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Der Prignitzer

24. November 2017 | 14:16 Uhr

„Ein Kampf David gegen Goliath“

vom

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2012 | 11:26 Uhr

Lange war es still um die alte Wassermühle in Wolfshagen und ihren Förderverein. Der hatte sich 2009 gegründet, um einen Abriss des geschichtsträchtigen Gebäudeareals unbedingt zu verhindern. Jetzt hat die Mühle einen neuen Eigentümer. Es ist der Schatzmeister des Vereins Markus Schicker. Und das aus gutem Grund, wie er versichert. „Ich übernehme die Grundlast der Gebäude wie Versicherungen, denn der Verein kann das nicht mehr bezahlen“, erklärt Schicker auf „Prignitzer“-Nachfrage. Dennoch bleibe der Verein bestehen, wolle weiter als Träger für die Entwicklung der Mühle agieren.

Enthusiastisch war der Verein seinerzeit ans Werk gegangen, hatte versucht, zu retten und zu sichern, was mit den geringen Mitteln möglich war. Unter anderem hatte die Gemeinde rund 17 000 Euro bereit gestellt, die eigentlich als Eigenanteil für den Abriss der Mühle vorgesehen waren. Bis zum Frühjahr vergangenen Jahres hatte der Förderverein auch drei fleißige Handwerker im Einsatz, beschäftigt über den Kommunalkombi. Sie hätten bis Juli 2012 hier arbeiten können, doch dem Verein ging das Geld aus, die Männer erhielten zum 30. April 2011 ihre Kündigung.

Sehr wohl weiß der neue Mühlen-Eigentümer, dass mit der Übernahme auch die Pflichten bei ihm liegen. Bislang konnte der Förderverein kein geeignetes Konzept finden, wie das Areal so zu betreiben wäre, um zumindest die Unterhaltungskosten dafür aufzubringen. „Mit Ferienwohnungen oder Kulturveranstaltungen ist da allein nichts zu machen“, bringt es Schicker auf den Punkt. Deshalb knüpft er an Ideen an, die schon der erste Vereinsvorsitzende Henry Kohlmetz verfolgt hatte. Nämlich die Wassermühle als das zu nutzen, was sie einmal war, sprich Wasserkraft in Energie umzuwandeln. „Ich bin gegenwärtig dabei, einen Förderantrag für die Landesinvestitionsbank vorzubereiten“, erklärt Schicker. Konkret gehe es um die Förderung von Planungsleistungen. Schicker sei bereits mit Ingenieuren im Gespräch, geht von rund 20 000 Euro Kosten aus.

Dabei weiß der Randberliner aus Stolzenhagen sehr wohl, dass es ein schwerer Weg wird, den er da vor sich hat, denn bisher wurden die Staurechte für die Stepenitz immer versagt, selbst als während der Schlosssanierung in den 1990er Jahren nachgewiesen wurde, dass dessen Tragkonstruktion wegen der fehlenden Stauhaltung gefährdet sei. „Das ist ein Kampf David gegen Goliath“, beschreibt Schicker. Dennoch will er ihn angehen, setzt wie schon vor ihm Kohlmetz darauf, dass in Zeiten, in denen erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung gewinnen, vielleicht doch ein Umdenken einsetzt.

Unterstützung erhält er dabei vom Förderverein, dem jetzt Roderik Daul vorsteht. „Herr Kohlmetz wollte die Aufgabe nicht wieder übernehmen, auch aus finanziellen Gründen“, denn bisher habe vor allem er viel Kraft und auch Geld in die Vereinsarbeit gesteckt, macht Schicker deutlich. Deshalb sei auf der jüngsten Jahreshauptversammlung ein neuer Vorstand gewählt worden. Zwar ist Daul wie Schicker auch kein Prignitzer, doch komme tatkräftige Unterstützung von den Mitstreitern vor Ort wie Doris und Reinhard Kalcher. „Wolfshagen ist wohl das einzige Dorf in der Prignitz, wo es noch so viele der alten Gebäude gibt, es wäre schade, wenn das alles verfällt“, beschreiben Kalchers ihre Motivation.

Die alte Brennerei sehe schon schlimm aus, aber die unter Denkmalschutz stehende Wassermühle dürfe keinesfalls dem Verfall preisgegeben werden, denn es gebe sie schon seit dem Mittelalter, sie sei eine der ältesten in der Prignitz. Schicker sieht nur in der wirtschaftlichen Nutzung der Mühle eine Chance zur Rettung.

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