Neuer Herr im Perleberger Amtsgericht : Ein Richter mit Kampferfahrung

Der neu ernannte Amtsgerichtsdirektor Roger Schippers und seine Gattin Christine (2. und 3. v. l. vorne) stehen im Kreis der Mitarbeiter und Gäste bei der gestrigen Ernennung.
Der neu ernannte Amtsgerichtsdirektor Roger Schippers und seine Gattin Christine (2. und 3. v. l. vorne) stehen im Kreis der Mitarbeiter und Gäste bei der gestrigen Ernennung.

Roger Schippers zum Direktor des Amtsgerichts ernannt / In der Freizeit betreibt der Jurist erfolgreich die Kampfkunst Jiu Jitsu

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24. November 2017, 21:00 Uhr

Seit Freitag hat das Perleberger Amtsgericht offiziell einen neuen Direktor: Roger Schippers. Ein gestandener Justiziar und wenn man die sechs über 60 Minuten gehaltenen Grußworte zusammenfasst, scheint er eine Idealbesetzung für diese Aufgabe zu sein. Definitiv bleiben keine Zweifel an seiner fachlichen und menschlichen Eignung.

Für ihn persönlich ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln seiner beruflichen Laufbahn. 1961 in Bottrop geboren, folgte nach einem kurzen Abstecher in die Polizeilaufbahn das Jurastudium in Marburg. 1995 kam er als junger Richter erstmals an das Perleberger Amtsgericht.

„Damit verbinde ich so viele gute Erfahrungen und schöne Erinnerungen, dass mich die Stelle des Direktors reizte“, sagte er. Auch privat komme der in Neuruppin lebende Richter häufiger nach Perleberg. Die vor ihm liegenden Aufgaben seien groß. Nicht nur was die eigentliche Arbeit des Gerichts betrifft. Vor allem der Personalpolitik wolle er sich widmen, denn dem Amtsgericht droht die Überalterung. Der Altersdurchschnitt liege bei 51 Jahren. „Die letzte Neueinstellung im mittleren Dienst gab es 1995“, so Roger Schippers. Die jüngste Richterin sei Mitte 40. „Wir haben extrem viel Erfahrung hier am Gericht, aber können diese nicht weitergeben“, so der neue Direktor. Mittelfristig bestehe die Gefahr, dass frei werdende Stellen nicht zu besetzen seien, denn Justizpersonal werde landes- und bundesweit gesucht.

Aktuell arbeiten in Perleberg knapp 60 Beschäftigte, unter ihnen sieben Richter, fünf Gerichtsvollzieher und vier Wachtmeister. Im mittleren Dienst gebe es 30 Mitarbeiter, im gehobenen zehn. „Damit sind alle Stellen besetzt“, sagt Schippers.

Das zeige sich auch in der durchschnittlichen Prozessdauer. Beim Strafrecht seien es acht Monate, im Zivilrecht sechs bis acht Monate. Das seien im Landesvergleich gute Werte, aber sie könnten noch besser werden.

Umso aufmerksamer lauschten die Gäste den Worten von Ronald Pienkny, Staatssekretär im Justizministerium Potsdam. Er forderte eine „bestmögliche Ausstattung der Justiz“ sowie eine „ausgewogene Altersstruktur“. In den kommenden sieben Jahren würden 147 Richter und 57 Staatsanwälte in den Ruhestand gehen. „Wenn wir pro Jahr 30 Richter einstellen, erhalten wir nur den Status quo.“ Aber das sei zu wenig. Im Interesse einer zügigen Rechtsprechung und mit Blick auf die zunehmende Arbeitsverdichtung bräuchte man mehr Personal. Mit Nachdruck forderte Pienkny daher, keinerlei Stellen zu streichen.

„Ihre Worte stimmen mich optimistisch“, reagierte Giesela Thaeren-Diag, Vizepräsidentin am Oberlandesgericht. Auch weitere Gäste wie der leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann, Landrat Torsten Uhe oder Bürgermeisterin Annett Jura horchten auf. Vielleicht waren die Aussagen Ronald Pienknys auch deshalb so interessant, weil er als Staatssekretär im betreffenden Ministerium und als Mitglied der Koalitionspartei Die Linke selbst an den Stellschrauben drehen könnte.

Ein Raunen war auch zu vernehmen, als eine private Leidenschaft des neuen Direktors verraten wurde. Er betreibt die Kampfkunst Jiu Jitsu, ist Trainer und nimmt an Wettkämpfen teil. Roger Schippers ist Träger des 6. Dans.

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