Krause Eiche in Rühstädt : Ein Riese der Region ist tot

Landseitig wurde die Zufahrt zum Deich durch die umgekippte Stieleiche kurzzeitig versperrt.
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Landseitig wurde die Zufahrt zum Deich durch die umgekippte Stieleiche kurzzeitig versperrt.

Am Rühstädter Deichbogen galt die Krause Eiche als Landmarke, bis sie vor wenigen Wochen wegen des morschen Stammes umfiel.

svz.de von
14. November 2014, 20:30 Uhr

Ein Baum der Superlative ist tot: sechs Meter Umfang, etwa 600 bis 700 Jahre alt – die Krause Eiche galt als Naturdenkmal am Rühstädter Deichbogen und machte sich über die Jahrhunderte als Landmarke einen Namen. „Die Eiche fiel ohne äußere Einwirkungen vor wenigen Wochen um, weil der Stamm schlichtweg morsch war“, sagt Dr. Sven Rannow, Leiter des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.

Nur noch wenige Wurzeln hätten den Riesen mit Leben versorgt. Ein Holzschädling hätte letztlich den Großteil zum Zerfall des Wurzelstocks beigetragen, ergänzt Lysann Jacob vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) Brandenburg mit seiner Nebenstelle in Lenzen. „Der Pilz ist typisch für die Eiche und hat sie so morsch gemacht, dass der Baum quasi innerlich hohl war“, so die Bereichsingenieurin.

Doch damit noch nicht genug: Die Krause Eiche, die ihren Namen vermutlich den speziell gewachsenen Kronästen zu verdanken hat, war auch als Russeneiche bekannt – und auch das besiegelte das Ende des Baumes: „In ihm haben wir viel Metall, Moniereisen und Bolzen gefunden, die über die Jahre in den Stamm gerammt wurden“, so Jacob. Bei Manövern der sowjetischen Streitkräfte im Bälower Vorland seien Menschen ums Leben gekommen. „In Erinnerung an die Verstorbenen wurde deren Essbesteck oder ihre Schuhe an der Eiche aufgehangen“, erklärt Thorsten Thaddey, Referatsleiter beim Landesumweltamt.

Damit war die Eiche Denkmal in vielerlei Hinsicht und soll es am Rühstädter Deich auch weiter bleiben.

Auf Wunsch der Gemeinde habe sich das Landesamt entschieden, dass der fast 13 Tonnen schwere Stamm der Krausen Eiche dort erhalten bleibe. „Aber so, wie der Baum umstürzte, versperrte er landseitig den Zugang zum Deich“, erklärt Jacob. Zudem hätten die Äste der Krone einige Löcher in die Grasnarbe gerissen, ergänzt Thaddey. „Diese haben aber keinen Einfluss auf den Hochwasserschutz. Weiterhin ist alles sicher“, versichert er.

Probleme könnten aber aus den dezenten Beschädigungen dennoch folgen. „Dadurch, dass der Boden nun offen ist, könnten Wildschweine dort noch einfacher wühler“, meint Referatsleiter Thaddey. Daher versuche der Wasser- und Bodenverband, die Grasnarbe noch vor dem hereinbrechenden Winter zu reparieren.

Dafür, und weil der umgestürzte Baum den Deichzugang blockierte, musste er weggeräumt werden. Doch einfach so ging das nicht, da der gesamte Baum zu schwer war, um ihn im Stück zu transportieren. „Also wurde die Krone abgetragen und an Brandholzwerber gegeben. Anschließend konnte der immer noch tonnenschwere Stamm mithilfe eines Autokrans beiseite gezogen werden“, erklärt Jacob vom Landesamt.

Etwas seitlich gelegener vom Deich kümmern sich nun tausende von Käfer- und Insektenarten um den weiteren Verbleib des Stammes. „Er ist ein wichtiges Habitat für die zum Teil seltenen Arten, die den Baumrest innerhalb der nächsten Jahre zerfressen werden, damit er schließlich als Humus in den natürlichen Kreislauf zurückgelangt“, erklärt Sven Rannow vom Biosphärenreservat.

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