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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 17:50 Uhr

Ein Prignitzfreund auf Abschiedstour

vom

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erstellt am 01.Aug.2013 | 07:20 Uhr

Prignitz | Er genießt den Ausblick vom Burgturm in Lenzen, schwingt sich in den Fahrradsattel, radelt neun Kilometer auf dem Elberadweg und steigt in Cumlosen entspannt vom Rad herab. Die Hand lässig in die Tasche seiner Jeans geschoben, schaut sich Matthias Platzeck das sanierte Dorfzentrum an, bestellt sich zum Mittag ein Bier. "Hallo Herr Platzeck", ist heute angebracht, aber nicht "Guten Tag Herr Ministerpräsident." Ehrliches, offenes Interesse an der Sache, freundliche Worte für bekannte und fremde Gesichter und herzliche Umarmungen für Landrat Hans Lange und Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann: Wer die gestrige Pressereise begleiten darf, dem wird schnell klar, dass Platzeck hier in allererster Linie Mensch ist, Brandenburger, und erst in zweiter Linie Ministerpräsident.

Es ist eine Abschieds- und Werbetour zugleich. Beide waren nicht geplant. Weder sein angekündigter Rücktritt in dieser Woche, noch die Sommer-Tourismustour. Sie sollte in den Süden des Landes führen, doch das Hochwasser im Juni hat Besucher abgeschreckt. Der Tourismusmotor an der Elbe stottert seitdem gewaltig. Platzeck will helfen, denn er mag die Landschaft zwischen Quitzöbel und Gaarz.

"Brandenburg ist viel opulenter, als man vermuten würde. Man muss nur genauer hinschauen", spricht er in die Mikrofone und Fernsehkameras der Medien, die zuletzt über drohende Deichbrüche in der Prignitz berichteten. Ob Prignitz, Lausitz, Uckermark - das Land sei reich an Geschichte und: "Brandenburg ist kein hektisches Land." In einer Zeit, in der immer mehr Menschen Ruhe suchen, könnte das eines der größten Pfunde sein, mit denen die Prignitz wuchern sollte.

Das bestätigt auch Uwe Neumann als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz. Die ganz große Flaute nach der Flut sei abgeklungen, Platzecks Reise könnte einen weiteren Schub bringen. "Klar gibt es viele Journalistenfragen zu seinem Rücktritt, aber in der Berichterstattung wird unsere Region eine Rolle spielen", sagt Neumann. Die Journalisten sehen jetzt ja selbst den Reiz der Landschaft und es sei Aufgabe seines Verbandes und der Tourismusanbieter, die geknüpften Pressekontakte künftig zu nutzen.

Platzeck genießt sein Bierchen, plaudert mit den Mitarbeitern des Landgasthofes Schmidt, die Sommersalat mit Forelle und Wildgulasch servieren. Alles kommt aus der Region. Ein kurzes Hintergrundgespräch mit Journalisten lenkt nur kurzzeitig den Fokus weg vom Zweck der Reise. Die ist Platzeck wichtig, der ja selbst schon mehrfach im Kreis Urlaub gemacht hat. So weiß er aus eigener Erfahrung, dass es "eine hervorragende Infrastruktur gibt, wobei das Radwegenetz einen besonderen Stellenwert besitzt". "Tolle Kulturveranstaltungen und eine hochwertige Gastronomie und Hotellerie runden das Ganze ab und versprechen erlebnisreiche, erholsame Urlaubstage."

All diese Erfolge hängen sehr oft mit Menschen zusammen, die Außergewöhnliches leisten, Mut, Visionen und "eine Macke" haben, betont Platzeck. Und da ist es kein Zufall, dass die letzte Station der Reise zur Ölmühle nach Wittenberge führt. Bundesweit als größter Sandsackplatz der Region berühmt, vom Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel besucht worden, soll Platzeck heute symbolisch den letzten Sandsack ausleeren. Die Katastrophe ist abgewendet. Zeit also, zu schauen, was hier entstanden ist.

Beginnend mit dem Braue reirestaurant und einer Kostprobe des hier produzierten Bieres "Herzbräu", vorbei an Elblandbühne und den zwei Achtecktürmen, die einen Klettergarten und demnächst ein Tauchzentrum beherbergen, führt Platzecks Weg und der der Presse weiter zum Vier-Sterne-Hotel. Lutz Lange stellt das Tourismusprojekt als Geschäftsführer und Gesellschafter der Genesis GmbH, die Eigentümerin des Komplexes ist, vor.

Von hier fahren Journalisten und Platzeck zurück nach Potsdam. Es war sein letzter Prignitz-Termin als Ministerpräsident, aber er verspricht, privat in die Region zu kommen, an der sein Herz genauso hängt, wie an der Uckermark und an Elbe-Elster. Er liebe diese Regionen, in denen mehr geschuftet werden musste, in denen es ungleich schwieriger war, die heute vorzeigbaren Erfolge zu erreichen. Und noch ein privater Grund werde ihn in die Prignitz führen: "Ich habe hier Freunde gefunden."

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