Ein Leben für die Feuerwehr

<strong>Hans-Joachim Weidenhöft</strong> vor dem neuesten  Groß Pankower Fahrzeug, dem TLF 16/24.<foto>Petra Ferch</foto>
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Hans-Joachim Weidenhöft vor dem neuesten Groß Pankower Fahrzeug, dem TLF 16/24.Petra Ferch

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26. März 2013, 10:34 Uhr

GroSS Pankow | Am 24. Januar 1913 war es, da gründeten Groß Pankower ihre Ortsfeuerwehr. Erster Wehrführer war damals Tischlermeister Karl Langwisch. 30 aktive und elf passive Mitglieder hatte die Wehr. So weit zurück reichen Hans-Joachim Weidenhöfts Erinnerungen zwar nicht, doch der heute 83-Jährige kann mittlerweile auf fast 67 Jahre Feuerwehrzugehörigkeit zurückblicken. Denn am 1. Juni 1946 wurde er Mitglied, gehört damit neben dem 85-jährigen Herbert Blumenthal heute im wahrsten Sinne des Wortes zu den alten Hasen.

"Ich war schon als Kind begeistert von der Feuerwehr, bin immer mitgelaufen, wenn die Kameraden ausrückten", erzählt der Groß Pankower und dabei leuchten seine Augen. Als 1945 viele aus dem Krieg nicht zurück kehrten, weil sie gefallen waren oder noch in Gefangenschaft, "andere nicht mehr bei der Wehr sein durften wegen ihrer Nähe zu den Nazis, da wurden neue junge Leute gesucht", erinnert sich Weidenhöft. Also trat er als 16-Jähriger ein. Da hatte er auch gerade eine Zimmererlehre in Groß Pankow begonnen. "Ich habe am liebsten im Angriffstruppe gearbeitet, immer vorne dabei", gesteht er lächelnd. Und auch, dass er später, gerade wenn es zu Verkehrsunfällen ging, die häufig Einsatzleitung übernahm, weil "der Feuerwehrchef kein Blut sehen konnte".

Bis 1995, also zu seinem 65. Lebensjahr, war Weidenhöft aktiv dabei, erlebte sowohl die Entwicklung der Wehr zu DDR-Zeiten wie auch nach der Wende mit. Fast wie aus der Pistole geschossen kann er aufzählen, wann es welche Technik gab, wann neue Gebäude entstanden. So begann die Groß Pankower Feuerwehr 1913 ihren Dienst mit einer Handdruckspritze. "Die sind per Pferd oder Handzug ausgerückt, und statt der Sirenen gab es Alarmhörner."

Ab 1929 erreichte die Wehr mit der TS 4, einer Tragkraftspritze, 400 Liter Wasserleistung pro Minute. 1941 wurde sie dann mit einer TS 8 noch schlagkräftiger. "Die war bis 1962 im Einsatz, dann bekamen wir das erste Fahrzeug, einen Robur TS 8. Der hatte eine Tragkraftspritze auf dem Auto, keine extra Pumpe, so dass wir auch die alte TS 8 behielten", blickt Weidenhöft zurück. Doch das neue Fahrzeug machte auch den Bau eines neuen Gerätehauses erforderlich. Es entstand ebenfalls 1962 in der damaligen Dorfstraße. 17 000 Mark der DDR erbrachten die Kameraden dabei in Eigenleistungen. Bereits drei Jahre vorher hatten sie mit viel Eigenleistung einen Schlauchturm errichtet. Er steht schon lange nicht mehr, mehrere Stürme machten ihm den Garaus. Und auch das ehemalige Feuerwehrgrundstück ist heute in Privatbesitz. Mit dem Bau des neuen, modernen Gerätehauses wurde 1993 begonnen. Es steht unmittelbar neben der Amtsverwaltung. Kurz zuvor gab es auch ein neues Löschfahrzeug, ein LF 16, "doch unser Robur LF 8 aus dem Jahre 1986 leistete dann noch in einer anderen Wehr gute Dienste", berichtet Weidenhöft.

Er stand selbst eine Zeit lang der Groß Pankower Wehr vor, nämlich von 1971 bis 74. "Unser damaliger Wehrleiter hatte gesundheitliche Probleme, deshalb setzte man mich kommissarisch ein. Aber ich war nicht in der Partei, zudem wehrte ich mich dagegen, dass Feuerwehrleute für die Kampfgruppen abgeworben wurden, das hat den oberen Herren nicht gepasst", erzählt der heute 83-Jährige. So tauschte er sozusagen mit dem Gerätewart die Funktion.

Fest in Erinnerung sind ihm bis heute die Brände in Groß Pankow. "Der größte war am 5. Februar 1949, da stand das Sägewerk mit Baugeschäft in Flammen. Außer dem Trockenschuppen und den Büroräumen blieb nichts stehen. Man vermutete damals Brandstiftung", blickt Weidenhöft zurück und erzählt, dass der Betrieb noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut wurde. Zum Glück auch für ihn, "denn ich hatte so dort weiter Arbeit".

1951 dann brannte eine große Feldscheune nieder, dort, wo heute der Wolfshagener Damm die Straße des Friedens kreuzt. "Annähernd zwölf Siedler hatten dort ihr Getreide eingefahren. Davon blieb nichts übrig, alles wurde ein Opfer der Flammen". Und Weidenhöft erinnert sich auch an den Stallbrand 1966/67 in der oberen Dorfstraße. "Die Ställe waren mit Stroh eingedeckt, das brannte wie Zunder. Die dort Beschäftigten hatten zu tun, sich selbst zu retten", berichtet er. Viele der Schweine in den Ställen seien verbrannt, "nur einige konnten rechtzeitig ’rausgeholt werden".

Heute fährt Weidenhöft nicht mehr mit zu Einsätzen, steht der Wehr als Senior aber immer noch zur Seite, hat beispielsweise tatkräftig an der Chronik über die 100 Jahre Feuerwehrgeschichte mitgearbeitet. Zwar sind weder sein Sohn noch sein Enkel in seine Fußstapfen getreten - Letzterer lebt in Wolfsburg, und der Sohn ist Berufskraftfahrer, die Woche über kaum zu Hause - dennoch freut sich Weidenhöft, dass es wieder besser mit dem Nachwuchs klappt. "Dagobert Kaping engagiert sich sehr dafür, und mit Erfolg. 2012 belegte die Groß Pankower Jugendwehr beim Gemeindefeuerwehrtag den zweiten Platz. Vielleicht schaffen sie in diesem Jahr den Sieg", hofft Weidenhöft.

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