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Der Prignitzer

20. November 2017 | 03:24 Uhr

Ein roter Kraftprotz mit Großtank

vom

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2012 | 06:22 Uhr

Perleberg | Es ist 9,36 Meter lang, 2,85 Meter hoch und fasst 9000 Liter Löschwasser. Und das in einem Tank aus Edelstahl. Gemeint ist das neue Großtanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuer Perleberg, das die Kameraden am Sonnabend in Besitz nahmen. Und das nicht einfach in ihrem Depot, sondern auf dem Großen Markt. Denn möglichst viele Perleberger, aber auch Kameraden anderer Wehren sollten die Möglichkeit haben, dabei zu sein.

Dieser öffentliche Akt war auch ein Dankeschön der Perleberger Blauröcke an die Stadtverwaltung, vor allem aber an die Stadtverordneten, die einstimmig für diese kurzfristige Neuanschaffung votiert hatten. Denn eigentlich sollte es erst 2015 neue Technik geben. Doch dann versagte das alte Tanklöschfahrzeug den Dienst, der Tank hatte Risse bekommen, und eines Morgens war er ausgelaufen, wie Uwe Schleich, dienstältester Perleberger Feuerwehrmann und gleichzeitig in der Stadtverwaltung für den Brandschutz zuständig, am Sonnabend berichtete. Der Tank wurde repariert, aber eine Gewähr, dass er auch dicht bleibt, gab es nicht. Also war schnelles Reagieren angesagt.

Da sich Kameraden bereits im Vorfeld Gedanken darüber gemacht hatten, wie ein neues Fahrzeug aussehen könnte, auch angesichts der Tatsache, dass die Tore des Perleberger Depots nur 3,34 Meter hoch sind, fiel die Wahl schnell auf das nun in den Dienst gestellte. Dabei handelt es sich um ein extrem Geländegängiges mit einem Militärfahrzeuggestell, das bisher als Vorführwagen auf Fachmessen gezeigt wurde.

Rund 660 Kilometer bis Tschechien sind die Perleberger Kameraden gereist, um ihr neues Tanklöschfahrzeug abzuholen. Ohne Probleme passierten sie am Sonnabend damit die engen Straßen von Perlebergs Innenstadt und bewiesen vereinzelten Kritikern, dass es nicht zu groß bemessen ist. Dass sei es ohnehin nicht, denn allein die Stadt Perleberg verfüge über 2400 Hektar Wald, der entsprechend geschützt werden müsse, gerade vor Waldbränden, wie Bürgermeister Fred Fischer unterstreicht. Dazu kommen Aufgaben über Perleberg hinaus, denn die Wehr erfährt mit dieser Neuanschaffung im Rahmen der Zusammenarbeit im Regionalen Wachstumskern eine Spezialisierung. So wird die Wittenberger Wehr auf derartige Technik verzichten, sich dagegen auf technische Hilfeleistungen konzentrieren. Voraussichtlich 2013 ist dort die Anschaffung eines Wechselladercontainers vorgesehen, den natürlich ebenso andere Wehren mit nutzen werden. Eine vernünftige Entscheidung angesichts der hohen Kosten für derartige Spezialtechnik. Was das Perleberger neue Tanklöschfahrzeug anbelangt, ist von rund 150 000 Euro die Rede. Doch wenn damit nur ein Menschenleben gerettet werden kann, mache es sich schon bezahlt, betonte am Sonnabend Andreas Rohloff, Perlebergs Ortswehrführer.

Was Wunder, dass der kleine Leon aus Perleberg dann gemeinsam mit Fischer den symbolischen roten Schlüssel für das neue Fahrzeug an Stadtwehrführer Thomas Gäde übergeben durfte. Denn noch vor einem Jahr kämpfte Leon um sein Leben, nur eine Knochenmarkspende konnte ihm helfen. Unsere Zeitung organisierte damals mit Partnern eine Typisierungsaktion. Die Kameraden der Perleberger Wehr unterstützten diese tatkräftig. Ein Spender konnte gefunden werden, Leon bekam ein zweites Leben, kann wieder unbeschwert herumtollen und lachen.

Das alte Fahrzeug, das nun nach 19 Jahren ausgedient hat, war übrigens an der Rettung von 15 Menschenleben beteiligt, wie Schleich betonte. Zu insgesamt 2200 Einsätzen rückte es aus. Gäde meldete vom Großen Markt aus der Leitstelle in Potsdam die Außerdienststellung des TLF 1026 und die Indienstnahme des GTLF 1025. In den kommenden Wochen, so versprach Rohloff, werden alle Kameraden daran ausgebildet. Und sicher wird auch der Nachwuchs ein Auge auf die neue Technik werfen wollen , denn immerhin zählt die Perleberger Jugendwehr mittlerweile wieder 25 Mitglieder.

Glückwünsche zum neuen Fahrzeug gab es auch von der Perleberger Partnerwehr aus Szczawnica. Eine kleine Delegation mit Stadtwehrführerin Lucja Rak und Ortswehrführer Grzegorz Koterba war extra in die Prignitz gekommen, um dem feierlichen Moment beizuwohnen.

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