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Chance für Verweigerer : Ein Projekt, das gebraucht wird

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Lindenberg haben Schulverweigerer die Chance, sich zu finden und einen Abschluss zu machen / Verein pro connections e. V. ist Träger

von
erstellt am 11.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Als „ein Projekt, das gebraucht wird“ bezeichnet Kathrin Maaß die Betreuung von Schulverweigerern in Lindenberg (Gemeinde Groß Pankow). Die Auslastung der 16 Plätze im Lindenberger Schulgebäude gibt ihr und den Verantwortlichen des Trägervereins pro connections e. V. Recht.

Bereits seit dem Jahr 2000 arbeitet der Verein in diesem Metier, zuvor in Räumlichkeiten des früheren Armeeobjekts in Steffenshagen (Stadt Pritzwalk). Als nach einer neuen Nutzung für das Lindenberger Schulgebäude gesucht wurde, und der Verein seinerseits auf der Suche nach einem neuen Domizil war, fanden beide zusammen. Seit 2012 läuft das Projekt in Lindenberg. Kooperationspartner des Vereins sind das Landesschulamt, Außenstelle Neuruppin (frühere Bezeichnung: Staatliches Schulamt) und das Jugendamt des Landkreises Prignitz.

Auch, wenn es im ersten Moment vielleicht paradox klingt, aber Ziel der Arbeit in Lindenberg ist eine möglichst kurze Verweildauer der Schüler, die hier im Rahmen der Klassenstufen 7 bis 10 unterrichtet werden. „Bei uns sollen sie laufen lernen. Das nimmt unterschiedlich viel Zeit in Anspruch, ein halbes Jahr, ein Jahr, manchmal auch länger“, weiß Kathrin Maaß, die als Assistentin der Vereinsgeschäftsführerin Annette Hayda in der Lindenberger Schule agiert und im Prinzip den gesamten Alltag managt.

Diejenigen, die sich gefunden haben, denen man also in Lindenberg helfen konnte, gehen zurück in „normale“ Schulen. Vielfach sei es aber nicht die Bildungseinrichtung, aus der der Schüler ursprünglich kam, so Maaß. Minimalziel sei das Erreichen der einfachen Berufsbildungsreife, also der erfolgreiche Abschluss der 9. Klasse. Es gebe allerdings auch durchaus Beispiele für junge Menschen, die nach ihrer schwierigen Phase und dem Aufenthalt in Lindenberg noch einen ordentlichen 10.-Klasse-Abschluss an einer Regelschule geschafft haben. Kathrin Maaß erinnert sich: „Das war ein ziemlich rüpelhafter Förderschüler, der mit seinem Verhalten sehr auffiel …“. Sie sagt das nicht ohne einen gewissen Stolz, der in ihrer Stimme mitschwingt. Vielen der „Ehemaligen“ begegne sie im Alltag in der Region. „Und, sie wechseln nicht die Straßenseite“, betont Kathrin Maaß. Im Gegenteil. „Schön, wenn man die heute jungen Erwachsenen sieht mit eigener, kleiner Familie, mit dem Auto unterwegs oder stolz vom Lenk-Stand eines Hightech-Traktoren winkend.“ Sie stünden mitten im Leben. „Eine unserer ehemaligen Schülerinnen hat inzwischen selbst zwei Kinder, absolvierte erfolgreich die Erzieherausbildung, arbeitet in dem Beruf.“

Sowohl Kinder aus Regelschulen als auch Förderschüler „stranden“ in Lindenberg. Diejenigen, die von weiter her kommen, finden die Woche über Unterkunft im hauseigenen Internat. Für den Unterricht, der hier in kleinen Gruppen und modifizierten zeitlichen Strukturen gegeben wird, ist der brandenburgische Rahmenlehrplan bindend. Es werde darauf geachtet, dass möglichst immer die gleichen Lehrer mit den Kindern in Lindenberg arbeiten.

Die Ursachen für Schulverweigerung, so Kathrin Maaß, seien vielschichtig, und es betreffe bei weitem nicht nur Mädchen und Jungen aus sozial schwachen Schichten. Überforderung, Unterforderung, Mobbing … die Gründe können sowohl im schulischen als auch im familiären Umfeld liegen. Anfänglicher Skepsis zum Trotz habe sich die Schule mit der besonderen Schülerschaft gut in Lindenberg integriert, das Miteinander sei von Akzeptanz geprägt, resümiert Kathrin Maaß die Zeit seit Anfang 2012. Ein engagiertes Betreuerteam kümmert sich um die Schützlinge. Von Vorteil seien direkt im bzw. am Haus die eigene Keramikwerkstatt und die Sporthalle. Beides werde gern genutzt. Neben dem Schulstoff, der hier vermittelt wird, geben Lehrer und Betreuer den jungen Leuten auch die ganz normalen Dinge des Alltags mit auf den Weg. Das reiche vom gemeinsamen Kochen bis hin dazu, wie man einen Überweisungsträger ausfülle.

Möglicherweise würde die Bezeichnung „Schule fürs Leben“ eher das treffen, was in der Lindenberger Einrichtung gemacht wird. Auf jeden Fall durchliefen bereits hunderte Schüler das Projekt des pro connections e. V., wenn man die vielen Jahre in Steffenshagen einrechnet. Kathrin Maaß ist von Beginn an dabei, weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Die allermeisten finden sich bei uns.“  

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