zur Navigation springen

Wir in Spiegelhagen : Ein Kalk, ein Stein, das Bier muss warten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor 14 Jahren machte sich Rainer Tiel mit seinem Baubetrieb selbstständig.

von
erstellt am 26.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Maurer ist Rainer Tiel von Beruf und möchte auch nichts anderes sein, wie er sagt. Außer sein eigener Chef. Und diesen Traum erfüllte er sich am 17. März vor 14 Jahren. Wobei damals war es wohl eher ein Albtraum, der ihn plagte. Gerade den Maurer- und Betonbaumeister in der Tasche, da wurde er arbeitslos. „Ein arbeitsloser Meister“ – alles andere als ein Traumjob, erinnert sich der heute 45-Jährige. Arbeit fand er, aber spätestens winters war er wieder zuhause. „Ich versuche es einfach, mache mich selbstständig“, sagte er sich. Mit einem kleinen Auto und seinem eigenen Werkzeug startete er seinen Ein-Mann-Baubetrieb. Sein erster Auftrag: Eine Fassadensanierung in Premslin, erinnert er sich schmunzelnd.

Bis heute ist Rainer Tiel Chef und Arbeiter in persona. Mit Mario Buß, ebenfalls ein selbstständiger Mauer, trifft man ihn oft auf den Baustellen an – auf kleinen und durchaus auch etwas größeren. Die größte war bisher die Heilige-Geist-Straße 10. Ein Haus im historischen Altstadtkern von Perleberg mit fünf Wohnungen habe er hier saniert. „Das war schon eine Herausforderung, nicht zuletzt auch, weil der Denkmalschutz mit im Boot saß. Gerade alten Häusern, vor allem aus Ziegel gemauerten, wieder neues Leben zu geben, das liebe er.

Ob Neu- oder Umbau, Sanierung oder „nur“ ein Türdurchbruch bzw. eine Eingangstreppe – viele Häuser tragen inzwischen auch seine Handschrift. Wie auch das eigene. „Die Fertigstellung hat aber etwas länger gedauert“, fügt er lachend an. Denn erst wurde das Haus seiner älteren Schwester fertig, dann das seiner zweiten Schwester und schließlich das eigene. „Mein Vater, er ist auch Maurer, hat alles gemanaget. Und die ganze Familie hat mitangepackt“, so der Maurermeister. „Wir sind eine Handwerkerfamilie“, ergänzt seine Frau Nicole, die selbst von Beruf Bauzeichnerin ist. Das hat natürlich Vorteile, wir können vieles in Eigenregie machen. Aber auf Familienfeiern sitzt das Thema Bau eben auch immer mit am Tisch.“

An Arbeit mangelt es nicht, auch wenn es im Winter etwas ruhiger ist. Da sitzt der junge Chef dann über Angeboten für die nächsten Aufträge und meist muss er noch einen Teil vom Wochenende ranhängen. Denn wer bauen oder eben umbauen will, der möchte es am liebsten von gleich auf jetzt, weiß Rainer Tiel. Nicht immer kann er sofort zusagen, denn eines vermeidet er möglichst – auf mehreren Baustellen gleichzeitig zu tanzen. „Wenn ich anfange, dann wird auch durchgezogen.“ Nicht selten kommt beim Bauen dann aber ein Wunsch zum anderen. Und welcher Handwerker, der was auf sich hält, sagt da nein. Da wird eben der Feierabend mal noch weiter nach hinten raus geschoben. Gute Arbeit und Zuverlässigkeit, dafür steht das Handwerk. „Schade nur, dass heute immer weniger einen solchen Beruf erlernen wollen. Dabei biete gerade das Handwerk so viele Möglichkeiten“, betont der Klein Linder, den die Liebe einst nach Spiegelhagen verschlug. Seine Nicole steht ihm auch heute zur Seite, ist die gute Seele, die einfach macht, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. „Angebote schreiben oder die Abrechnung, das kann ich nicht“, gesteht sie lachend, aber irgendetwas gibt es immer zu tun und sei es, sich in Geduld zu üben. „Die Arbeit hat nun mal Vorrang, da dauert es mit dem neuen eigene Bad eben, so lange wie es dauert.“ Inzwischen ist es aber fertig, berichten beide mit einem verschmitzten Lächeln.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen