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Der Prignitzer

25. November 2017 | 12:36 Uhr

Ein Malerleben in 45 Bildern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seiler-Ausstellung im Foyer der Sparkasse – „meine letzte“, sagt der heute 94-Jährige

von
erstellt am 01.Aug.2014 | 13:07 Uhr

„Impressionen eines Malerlebens“ – so das Motto der Seiler-Ausstellung, die gestern im Foyer der Sparkasse Prignitz am Großen Markt eröffnet wurde. Werke aus 60 Jahren seines Schaffens, größtenteils in der Prignitz entstanden, sind zu sehen – ein letztes Mal öffentlich. Denn es werde seine letzte Ausstellung sein, so der heute 94-Jährige.

Skizzenblock in der Hand, zumeist einen Sonnenhut auf dem Kopf, dieses Bild hat man vor Augen, wenn der Name Hans Seiler fällt. Inzwischen zieht es den Maler längst nicht mehr täglich hinaus in die Natur, um ihr ihre Farbenpracht und Formenvielfalt abzulauschen. Doch einmal Maler, immer Maler, und so ist es heute das Stillleben im eigenen Wohnzimmer, das er anblickt, auf sich wirken lässt, um es dann aus ganz eigener Sicht auf Papier oder Leinwand zu verewigen.

Schon als Kind wurde jeder leere Zeitungsrand für ihn zum Zeichenblock. „Meine Mutter nannte mich einen Kritzler“, erzählt Seiler, der im April 1920 in Eibau in der Oberlausitz als vierter Spross einer einfachen Familie geboren wurde. Schon früh erkannte die Mutter sein Talent und förderte es. „Sie stellte mir einen Topf auf den Tisch, den ich dann malen sollte. War ich fertig, wurde er umgedreht, so dass ich nun alles räumlich sah.“

Sechs Jahre war Hans Seiler da alt. Die ersten kleinen Bilder entstanden, den ersten richtigen Zeichenblock gab es und als bald auch Aquarellfarben, „die waren am billigsten“, fügt er an.

Maler wollte er werden, doch an ein Studium war nicht zu denken. Dafür fehlte das Geld. Also machte er eine fünfjährige Lehre als Dekorations- und Schriftenmaler. Max Langer, der Bruder seines Lehrmeisters, sollte, was das Malen anbetraf, sein wichtigster Lehrer werden. Er nahm den jungen Seiler mit zu den Saalfesten, wofür die Oberlausitz bekannt war. Gasthäuser, Hallen und Säle wurden vom Dach bis zum Keller unter einem bestimmten Thema kunstvoll gestaltet. „Hier lernte ich mit Farben umzugehen, sie zu mischen. Es ist schon was anderes, für einen bestimmten Zweck zu malen oder einfach nur aus Lust und Freude.“

Dann kam der Zweite Weltkrieg, Hans Seiler wurde eingezogen, schwer verwundet. Eine schlimme Zeit, die aber auch was Gutes hatte, wie er sagt. Denn er konnte sich für „Dekorative Malerei“ an der Akademie für Angewandte Kunst in Dresden einschreiben. Max Langer wurde sein Lehrer.

Doch der Krieg war noch nicht vorbei, auch für Seiler nicht. Noch einmal musste er die Uniform anziehen, kam in Gefangenschaft und traf mit dem damals schon bekannten Maler Conrad Felixmüller zusammen.

„Wir lagen Pritsche an Pritsche. Er hatte eine große Rolle Papier ins Lager geschmuggelt, ich Stifte und Kohle.“ Fortan zeichneten die beiden alles, was im Lager ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Später sagt Hans Seiler: „Es war mein bestes Semester“.

1946 dann kehrte er nach Perleberg zurück, wo er schon als Soldat stationiert war und seine spätere Frau kennengelernt hatte. Fasziniert von der Landschaft der Prignitz, wie zuvor von der Lausitzer Berglandschaft, wurde diese seine Arbeitswelt. 30 Jahre leitet er beim Kulturbund den Kurs Bildende Kunst, viele Prignitzer, insbesondere auch Lehrer, gingen durch seine Schule.

Mehr als 1000 Bilder hat Hans Seiler gemalt, und es gibt kaum eine Technik, in der er nicht seine Umwelt aus seiner ganz persönlichen Betrachtungsweise gestaltet hat. Abmalen nach der Natur verlange durchaus ein gewisses Können, es ist aber keine Kunst, dazu steht er noch heute. „Kunst entsteht durch meine Gedanken, meine Wünsche, mein Wollen.“ Den Charakter der Landschaft erkennen, Gedanken entwickeln, wie könnte, wie müsste sie aussehen, alles im Kopf reflektieren „und wenn man das gut macht, wird Kunst daraus“, so sein Rezept.

Noch bis zum 1. September kann man 45 Arbeiten des Malers, dessen Bilder immer dem Leben zugewandt sind, in der Sparkasse am Großen Markt sehen. Geschäftsstellenleiterin Gabriele Schreyl lädt alle ein, sich diese Schau nicht entgehen zu lassen. Viele Kunstinteressierte kamen bereits gestern zur Eröffnung.


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