zur Navigation springen

Hoffen auf Rettung für den Rudower See : Ein See in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine rasche Sanierung des Rudower Sees ist nicht in Sicht. Heute Besuch aus dem Verbraucherschutzministerium

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: Derzeit ist das Baden im Rudower See bei Lenzen möglich, die Wasserqualität ist auf den ersten Blick in Ordnung.

Doch die Idylle trügt. An der Badestelle Hechtfurthsiedlung entdeckte gestern Karl-Heinz Hundertmark, Mitglied der Arbeitsgruppe „Rettet den Rudower See“, Blaualgen. Nach wie vor gelangen große Mengen von Phosphaten aus dem vor Jahren mit großem finanziellen Aufwand wieder aufgestauten Rambower Moor durch den Nausdorfer Kanal in den mit 167 Hektar Fläche größten See der Prignitz. Das Moor, aus dem nach Ansicht von Experten 90 Prozent der Nährstoffeinträge stammen, gilt als Hauptbelastungsquelle der Verunreinigung. Schon bei der nächsten Hitzeperiode könnte der See umkippen.

So wie vor einem Jahr (wir berichteten). Damals war das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen geraten, wurde wegen der starken Blaualgenbelastung und des massiven Fischsterbens für den größten Natursee der Prignitz ein wochenlanges Badeverbot durch die Behörden verhängt. Der Imageschaden für das Naherholungsgebiet rund um Lenzen war groß und das Maß für viele damit endgültig voll. Auf Initiative von besorgten Bürgern und Anliegern gründete sich die AG „Rettet den Rudower See“. Ziel: eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität durch geeignete Maßnahmen. Hauptforderung ist die Renaturierung des über fünf Kilometer langen Nausdorfer Kanals und die Grundsanierung des Sees. Eine Petition zur Unterstützung des Vorhabens fand fast 2000 Unterstützer.

Mittlerweile hat die Bürgerinitiative ganze Aktenberge mit Korrespondenzen, Gutachten oder Protokollen von Arbeitstagungen zusammengetragen. „Wir haben die Politik und Behörden wach und sehr viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht und den See in den Fokus gerückt. Und das alles ehrenamtlich. Das hat die Stadt Lenzen in 20 Jahren nicht hinbekommen“, ziehen Walter Jahnke, Horst-Günter Westedt und Ralf Behrens als Vertreter der AG eine erste Bilanz.

Anfragen der Prignitzer Abgeordneten Thomas Domres (Linke) und Gordon Hoffmann (CDU) im Brandenburger Landtag und die kürzliche Pressekonferenz der BVB/Freie Wähler, die in der vergangenen Woche eine parlamentarische Anfrage zum Zustand des Rudower Sees bei der Landesregierung vorlegte, hätten die überregionale Politik und Medien für das Thema Rudower See sensibilisiert. Auch der „Prignitzer“ berichtete mehrfach. Als positiv betrachtet die Lenzener AG die Arbeitstreffen bezüglich des Sees mit Vertretern von Landesumweltamt, Landkreis und des Amtes Lenzen-Elbtalaue unter der Leitung der Biosphäre in Person von Heike Ellner in Wittenberge. „Diese Arbeitsgruppe halte ich für wichtig und richtig“, sagt Walter Jahnke, der als Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Untere Elde mit Sitz in Ludwigslust als Fachmann im Kreis der AG gilt. „Als Ergebnis dieser Tagungen ist ein Nährstoffreduzierungskonzept herausgekommen, das das Land Brandenburg erarbeitet und zu dem Mitte 2019 der Schlussbericht kommen soll. Das ist der derzeitige Stand der Beratungen.“

Positiv sei die Antwort von Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger auf die Anfrage der Bürgerinitiative zu bewerten. In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es unter anderem: „Insofern unterstütze ich den Vorschlag, ein Sanierungskonzept für das Einzugsgebiet zu erarbeiten und dabei gewässer- und naturschutzfachliche sowie auch landwirtschaftliche Aspekte integriert zu betrachten. In welcher Form dieses Konzept am sinnvollsten erarbeitet und dann auch umgesetzt werden kann, z.B. als eventuell mögliches Großprojekt mit EU- und Bundesförderung, und welche Einzelfragen beantwortet werden müssen, sind in dem bereits in Gang gesetzt Diskussionsprozess zu klären.“

Zufrieden sein kann die AG mit den bisher erreichten Ergebnissen deshalb aber noch lange nicht. Kurzfristige Lösungen müssen her, sind aber nicht in Sicht. Als „Diskussionsgrundlage“ zur Sanierung des Einzugsgebietes und Restaurierung des Rudower Sees soll ein Zehn-Punkte-Plan der Lenzener Arbeitsgruppe, den diese den Behörden von Stadt und Land im Januar übergeben hat, dienen. Verwundert ist die Arbeitsgruppe, dass der See bereits 2006 im Zuge des Inkrafttretens der Europäischen Badegewässerrichtlinie und der dazu erlassenen Brandenburgischen Badegewässerverordnung auf Bitten der Stadt Lenzen nicht mehr an das Land und die EU gemeldet wurde. Ein Antrag der AG zur Einstufung als EU-Badegewässer wurde in diesem Jahr abgelehnt. Erst im Herbst wolle der Landkreis neu abwägen, ob der See im kommenden Jahr diesen Status wieder bekommt. „Es ist doch komisch, dass die Prignitz als einziger Landkreis in Brandenburg kein einziges Gewässer mit Badegewässerqualität ausweist. Nur warum?“, fragt sich nicht nur Ralf Behrens.


Besuch aus dem Ministerium


Antworten darauf kann vielleicht Anne Quart, EU-Staatssekretärin aus dem Ministerium der Justiz, Europa und Verbraucherschutz, geben. Sie weilt heute auf Einladung von Thomas Domres in Lenzen und wird sich bei einem Treffen mit Vertretern der Arbeitsgruppe „Rettet den Rudower See“, des Landkreises und der Biosphäre selbst ein Bild vom See machen.

Dringend überarbeitet werden muss nach Ansicht der AG auch das Gewässerentwicklungskonzept (GEK) Löcknitz gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie, das Bewirtschaftungsziele und Zielerreichungsprognosen auch für den Rudower See und den Nausdorfer Kanal benennt. Dieses GEK bescheinigte dem Rudower See 2015 noch einen „guten ökologischen Zustand“. Aus dieser Feststellung ergab sich keine Priorität für die Einordnung von Maßnahmen für die Verbesserung der Wasserqualität im Rudower See.

Ein Trugschluss, wie sich nur ein Jahr später herausstellte. „Ohne politische Einflussnahme zur Korrektur beziehungsweise Ergänzung des GEP Löcknitz werden Maßnahmen vor 2027 kaum umsetzbar sein“, ist sich Walter Jahnke sicher. „Es muss nun ein Konzept, vielleicht durch ein Planungsbüro, erstellt werden, um die für geeignete Maßnahmen erforderlichen Fördermittel zu beantragen. Dafür ist die Stadt Lenzen als Eigentümerin des Sees erster Ansprechpartner.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen