Zeuke-Modell als Neuerung : Ein Museum erwacht aus dem Winterschlaf

Erinnerungen an frühere Zeiten: Melanie Schneider (l.) und ihren Osterbesuch zog es in das DDR-Museum. Fotos: Felix alex
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Erinnerungen an frühere Zeiten: Melanie Schneider (l.) und ihren Osterbesuch zog es in das DDR-Museum. Fotos: Felix alex

Ein Museum aus dem Winterschlaf zu wecken, kann ganz schön anstrengend sein. Vor allem dann, wenn zu seinem Inhalt so viele Exponate gehören, wie beim DDR-Geschichtsmuseum in Perleberg.

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29. März 2016, 17:00 Uhr

Ein Museum aus dem Winterschlaf zu wecken, kann ganz schön anstrengend sein. Vor allem dann, wenn zu seinem Inhalt so viele Exponate gehören, wie beim DDR-Geschichtsmuseum in Perleberg. „Der große Frühjahrsputz ist schon immer eine horrende Arbeit. Man muss ja teilweise jedes Objekt aufnehmen und entstauben“, verdeutlicht Museumsbetreiber Hans-Peter Freimark. Und an diesen aufzunehmenden Objekten gibt es im Museum einige, umfasst es doch über 30 Räume, die meist beinahe komplett gefüllt sind. Doch die Arbeit, die der Museumsgründer zusammen mit seiner Frau Gisela und mehreren Freiwilligen geleistet hat, hat sich gelohnt. Seit Gründonnerstag können die Besucher wieder strömen.

Und für diese gibt es nach dem Ende der Winterpause einiges Neues zu entdecken. Hervorzuheben ist hier vor allem der acht mal fünf Meter große Modellbahnkomplex, der sich ganz dem DDR-Modellbahnhersteller Zeuke widmet. Noch sind die Aufbauarbeiten durch Besitzer Klaus Kensing im vollem Gange, doch schon bald sollen die Besucher die Züge der Größe Spur 0 bestaunen und erleben können. Angefangen hat es, wie könnte es anders sein, auch bei dem Perleberger in der Kindheit. „Weihnachten 1950 habe ich von meinen Eltern die erste Lok mit Wagen und ein paar Schienen bekommen und dann hat sich das über die Jahre entwickelt“, erzählt Kensing.

Das Hobby überdauerte nicht nur den Umzug des Perlebergers nach Rostock, sondern auch die Kindheit seiner Söhne und besteht auch nach der Auflösung der DDR weiter. Und auch wenn er einiges modernisiert hat, so ist es doch alles DDR-Produktion. „Es ist alles hier entstanden, außerdem bin ich mit dieser Marke groß geworden, habe mit meinen Schulkameraden damals schon damit gespielt“, so der Modellbahnfreund.

Und auch wenn das Modell noch im Verborgenen gehalten wird, zu sehen gibt es auch so genug. So zog es Melanie Schneider mit ihrem Osterbesuch ins Museum. „Unsere Gäste sind aus Sachsen-Anhalt angereist und da ist das ein schönes Ausflugziel, vor allem wenn es regnet. Es ist spannend, was es alles so gab und es sind doch auch immer Erinnerungen“, so die Perlebergerin.

Doch ist es nicht nur diese, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Politik, auf die die Museumsgründer Freimark Wert legen. „Wenn wir nur auf Nostalgie setzen würden, könnten wir morgen schließen. Und genau das spricht sich rum, deshalb haben wir Gäste aus ganz Europa und hatten vor kurzem sogar ein brasilianisches Fernsehteam hier“, so Freimark.

Genau deshalb hoffen die Betreiber auch auf weiter steigende Besucherzahlen vor allem, da das Museum im Oktober ein Jahrzehnt alt wird. „Wir hatten 2015 über 2000 Besucher und hoffen zu unserem Jahrestag die 40  000 zu knacken“, verdeutlicht Freimark. Dazu beitragen sollen auch die politischen Themenabende, die kostenfrei bleiben. „Joachim Gauck hat leider abgesagt, zwar waren wir in Gesprächen, aber im Moment hat er zu viel zu tun. Doch es sind andere Dinge in Planung“, blickt der Museumsgründer voraus.


Weiteres Museum wirft Schatten voraus


Und auch ein weiteres Großprojekt der Familie soll weiter voranschreiten. Ein zweites Museum, das die Geschichte zwischen Reichsgründung 1871 und dem Ende des Nationalsozialismus 1945 thematisiert, soll in der Perleberger Karl-Marx Straße entstehen. „Es nimmt langsam Gestalt an, die Bauarbeiten sind abgeschlossen und nun geht es mit den Regalen und der Sicherheit weiter“, so Hans-Peter Freimark.

Und auch wenn er keinen genauen Termin nennen will, hofft er doch auf eine Eröffnung 2018 – dem Jahr, in dem das Ende des 1. Weltkrieges genau ein Jahrhundert her ist. Ausstellungsstücke hat Freimark über die Jahre einige gesammelt. Denn vor allem Originale sind es, die die Zuschauer anziehen. „Die sind das Skelett eines Museums, daraus wird mehr gelernt als aus zig geschriebenen Seiten.“

Warum er sich auch noch so ein zweites Großprojekt angenommen hat, dafür hat der Perleberger eine einfache Erklärung: „Ich will klarmachen, warum diese erste Demokratie in Deutschland gescheitert ist. Und auch, wie es dann zum NS-Staat kam. Die Menschen damals waren keine Verbrecher, aber viele wurden dazu gebracht, Unrecht zu begehen. Das ist vor allem vor den aktuellen Entwicklungen sehr wichtig. Die Leute sollen merken, so nicht wieder.“

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