Ein schaurig-schönes Flammeninferno

Chef-Feuerengel und Lindemann-Double Boris Delic  herrschte über die Flammen auf der Bühne. Foto: Torsten Gottschalk
Chef-Feuerengel und Lindemann-Double Boris Delic herrschte über die Flammen auf der Bühne. Foto: Torsten Gottschalk

von
20. Mai 2012, 05:01 Uhr

Wittenberge | "Gott weiß, ich will kein Engel sein", singt Rammstein-Frontmann Till Lindemann in einem der erfolgreichsten Songs der Band. Sechs junge Männer aus dem niedersächsischen Scheeßel teilen diesen Wunsch nicht. Im Gegenteil: Sie sind selbst ernannte Feuerengel. Die Rammstein-Coverband hat schon im vergangenen Jahr die Wittenberger Ölmühle zum Kochen gebracht. Am Samstag kam sie zurück und ließ die Elbe zum zweiten Mal brennen.

Die Menge teilt sich, hindurch schreiten drei finstere Gestalten. Eine von ihnen trägt eine lodernde Fackel, die beiden anderen eine Deutschlandfahne und eine Feuerengel-Flagge. Zu düsteren, rhythmischen Klängen erklimmen sie die Bühne. Kurz darauf bricht ein Sturm los. Ohrenbetäubender, brachialer Sound, Feuerfontänen, wirre Lichteffekte. Schon die erste Band des Abends, die Metallica-Coverband Metakilla, kam beim Publikum gut an. Doch jetzt flippen die 2000 Zuschauer komplett aus. "Fürrrchtet euch nicht", raunt Sänger Boris Delic, der Lindemanns Stimme fast eins zu eins kopiert, beim Eröffnungssong "Sonne" ins Mikro. Angesichts der dreckverschmierten und staubverkrusteten Bandmitglieder, die aussehen, als seien sie geradewegs der Hölle entstiegen, keine leichte Aufgabe.

Die Show in Wittenberge war die bislang größte der Band

Rammstein sind bekannt für ihre meisterhaft inszenierten Horrorshows. Feuerengel zeigen sich als Musterschüler und stehen ihnen in nichts nach: In Wittenberge liefern sie nicht nur eine perfekte Show, sie ist gleichzeitig auch die größte in ihrer 15-jährigen Bandgeschichte, wie der Veranstalter Roy Hartung informiert: "Eine solche Lichter- und Pyro-Show hat es vorher nie gegeben. Die große Bühne wollte die Band voll ausnutzen". Bei nahezu jedem Song kommt auf den Punkt genaue Pyrotechnik zum Einsatz, regelmäßig schießen Stichflammen auf der Bühne in die Höhe, die selbst die Zuschauer in den hintersten Reihen noch angenehm wärmt. Delic hantiert in Gestalt eines Blut besudelten Horror-Schlachters mit einem riesigen Fleischermesser und einem Flammenwerfer, der Keyboarder hat große Ähnlichkeit mit Frankenstein. Die teils zweideutigen, teils eindeutigen Texte sind anrüchig und bitterböse, die Fans können sie zu großen Teilen auswendig mitsingen. "Die machen eine saugeile Show, hör’ mal!", schreit jemand in sein Handy.

Dass auch die Band Spaß beim Auftritt hat, ist ihr anzumerken. "Wittenberge, ihr seid der Wahnsinn! Danke, dass ihr wieder so zahlreich gekommen seid", lobt Boris Delic mehrmals die Massen. "Mit 2000 Leuten war das Konzert ausverkauft, mehr dürfen aus Sicherheitsgründen auch nicht aufs Gelände", so Hartung. Angesichts des parallel übertragenen Champions League-Finales hätte man anderes vermuten können. Doch die Veranstalter hatten auch an die Fußballfans gedacht, die trotz Konzert nicht auf das Spiel verzichten mussten: Im Speicher luden zwei Großbildfernseher zum Public Viewing ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen