Königsgrab von Seddin : Ein Schatz unterm Mais

Schauen sich das entdecke Vorratsgefäß aus Keramik an: Seminarleiter Dr. Immo Heske (r.) und Grabungsleiter Sergej Most. Fotos: Hanno Taufenbach (2)
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Schauen sich das entdecke Vorratsgefäß aus Keramik an: Seminarleiter Dr. Immo Heske (r.) und Grabungsleiter Sergej Most. Fotos: Hanno Taufenbach (2)

Archäologen finden in Seddin Amphore und einen seltenen Fund aus Bronze. Die Grabungen enden heute.

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26. August 2016, 04:00 Uhr

Ringsum steht prächtig gewachsener Mais. Nur auf einer knapp 200 Quadratmeter großen Fläche ist er abgeerntet. Im trockenen Sand hocken junge Studenten. Sie haben Spachtel, Zollstock und Pinsel dabei. Eine Schaufel steht ganz in der Nähe.

Rund 50 Zentimeter tief haben sie das Erdreich abgetragen, auf der Fläche noch weit tiefere Löcher ausgehoben. Wo Laien weder ein System noch ein Muster erkennen, lesen die Archäologen wie in einem aufgeschlagenen Buch. Allerdings müssen sie manche fehlende Satzpassagen ergänzen und dabei auch mal raten.

Hier gab es eine bronzezeitliche Siedlung. Daran bestehen keine Zweifel, sagt Dr. Immo Heske, Seminarleiter für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Göttingen. Die Kernfrage in diesem Fall jedoch lautet: Fällt die Siedlung zeitlich in den Bau des Königsgrabes bzw. der anderen Grabhügel in unmittelbarer Nachbarschaft? „Ich denke, das ist so, wir haben den Nachweis erbracht“, meint Immo Heske.

Zusammen mit dem Grabungsleiter Sergej Most hockt er vor einem Vorratsgefäß. Es sieht aus wie eine Amphore und liegt umgefallen noch halb in der Erde. Es ist einer der spannendsten Funde im Laufe der zweiwöchigen Grabung. „Form und Größe sind typisch für die junge Bronzezeit, 1100 bis 700 vor Christus“, sagt Heske. Das Königsgrab selbst stammt aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. Es könnte also passen.

Ein zweiter Fund ist deutlich kleiner, aber viel wertvoller: eine Gewandnadel aus Bronze. Sergej Most legt sie auf seine Handfläche. Ein unversehrtes Stück. Zusammen mit einem weiteren Bronzefund und einem 2004 gefundenen Golddraht verdichten sich die Hinweise, dass es hier nicht nur eine Siedlung gab, sondern offenbar auch Persönlichkeiten oder eine soziale Oberschicht wohnten. Schmuck und Keramikfunde, die sich von der Masse der alltäglichen Gebrauchsgegenstände abheben, seien dafür deutliche Anzeichen, so Immo Heske.

Der Nachweis eines größeren Hauses gelang bisher nicht. „Aber wir konnten Pfosten von Häusern nachweisen“, sagt der Archäologe. In einem der Erdlöcher zeigt er auf Verfärbungen im Boden. „Sie verraten uns, dass hier Holzpfosten standen. Ob die entdeckten Feldsteine eine Funktion hatten, ist noch unklar.

Immo Heske arbeitet gerne in Seddin. Nach der ersten Grabung im Vorjahr hofft er auf eine dritte im kommenden Jahr. Die Aussichten dafür stehen gut, signalisiert der zuständige Gebietsarchäologe Jens May. Ziele und die mögliche Fläche stünden aber noch nicht fest. Die Arbeiten an der Gaspipeline im Jahr 2004 hatten die ersten Hinweise auf die hiesige Besiedlung erbracht. Potenzielle Grabungsflächen seien somit bekannt. Ganz wichtig für die Durchführung ist die Zustimmung der Agrargenossenschaften Seddin und Retzin, mit denen man wunderbar zusammen arbeite, dankt Jens May. Auch zwei private Landeigentümer würden sie unterstützen. Nicht zu vergessen die Gemeinde Groß Pankow. „Sie beteiligt sich finanziell, das ist landesweit einmalig“, sagt May. Vorbereitet werden die Grabungen durch ehrenamtliche Denkmalpfleger. Sie organisieren Toiletten, Wasser und bringen auch mal einen Kuchen vorbei.

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