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Einheitshilfszug in Wittenberge : Ein Kapitel Bahngeschichte weniger

vom
Aus der Onlineredaktion

Deutsche Bahn hat wohl Käufer für den Einheitshilfszug gefunden. Lokschuppen kann ihn aus finanziellen Gründen nicht halten

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Ein Stück städtischer Bahngeschichte macht sich bald auf eine Reise ohne Wiederkehr. Die drei Waggons des ehemaligen Hilfszugs aus dem Bahnbetriebswerk (Bw) sollen verkauft sein und demnächst ihre Heimat verlassen.

Das berichtet Mario Sembritzki von der Traditionsgemeinschaft Deutsche Reichsbahn. Bei ihm sorgt das für Wehmut. „Die Waggons waren mehr als 30 Jahre in Wittenberge beheimatet. Jeder, der hier als Schlosser oder Elektriker gearbeitet hat, ist wenigstens einmal damit gefahren. Ich vermute, dass kein anderes Fahrzeug länger hier stationiert war“, ordnet Sembritzki die Bedeutung der dreiteiligen Einheit aus Mannschafts-, Geräte- und Energieversorgungswagen ein.

Bis zum 24. September 2015 war der Einheitshilfszug offiziell im Dienst und wurde dann von seinem Nachfolger abgelöst. Im Mannschaftswagen befanden sich ein Aufenthaltsraum, ein Umkleideraum, ein Büroabteil, eine Küche, ein Waschraum und eine Toilette. Im Gerätewagen wurde die Aufgleistechnik untergebracht, und im Energieversorgungswagen befanden sich eine Werkstatt und ein stationäres Stromaggregat. Die Waggons wurden eingesetzt, wenn nach einem Unfall oder ähnlichem Techniker auf freier Strecke den Schaden beheben mussten. Für die Zeit der Arbeiten waren sie in den Waggons untergebracht und hatten dort ihre Werkstatt. „Die Besatzung wurde vom Werkstättenpersonal des Bw gestellt. Ob Früh-, Spät- oder Nachtschicht, ob an Werktagen oder Sonn- und Feiertagen“, schildert Sembritzki.

Nach der Schließung des Bahnbetriebswerkes kamen die Waggons ins Ausbesserungswerk (Aw). Auch dort stand rund um die Uhr eine ausgebildete Mannschaft bereit, um bei einem Einsatz des Hilfszuges schnellstmöglich den Einsatzort zu erreichen. „Bereits 2015 reifte bei einigen Besatzungsmitgliedern des Hilfszuges des Aw Wittenberge der Gedanke, die Fahrzeuge vor Ort zu erhalten. Da das Aw die Fahrzeuge selber nicht in ihrem Bestand aufnehmen kann, konnte man sich eine Überlassung an den Lokschuppenverein vorstellen“, berichtet Sembritzki. So wurden die ersten Vorgespräche mit dem Eigentümer DB Netz-Schienenfahrzeugmanagement geführt. „Dieses stellte dem Verein eine vorläufig befristete Dauerleihgabe, mit der Option einer Verlängerung in Aussicht. Zahlreiche Verhandlungspunkte wurden dann besprochen und immer wieder nachverhandelt. Die Jahre verstrichen“, fasst Sembritzki zusammen. Doch letztlich fiel die Entscheidung, dass die Waggons verkauft werden. „Die Bahn bot uns die Wagen an, aber das war finanziell nicht möglich für uns. Es wäre schön gewesen, die Waggons bei uns zu haben, doch es ging nicht“, so Dennis Kathke, zweiter Vorsitzender der Dampflokfreunde Salzwedel, die den Historischen Lokschuppen betreiben. Dass die Waggons verkauft seien, habe Kathke auch schon gehört. Nur welches Ziel sie haben, wisse er nicht. Bei der Deutschen Bahn wird darauf verwiesen, dass der zuständige Ansprechpartner derzeit im Urlaub sei.

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