Strassentreffen Wittenberge : Ein Pflaster voller Erinnerungen

Ein Pflaster voller Erinnerungen: Als Kinder haben sie immer hier gespielt, wo die große Linde stand.
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Ein Pflaster voller Erinnerungen: Als Kinder haben sie immer hier gespielt, wo die große Linde stand.

Sie sind in den 50er und 60er Jahren in der Großen Wallstraße in Wittenberge aufgewachsen und trafen sich nun nach vielen Jahren wieder

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03. August 2015, 08:00 Uhr

„Wir treffen uns in der Großen Wallstraße an dem Baum, der nicht mehr steht.“ Das waren einige der Worte, die auf der Einladungskarte zum Straßentreffen in Wittenberge stehen, wie Eveline Hartwig erzählt. Die Karte hat sie und knapp 20 weitere „Kinder der Großen Wallstraße“ von Elke Muchow aus Wittenberge erhalten. Eingeladen waren alle, die sich damals genau dort immer zum Spielen verabredet haben. Einige von ihnen sind in dieser Straße aufgewachsen, andere wiederum wohnten in einer Nebenstraße. Und nun, teilweise mehr als 50 Jahre später, stehen neun von ihnen wieder zusammen. Genau dort, wo einst die große Linde stand.

Eine herzliche Umarmung, ein langer Händedruck und ein Lächeln ist auf den Gesichtern zu sehen: Freude, Neugier und vor allem Erinnerungen an eine „gute alte Zeit“ sind Gründe für sie, noch einmal an diesen Ort zurückzukehren. „Ich muss gestehen, ich war wirklich ein bisschen aufgeregt“, sagt Reinhard Meyer. Der 65-Jährige wohnt immer noch in Wittenberge, doch habe es eine so große Zusammenkunft mit allen Spielkameraden von früher zuvor noch nie gegeben. Schließlich seien einige für die Ausbildung mit 16, 17 oder 18 Jahren nicht nur aus der Straße weggezogen, sondern gar auch aus der Stadt – einige sogar bis nach Rheinland-Pfalz.

„Es ist eine schöne Idee, die Elke hatte“, sagt Annegret Kramer, die ebenfalls in Wittenberge lebt. Die 64-Jährige hat in der Hausnummer 12 gewohnt, also genau dort, wo die große Linde stand.

Sie erinnert sich noch gut, wie sie des Öfteren aus dem Fenster geschaut hat, ob schon jemand zum Spielen da ist. Vor allem auch, wenn sie nach dem Abendbrot nicht mehr raus durfte, konnte sie immerhin das Geschehen beobachten, wie sie sagt. „Wir haben uns keine Uhrzeit zum Spielen ausgemacht. Wer Zeit hatte, der ist zu dem Baum gekommen“, führt sie fort. Und dann haben sie gespielt: „Eins, zwei, drei, vier Eckstein, alles muss versteckt sein...“- der Fänger stand am Baum und alle anderen rannten weg. Wer zu langsam war, der musste wieder zum Baum zurückkehren, stimmt Meyer ein. Doch auch sportliche Wettkämpfe haben sie ausgetragen. Die kleine Hauswand in der Nähe des Baumes hat als Handballtor gedient oder aber die Mädchen und Jungen rannten „drei Mal ums Eck“. „Die Mädchen haben zudem auch viel mit Puppenhäusern gespielt. Ich hatte dafür eine Eisenbahn“, witzelt Meyer. „Wir wollten ja auch mal unter uns sein“, stimmt Kramer daraufhin ein.

Zu der Mädelsgruppe zählten auch die beiden Freundinnen Christine Jantzen und Eveline Hartwig. „Wir wurden 1953 eingeschult und gingen in dieselbe Klasse. Wir sind seither beste Freundinnen“, sagt Jantzen. Zum Spielen sind die Beiden immer gemeinsam zum Treffpunkt gefahren. Von dort aus wurde entschieden, was unternommen wird.

So erzählt auch Elke Muchow, wie sie damals mit den „großen Mädels“ an der Elbe war. Das ehemalige Volksbad war ein beliebter Treffpunkt im Sommer. „Dort haben wir fast alle Schwimmen gelernt“, sagt sie. Die 67-Jährige hatte die Idee zu dem großen Wiedersehen. In der Hand hält sie schwarz-weiß Fotografien von früher. Zusehen ist die große Wallstraße noch mit Baum und mit demselben holprigen Pflaster, das die Straße bis heute durchzieht.

Es wird viel gelacht an diesem sonnigen Nachmittag und vor allem wird viel gefragt. Es macht den Anschein, als ob sich für die „Kinder der Großen Wallstraße“ in dem Moment nicht viel geändert hat. Die Erinnerung an eine schöne Kindheit und die gemeinsamen Erlebnisse, verbinden sie. „Ich wünschte, dass die Kinder von heute auch so unbeschwert spielen können, wie wir damals“, sagt Meyer und macht sich zusammen mit den „Kindern der Großen Wallstraße“ auf den Weg in Richtung Elbe, um weitere Erinnerungen aufleben zu lassen.

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