunkönigpaar brütete bei Familie Teubner in Dallmin an einem speziellen Ort / Auch andere Vögel fühlen sich auf dem Hof wohl

svz.de von
17. Juni 2016, 21:00 Uhr

Vogelnester in Briefkästen, Zeitungsröhren oder alten Pumpengehäusen – das alles ist bekannt. Aber ein Bruterfolg in einem an der Wand aufgehängten Strohhut dürfte wohl Seltenheitswert haben.

Diese besondere Entdeckung machten Gudrun und Jürgen Teubner aus Dallmin. Von einem Urlaub hatten sie vor Jahren einen Strohhut mitgebracht und in einem halboffenen Wintergarten zur Erinnerung an einen Nagel gehängt. In diesem Frühjahr bemerkten sie einen Zaunkönig, der mehrmals den Wintergarten erkundete und auch durch ein Loch in das Hutgeflecht flog. „Wir schauten hinein, bemerkten aber kaum Spuren von einem Nestbau“, erzählt das Ehepaar. Wohlwissend, dass bei den Zaunkönig-Männchen Vielweiberei vorkommt, sie deshalb mehrere kugelförmige Nester im Rohbau herrichten und die Weibchen sich eins aussuchen können. Diese sind es dann auch, die ihre Nester mit Moos, Federn oder Haaren richtig auspolstern. „Vielleicht ist unser Nest nur ein Scheinnest“, dachten sich die Dallminer.

Um so erstaunter waren sie, als sie ein aufgeregtes Piepsen hörten, kleine Schnäbel bzw. Köpfchen aus dem kleinen Hutloch schauten und nach Futter riefen. Nachdem die Jungen nach dem Schlüpfen knapp zwei Wochen gefüttert wurden, verließen sie kürzlich das Nest. Sie bleiben dann noch einige Zeit als Familienverband zusammen.

Der Zaunkönig gehört zu den kleinsten Vögeln Europas und wiegt gerade einmal zehn Gramm. „Erstaunlich, wie er das viele Baumaterial durch die kleine Hutöffnung brachte und dort mit dem Nestbau eine wahre Meisterleistung schuf“, unterstreicht Jürgen Teubner. Der pensionierte Revierförster und seine Frau sind überzeugte Naturliebhaber. Auf ihrem Grundstück brüten viele Vögel. Angebracht sind mehrere Nistkästen. Auch ein Eulenkasten fehlt nicht. Nach Jahren des Leerstands hat sich in diesem Jahr eine Schleiereule eingenistet.

Die gefiederten Freunde nutzen aber nicht nur Nisthilfen, sie suchen sich auch selbst geeignete Brutplätze. So bauten sich Amseln ein Nest auf einer Jagdtrophäe – einem Hirschgeweih. „Wohl durchdacht und sehr sicher“, meint Jürgen Teubner, denn unter dem Nest hat Jagdhündin Nora ihren Zwinger. Katzen, Waschbären oder Elstern als Nesträuber haben also schlechte Karten. Ein gut getarntes Nest haben sich auch Fliegenschnäpper gebaut: unter dem Carport auf einem breiten hölzernen Kerzenhalter, der von zwei zurück gezogenen Vorhängen fast verdeckt ist. „Jeder kann dazu beitragen, unsere heimische Vogelwelt zu unterstützen – ob durch das Anbringen von Nistkästen oder die Schaffung kleiner Lebensräume, wie Hecken und Sträucher oder dem Dulden auch mal einer wilden Ecke“, unterstreichen Teubners. Der schönste Lohn sei es, sich an dem Gezwitscher der Vögel und der Aufzucht ihrer Jungen zu erfreuen.

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