Ein Poldersee für drei bis vier Wochen

Umweltminister Axel Vogel (2.v.l.) informiert sich in der Wische über das Polderprojekt.
Umweltminister Axel Vogel (2.v.l.) informiert sich in der Wische über das Polderprojekt.

Für die Flutung von Teilen der Lenzer Wische im Katastrophenfall müssen zahlreiche Deiche ertüchtigt und erhöht werden

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20. Februar 2020, 05:00 Uhr

Der Achterdeich sieht gut aus, ist der neu? Die Frage von Mitarbeitern des Landesamtes für Umwelt entlockt Bernd Lindow, dem Sachgebietsleiter Umwelt der Kreisverwaltung, ein Schmunzeln. „Viele Deiche um den künftigen Flutpolder Lenzer Wische sind 200 bis 300 Jahre alt“ entgegnet er. „Deshalb würde ich derzeit trotz guter Pflege die Flutung nicht unterschreiben. Zuerst müssen die Deiche ertüchtigt werden“, so Lindow. Und das auf mindestens 26 Kilometern Länge. Von der Höhe her ließe der Löcknitzer Sommerdeich eine Speicherhöhe von 15,60 bis 15,80 Meter über Normal Null zu. Für den Freibord und der Sicherheitsreserve wegen des Wellenschlages müsste er wohl mindestens um 1,50 Meter erhöht und die Standfestigkeit deutlich erhöht werden.

Abseits der Entlastung von Elbanliegern bei einem extremen Hochwasser um etwa 20 Zentimeter Scheitelhöhe werden derzeit für Polderanlieger und Nutzer wichtige Fragen geklärt. Denn binnen drei Tagen soll der Polder volllaufen, so das Szenario. Es entstünde ein 22 Quadratkilometer großer See, nicht nur für einige Tage. Bevor er ablaufen könnte, müsste der Elbpegel deutlich sinken. Und dann würde es noch einige Zeit dauern, bevor er leer ist. Auch die Löcknitz als zusätzlichen Ablauf zu nutzen, würde die Zeit höchstens um drei Tage verkürzen. Drei bis vier Wochen, so die Schätzungen würde es dauern, bis das letzte Elbewasser aus dem Polder gelaufen wäre. „Das wäre nicht nur eine wirtschaftliche Katastrophe für die Landwirte, sondern auch eine ökologische für die Tier- und Pflanzenwelt. Und wir befinden uns hier in einem geschützten FFH-Gebiet und im Bereich des Biosphärenreservates“, konstatierte Umweltminister Axel Vogel (Grüne). Auch Sauerstoffmangel im gefluteten Polder und ein Fischsterben seien nicht auszuschließen.

Auf der Polderfläche sind weniger als 20 Landwirte und Agrarbetriebe tätig. Mit ihnen und den Grundeigentümern wird in den nächsten Monaten über den weiteren Ablauf des Projektes und die Auswirkungen auf ihre Tätigkeit gesprochen. Bis zum Sommer wird es auch eine öffentliche Veranstaltung des Landesamtes für Umwelt zum Flutpolder geben.

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