zur Navigation springen

Interview : Ein Sieg für den Landkreis Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sechs Tage nach der Direktwahl: Der designierte Landrat Torsten Uhe im Gespräch

von
erstellt am 18.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Torsten Uhe (parteilos) hat die Landratswahl am vergangenen Sonntag gewonnen. Am 1. August wird er die Nachfolge von Hans Lange (CDU) antreten. Über seinen Wahlsieg und die vor ihm liegenden Aufgaben sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit ihm.

Nur knapp 20 Minuten nach Schließung der Wahllokale hatte sich Ihr klarer Sieg abgezeichnet, wenig später stand er fest. Wer hat Ihnen als erstes gratuliert?

Meine Frau Bettina. Sie hat mich als Erste umarmt.

Wann hat Sie SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke angerufen?

Um 20.45 Uhr gratulierte er mir.

Haben Sie sich schon mit dem Gedanken an Ihr neues Arbeitszimmer vertraut machen können und werden Sie in das Büro von Hans Lange einziehen?

Viel Zeit blieb in dieser Woche nicht dafür und bis zum 1. August habe ich einen vollen Terminkalender. Die Zeit reicht aber, um sich auf die neue, anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten. Ja, ich werde in sein Zimmer ziehen.

Sie sind als parteiloser Kandidat angetreten, aber wurden von der SPD nominiert und von den Linken unterstützt. Wie parteilos wird der neue Landrat agieren?

Parteilos heißt parteilos. Ich bin es und werde es bleiben. Es gibt Schnittstellen mit den zwei Parteien. Zu allererst bin ich den Prignitzern verpflichtet, es geht mir um Sach- und nicht um Parteienpolitik. Es gibt gemeinsame Ziele, und die gilt es zu erreichen. Im Kreistag möchte ich die Arbeit mit wechselnden Mehrheiten fortsetzen.

Wie bewerten Sie Ihren Wahlsieg mit dem in dieser Deutlichkeit niemand gerechnet hatte?

Es ist nicht nur mein Sieg, sondern der Sieg einer ganzen Region, ein Sieg der Prignitz. Wir haben es als erster Kreis im Land Brandenburg geschafft, die Direktwahl eines Landrates im ersten Anlauf zu erreichen. Vor uns sind acht Kreise daran gescheitert. Damit haben wir Geschichte geschrieben. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank allen Wählerinnen und Wählern, ebenso den über eintausend Wahlhelferinnen und Wahlhelfern in den 190 Wahlbezirken.

Wie verändert das unsere Position in Potsdam vor allem mit Blick auf eine mögliche Kreisgebietsreform?

Sie hat sich klar verbessert. Diese Wahl ist in Potsdam als sehr deutliches Signal angekommen. Die hohe Wahlbeteiligung im Verhältnis zu den bisherigen Landratswahlen zeigt, dass die Prignitz als eine Einheit steht. Die Prignitzer sagten, sie wollen eigenständig bleiben.

Thema Potsdam. Sie haben 64,1 Prozent der Stimmen geholt, das sind fast zwei Drittel. Mit solchen Siegen qualifiziert man sich automatisch für höhere Weihen und im September sind Landtagswahlen. Kommt der Ruf aus Potsdam?

Ich bin nicht derjenige, der nachts bei offenen Fenstern schläft, um den Ruf nach Potsdam nicht zu überhören. Die Wählerinnen und Wähler haben mich für acht Jahre gewählt. Was danach kommt, weiß niemand. Ich will die Prignitz als eine Marke weiter entwickeln, uns als einen gemeinsamen Wirtschaftsraum platzieren. Die sehr gute Lage zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg wird uns bei der weiteren Entwicklung helfen. Wir brauchen für die nächsten Jahre ein stärkeres Selbstbewusstsein.

Ihre Gegner im Wahlkampf haben Ihr Ergebnis unter anderem mit einem Amtsbonus begründet, den Sie als stellvertretender Landrat haben. Wie sehen Sie das?

Das glaube ich nicht. Wir haben Beispiele im Land, wo amtierende Landräte in der Direktwahl gescheitert sind.

Im Wahlkampf wurde von verschiedenen Seiten das Thema Kommunikation zwischen Kreis und Bürgern thematisiert. Brauchen wir mehr Bürgernähe?

Zunächst sollten wir schauen, was wir an Kommunikationsmöglichkeiten bereits haben und diese bekannter machen. Beispielsweise gibt es in der Kreisverwaltung keinen Schließtag. Ich bin aber bereit, neue Angebote auszuprobieren. So möchte ich in absehbarer Zeit Sprechzeiten des Pflegestützpunktes in Pritzwalk einführen. Wir müssen schauen, wo es Bedarf gibt und was wie angenommen wird.

Ihnen persönlich liegt die ärztliche Versorgung der Menschen am Herzen. Aber mal ehrlich: Welchen Einfluss kann der Kreis darauf nehmen? Die Stelle des Hautarztes ist seit Jahren unbesetzt.

Das Thema Hautarzt ist tatsächlich ein Problem. Primär ist und bleibt die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Wir werden unterstützen, wo es nur geht.

Begrenzt können wir über unser Kreiskrankenhaus helfen. So bin ich zuversichtlich, dass wir in Pritzwalk eine Kinderarztsprechstunde eröffnen werden. Mittelfristig möchte ich erreichen, dass unsere Klinik deutlich mehr ambulante Leistungen anbietet, unter anderem für das MRT.

Mit der Vergabe des Medizinstipendiums haben wir eine Möglichkeit geschaffen, junge Ärzte über mehrere Jahre hier zu binden. Ein Stipendium ist vergeben, zwei weitere sind in Vorbereitung.

Auch auf die A 14 haben Sie als Landrat keinen direkten Einfluss. Wie wollen Sie den Weiterbau voranbringen?

Der Bau der A 14 hat für mich Priorität. Ich habe für den Abschnitt Karstädt auf den Startknopf gedrückt und möchte in meiner achtjährigen Amtszeit die durchgängige Trasse bis Magdeburg frei geben. Bis dahin werde ich mich für den Bau der A14 stark machen.

Derzeit sind Sie erster Beigeordneter. Was wird aus der Stelle ab August?

Laut Hauptsatzung hat der Landrat zwei Beigeordnete. Ich möchte die Stelle zeitnah ausschreiben, mich mit dem Kreistag über die Modalitäten verständigen. In der Übergangszeit werden die zweite Beigeordnete Dr. Sabine Kramer und ich uns die Mehrarbeit aufteilen.

Danke für das Gespräch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen