Rudower See : Ein See zweiter Klasse

Die Zahl der Caravans steigt, ein Steg ist repariert, die Sanitäranlagen werden saniert – in Lenzen macht das Baden  wieder zunehmend Spaß.
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Die Zahl der Caravans steigt, ein Steg ist repariert, die Sanitäranlagen werden saniert – in Lenzen macht das Baden wieder zunehmend Spaß.

Antrag scheitert: Der größte Badesee der Prignitz wird kein EU-Badegewässer

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04. Mai 2017, 05:00 Uhr

Der Rudower See als größter und in der Prignitz einziger echter Badesee wird auch in der am 15. Mai beginnenden Saison kein offizielles EU-Badegewässer sein. Das hat der Landkreis entschieden. Damit scheitert die Arbeitsgemeinschaft Rettet den Rudower See (AG) mit ihrem Antrag.

Beide Seiten bringen Argumente vor, die Rechtslage selbst ist schwammig, wie auch der im Landkreis zuständige Sachbearbeiter Jan Waldmann einräumt. Einen Rechtsanspruch der Öffentlichkeit zur Ausweisung von Badegewässern bestehe nicht, heißt es in seinem Antwortschreiben an die AG, das unserer Redaktion vorliegt. Die Entscheidung darüber „liegt allein im Ermessen der zuständigen Behörde“. Das ist der Landkreis.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Kreis dem Ansinnen nicht zugestimmt. Begründet hat er dies mit einer nicht vorhandenen „großen Anzahl von Badenden“. Jetzt schreibt Jan Waldmann: „Dabei ist die tatsächliche Nutzung als Badegewässer der Hauptkritikpunkt.“ Es gehe nicht um eine theoretisch mögliche Nutzung durch potenzielle Urlaubsgäste und Seeanrainer.

Gegenüber der Redaktion räumt Waldmann ein, dass der Gesetzgeber die Anzahl der Badenden nicht genauer definiert. Ebenfalls räumt er ein, dass die Schätzungen der Landkreismitarbeiter auf ihre Beobachtungen beim Nehmen der Wasserproben beruhen. Die erfolgen einmal monatlich, werktags und eher in den Vormittagsstunden, als am späten Nachmittag. „Es sind Momentaufnahmen“, sagt Jan Waldmann.

Die Ablehnung des Antrags begründet er aber ebenfalls mit dem Fischsterben und dem massiven Auftreten von Blaualgen im vergangenen Jahr. Beides hatte zu einem mehrwöchigen Badeverbot geführt. „In diesem Jahr werden wir die Wasserqualität sehr genau beobachten, werden zusätzlich am Campingplatz Wasserproben nehmen“, kündigt er an. Im Herbst wolle der Landkreis dann neu abwägen, ob der See im kommenden Jahr als Badegewässer eingestuft werde. Berücksichtigen wolle man dann auch die jüngsten positiven Entwicklungen in der Infrastruktur. Die Toiletten werden saniert, Steganlagen erneuert. Ein ausgewiesener Hundestrand und die wachsenden Gästezahlen auf dem Caravanplatz seien Argumente für den See, so Jan Waldmann.

Die AG hätte sich schon in diesem Jahr eine andere Entscheidung gewünscht. Insbesondere was die Zahl der Badegäste betrifft, kommt sie zu einer völlig anderen Einschätzung. Die lesen sich in der Tat beeindruckend.

Laut Betreiber der Gaststätte an der Badeanstalt seien in der Hauptsaison 300 Tagesgäste werktags und bis zu 500 am Wochenende keine Seltenheit. Das bestätigen auch weitere Anwohner gegenüber unserer Redaktion. Fünf Siedlungen mit fast 200 Bungalows, 40 Dauercamper auf dem Zeltplatz und die jährlichen Ferienlager mit rund 800 Kindern sprechen aus Sicht der AG ebenfalls für die Beliebtheit des Gewässers. Hinzu kommen Kleingartenanlagen, Tagestouristen und Urlauber in den Ferienwohnungen.

Für die Infrastruktur führte die AG in ihrem Antrag ebenfalls mehrere Neuerungen an: Der Badestrand am See-Ende beim Camping ist wieder öffentlich, der Kreisanglerverband hat den Bootsstegs am See-Ende erneuert, auf Anfrage setzte die Stadt in den Sommermonaten einen Bademeister für Schulklassen/Kindergruppen an der Badeanstalt ein, die Sanierung der Umkleide ist in Planung.

Kommentar: "Der See verdient eine Chance" - von Hanno Taufenbach

Viele Jahre   wurde über den See gestritten, wurden Prozesse geführt und Stellvertreterkriege im Stadtparlament ausgefochten. Statt diesen   Schatz zu polieren, verlor der Rudower See   an Attraktivität. Manch ein Baggersee, manche Elbebucht zählte mehr Badegäste. Und die Stadt selbst war es, die einst den Kreis darum bat, ihn nicht mehr als Badegewässer einzustufen.

Jetzt gibt es eine Kehrtwende, an der viele Beteiligte ihren Anteil haben. Die ablehnende Entscheidung des Kreises mag durch das Algenaufkommen im Vorjahr nachvollziehbar sein. Aber mit Blick auf 2018 sollte der Kreis zu Gunsten der Lenzener entscheiden. Die Zahl der   Badegäste darf nicht länger als Grund für eine Ablehnung dienen. Nicht alle potenziellen Badegäste werden ins Wasser gehen und nicht alle werden an Land bleiben. Müßig, darüber zu streiten.

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