Märchen : Ein Märchentag im Regen

Begeistert segeln die Kinder mit diesen beiden Piraten davon und erleben spannende Abenteuer.
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Begeistert segeln die Kinder mit diesen beiden Piraten davon und erleben spannende Abenteuer.

Geschichten über Gold, Teufel und Piraten auf Schatzsuche im Waldlehrpark in Groß Woltersdorf

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07. September 2015, 12:00 Uhr

Sie hat einen gewissen Ruf als Hexe und man mag der Märchenerzählerin Knubbelkrud auch magische Kräfte zusprechen, doch gegen die Regenwolken am Sonnabend über Groß Woltersdorf war auch sie machtlos. Allenfalls für ein Märchen über Nymphen oder sprechende Quellen wäre der Platzregen die perfekte Kulisse gewesen. So aber vertrieb er Zuschauer vom Gelände, hielt andere gleich ganz fern. Der Märchentag am Sonnabend plumpste zwar nicht ins Wasser, aber wurde ziemlich feucht.

Zumindest im Zelt der Knubbelkrud ist es trocken. Erst kocht sie mit den Kindern Goldmünzen, dann erzählt sie vom Teufel mit den drei goldenen Haaren und natürlich den Klassiker, wenn es um Gold in Märchen geht: Rumpelstilzchen. Die Augen der Kinder und die ihrer Eltern kleben gleichermaßen an Knubbelkruds Lippen. Sie fiebern mit, als ob sie das Happy End nicht kennen würden.

„Das ist einfach schön. Das Kind im Manne sozusagen“, sagt Siegmund Wolf. Zusammen mit Christiane Wettstaedt und zwei Enkelkindern ist er hierher gekommen. „Mit meiner Schulkasse war ich hier am Badeteich, las im Prospekt vom Märchentag. Einfach toll, was so ein kleines Dorf auf die Beine stellt“, sagt Christiane Wettstaedt.

Die Anfänge des Märchentages sind bald so alt, wie einige der Märchen. Zwar muss Knubbelkrud dazu kein Buch aufschlagen, aber nur weil sie selbst es war, die diese Veranstaltung ins Leben rief: „In den 90er Jahren gab es den ersten Märchentag auf der Burg Lenzen“, erzählt Renate Gronewegen. Als die Sanierungsarbeiten begannen, fand er in Eldenburg statt, bevor Groß Woltersdorf sich als Veranstaltungsort etablierte. Aus zunächst 50 Besuchern wurden mit den Jahren mehr als 1000.

Renate Gronewegen alias Knubbelkrud ist in jedem Jahr dabei. Die Märchen gehen ihr nicht aus und längst habe sie nicht alle gelesen, die es auf der Welt gibt. Prinzipiell mögen Kinder und Erwachsene die gleichen Märchen, so ihre Erfahrung. Aber es gibt auch reine Erwachsenenmärchen. „In ihnen geht es um Lust und Liebe, bei den Märkischen Märchen erzähle ich oft noch einen historischen Hintergrund und manchmal können sie auch richtig gruselig werden.“

Faszinierend sei, dass die Grundversion eines Märchen in vielen Ländern auftaucht. Beispiel Dornröschen. „In Polen gibt es das schlafende Mädchen in einem eisernen Palast unter der Erde. In der Türkei ist ein unterirdischer Zauberpalast.“

Das Lieblingsmärchen von Renate Gronewegen heißt „Rotkäppchen“. Als Kind habe sie ihrem Vater immer gezeigt, wo im Wald das Häuschen der Oma stehen könnte. Daheim war ein aus Holz geschnitzter Wolf ihr treuer Begleiter und sie selbst schlüpfte immer in die Rolle des Rotkäppchens.

Der veranstaltende Wahrbergeverein hatte sich in diesem Jahr für das Märchen „Die goldene Gans“ entschieden. Eine erste Probe gab es noch vor den Sommerferien, in den letzten zwei Wochen trafen sich die Darsteller mehrmals, sagt der Vereinsvorsitzende Halldor Lugowski.

Auch die anderen Programmpunkte drehten sich um das Gold: Piraten nahmen Kinder mit auf Schatzsuche, wer wollte, konnte gar selbst Gold waschen. Im nächsten Jahr werden Tiere in Märchen das Thema sein. Dann soll möglichst auch wieder die Sonne scheinen. „In 14 Jahren ist es der erste Regentag“, sagt Lugowski. Die erwarteten 1000 Besucher werden es wohl nicht werden.

Aber dennoch sei die Entwicklung des Märchentages eine Erfolgsgeschichte, so Lugowski. Es ist mit Abstand die größte und wichtigste Veranstaltung des Vereins, der am kommenden Sonnabend zu einem irischen Abend mit den „Several 'Gents“ ab 18.30 Uhr in den Waldlehrpark einlädt.

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