Ein Star im Gruselkabinett

<strong>Das Gruseln kommt in die Stadt:</strong> Die ersten drei der zukünftigen Dungeon Bewohner sind bereits in Berlin angekommen und schauen sich am Brandenburger Tor um.<foto>Berlin Dungeon/herr-kielmann.de</foto>
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Das Gruseln kommt in die Stadt: Die ersten drei der zukünftigen Dungeon Bewohner sind bereits in Berlin angekommen und schauen sich am Brandenburger Tor um.Berlin Dungeon/herr-kielmann.de

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14. Januar 2013, 06:23 Uhr

Neuruppin/Berlin | Karl-Friedrich Schinkel oder Theodor Fontane sind große Männer aus Neuruppin. Einer gehört jedoch auch dazu, der alles andere ein feiner Herr war, sondern ein brutaler Killer - Carl Großmann. Im Frühjahr 2013 soll die Geschichte um den Serienkiller Unerschrockene in Berlin das Gruseln lehren.

Die britische Merlin Entertainment Group plant in der Bundeshauptstadt, ein Gruselkabinett nach englischem Vorbild unter dem Namen "Berlin Dungeon" zu eröffnen. In London und Hamburg gibt es bereits solche Einrichtungen und erfreuen sich großer Beliebtheit. "Wir wollen 15 Millionen Euro in der Nähe des Hackeschen Markts investieren und auf 2500 Quadratmetern eine gruselige Geschichtsshow zeigen", sagte Unternehmenssprecherin Nina-Kristin Zerbe. "Besucher sollen auf einem Rundgang durch neun Themenbereiche wandeln können", erklärte Zerbe. Alles habe sich so oder so ähnlich an der Spree abgespielt. "Das macht ja gerade den Gänsehautcharakter der Show aus", so Zerbe.

Der gebürtige Neuruppiner ist eine der Berliner Schreckensgestalten des 20. Jahrhunderts. Niemand kann heute sagen, viele Frauen und Mädchen der Serienmörder tatsächlich umgebracht hat. Zeitungen schwankten damals zwischen 25 bis zu 100 Opfern. Angeklagt wurde er allerdings nur wegen drei Morden an Prostituierten, weil man Leichenteile und Kleider in seiner Wohnung fand. 1863 in Neuruppin geboren, machte der gelernte Fleischer schnell kriminelle Karriere. Bereits mit 24 Jahren wurde er wegen Vergewaltigung einer Vierjährigen verurteilt. Lange musste er deswegen nicht einsitzen. Schnell fiel er dann wegen weiterer sexueller Übergriffe auf. Dafür kassierte er 15 Jahre Zuchthaus. Nach seiner Entlassung verschwand er nach Berlin. Erst hier mutiert er wohl zum bestialischen Frauenmörder. Am Schlesischen Bahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, soll er einen Würstchenstand betrieben haben. Das zu Wurstwaren verarbeitet Fleisch seiner Opfer - so wird noch immer gemutmaßt, soll er dort an Ahnungslose verkauft haben. Zwischen 1918 und 1921 wurden rund um den Bahnhof 23 zerstückelte Frauenleichen gefunden. Doch nur Kommissar Zufall brachte die Ermittler auf seine Spur. DNA-Tests gab es damals noch nicht.

Im August 1921 war Großmann in seiner Wohnung gerade dabei, eine 35 Jahre alte Frau umzubringen, als spitze Schreie und dumpfes Stöhnen aus der Wohnung die Nachbarn alarmierten. Merkwürdig sei ihnen der damals 58-Jährige schon immer vorgekommen. Als Serienmörder sei er jedoch nicht aufgefallen, gaben sie zu Protokoll. Zeitungen berichteten, dass die Polizei an diesem Tag die Wohnungstür aufbrach und Großmann beim Sexualmord überraschten. Er sei splitternackt gewesen und habe eine blutverschmierte Keule in der Hand gehabt. Im Bett lag eine tote 35-jährige Prostituierte, ebenfalls nackt, an Händen und Füßen gefesselt und mit einer klaffenden Wunde am Kopf.

Großmann hat sich später nie zu seinen Taten erklärt. Ob er tatsächlich Menschenfleisch verkaufte, blieb genauso im Strafprozess ungeklärt, wie aus welchem Motiv er mordete. Am Ende blieben nur Spekulationen. Kurz vor Prozessende hängte er sich in seiner Zelle auf. Aber den Dungeon-Besucher erwartet keine blutrünstige Show. "Uns geht es allein um die Geschichte Berlins und ihre dunkle Seite", betonte Zerbe.

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