zur Navigation springen

Musical-Sängerin aus der Prignitz : Ein Star auf der Wiener Bühne

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Prignitzer Sängerin setzt sich in der internationalen Musicalszene durch – wir treffen Franziska Schuster

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Einige werden sie vielleicht noch kennen: Franziska Schuster sang einst für die Ständchenband aus Pritzwalk. Jetzt steht die gebürtige Kyritzerin auf der großen Bühne. Sie ist die Erstbesetzung und spielt Constanze, Mozarts Frau, in dem Musical „Mozart“ in Wien. Unsere Autorin Astrid Mathis hat die junge Künstlerin getroffen.

Sie haben sich 2008 bei der Fernseh-Casting-Show für die Besetzung von „Ich Tarzan, du Jane“ beworben. Das hat Ihrem Leben eine neue Richtung gegeben...
Franziska Schuster: Ja, ich hatte nach dem Abitur 2005 in Greifswald begonnen, Zahnmedizin zu studieren.

Hatte die Musik damals schon einen festen Platz in Ihrem Leben?
Die Musik begleitet mich seit der Grundschule. Ich sang mit sechs Jahren im Schulchor, erhielt später Klavierunterricht und war auch im Bereich Schauspiel und Tanz experimentierfreudig – in Kindertheatergruppen und Tanzkursen für Rock'n'Roll, Standard und Jazz probierte ich mich so richtig aus. 2004 wurde ich Sängerin der „Ständchenband“ aus dem schönen Pritzwalk.

Wie kam das?
Die Jungs spielten ein Geburtstagsständchen für meine Mutter. Es stellte sich heraus, dass sie auf der Suche nach einer Sängerin waren. Wir lernten einander kennen, probten gemeinsam und irgendwann war ich dabei.

2008 folgte die Fernsehshow „Ich Tarzan, du Jane“.
Genau. Ich sah einen Werbespot für das TV-Casting zu Disney's Musical „Tarzan“, das ab Herbst 2008 nach Hamburg kommen sollte und wofür die beiden Hauptrollen zu vergeben waren. Ich dachte nur: Wow, wie interessant. Musical, die Königsdisziplin. Ich bewarb mich. Vom ersten Vorsingen schaffte ich es bis ins Finale. Das war eine wahnsinnig turbulente und spannende Zeit, in der ich ja auch noch zur Uni nach Greifswald pendelte und die Prüfungen für mein Physikum ablegte.

Haben Sie die Rolle bekommen?
Nein, aber diese Show markierte einen Punkt in meinem Leben, an dem ich vor einer großen Entscheidung stand: Entweder schließe ich das Studium ab oder ich schaue, wohin der Weg mich führt. Ich war 21 Jahre alt und entschied mich für die zweite Variante. Das habe ich bisher keine Sekunde bereut.

Sie haben es zunächst ohne Ausbildung versucht.
Daran dachte ich zunächst gar nicht und bewarb mich in Berlin für die Rolle der Sophie in „Mamma Mia“. Ich musste tanzen, singen, spielen, hatte etwa 50 Mitbewerber und bekam die Rolle nicht. Mein Können reichte nicht aus. Auch bei zwei anderen Produktionen ging ich leer aus.

Wie ging es weiter?
Ich absolvierte zunächst drei Monate an der Joop van den Ende Academy und blieb dann dort für zwei Jahre bis zum Abschluss.

Offenbar mit Erfolg, denn in Wien spielten Sie bereits in „Sister Act“ und „Mamma Mia“. Jetzt kommt der bis dato größte Part.
Voraus gingen noch andere Engagements, unter anderem in Ägypten. Im Frühjahr 2011 bewarb ich mich in Hamburg für die Wiener Produktion von „Sister Act“. Ich hatte schon beim Vorsingen das Gefühl, das könnte gut zu mir passen – und es passte auch! Ich zog nach Wien und begann mein erstes großes Engagement.

Wie fühlte sich das an?
Super oder besser gesagt: Es fühlte sich genau richtig an. Ich spielte eine Rolle im Ensemble und nicht in der ersten Reihe. Die neue Rolle von Constanze ist ein großer Vertrauensbeweis und eine absolute Wertschätzung meiner Fähigkeiten, über die ich mich sehr freue.

Sind Sie jetzt prominent?
Im Ensemble ist man anonymer. Mit Constanze ist das etwas anderes. Du musst jeden Tag liefern, gut sein, hast eine andere Verantwortung für die Show. Gleichzeitig ist es ein Privileg und etwas sehr schönes, an der Bühnentür erkannt zu werden, Autogramme zu geben.

Wie haben Sie von der Zusage erfahren?
Mein Agent rief mich an. Ich saß gerade in meiner Wiener Wohnung auf dem Sofa und war völlig aus dem Häuschen.

Was gefällt Ihnen besonders an der Rolle?
Als Sängerin gefällt mir die gesangliche Partie sehr gut, sie ist überraschend vielseitig. Ich kann auch schauspielerisch verschiedene Facetten zeigen: eine freche Rotzgöre, ein verliebter Teenager, eine starke, selbstbewusste, liebende Frau.

Wann haben Sie das erste Mal Mozart gehört?
Während des Klavierunterrichts mit zwölf Jahren etwa. An ihm kommt man einfach nicht vorbei.

Wie haben Sie sich auf die Rolle der Constanze vorbereitet?
Ich habe mir eine ältere Aufnahme angehört und ein Buch mit Briefen von Mozart an sie gelesen. Es heißt „Guten Morgen, liebes Weibchen!“.

Welches Lied aus dem Musical liegt Ihnen besonders am Herzen?
Das Solo ist natürlich ein ganz besonderer Moment, ich stehe ganz allein auf der Bühne. Das neu geschriebene Prater-Gondel-Duett „Wir zwei zusammen“, ist ebenfalls sehr schön.

Gibt es auch mal ein Panne?
Oh ja. Vor ein paar Tagen habe ich einen musikalischen Einsatz verpasst. Ich war leider einen ganzen Takt zu früh, das Publikum konnte es nicht überhören. Und einmal kam ich zu meinem letzten Auftritt zu spät, die Kollegen mussten improvisieren. Das waren nur zehn oder 15 Sekunden, aber die fühlten sich auf der Bühne an wie eine halbe Ewigkeit. Schrecklich. Ich habe mich so geschämt.

Wie geht es nach „Mozart“ weiter?
Das weiß ich noch nicht.

Fühlen Sie sich in Wien heimisch?
Nicht wirklich. Heimat ist und bleibt Heimat. Wenn ich zu Hause bin, genieße ich es, spazieren zu gehen, zu baden, Freunde zu treffen.

Wie und wo entspannen Sie sich in Wien?
Ich genieße die Ruhe in meiner Wohnung, gehe gern spazieren im Lainzer Tiergarten oder im Schönbrunner Schlosspark. Ich gehe aber auch gerne ins Kaffeehaus, ins Kino oder ins Theater.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen