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Der Prignitzer

21. November 2017 | 20:43 Uhr

Ein Jahr nach dem Großbrand

vom

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2011 | 06:53 Uhr

Perleberg | 18. Januar vor einem Jahr: Dicke Rauchschwaden Am Hohen Ende 25. Der Saal des Hinterhauses steht in Flammen, der Dachstuhl wird komplett vernichtet, der darunter liegende Saal ist eine Brandruine. Das Feuer hatte sich zudem über die Dachhaut ins unter Denkmalschutz stehende Vorderhaus durchgefressen. 250 Jahre ist dieses alt und gilt als stadtbildprägendes Einzeldenkmal.

Ein Gutachten zweier unabhängiger Brandschutzsachverständiger kommt anschließend zu dem Ergebnis, dass das Anwesen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei. Im Klartext, es droht der Abriss. Mit dem Verkauf Mitte des Jahres keimt neue Hoffnung. Der Altstadtverein im Zusammenwirken mit der AG Stadtgestaltung und einem Freundeskreis ist zudem angetreten, dieses Anwesen zu retten, ihm eine neue Pers pektive zu geben.

Das Unterfangen gestaltet sich augenscheinlich aber überaus mühevoll. Termine, wann, was für eine Notsicherung erfolgen sollte, standen bereits im Oktober fest. Für Außenstehende ersichtlich passierte jedoch nicht viel, außer dass sich ein Schuttcontainer vor dem Haus füllte. Inzwischen ist das Vorderhaus vom Brandschutt beräumt, "Bitumenplatten für die Noteindeckung sind jetzt da. Unterstützung erhielten wir hier vom Karstädter Unternehmen Wurbs", so Stefan Kunzemann, Vorstandsmitglied im Altstadtverein. Ziel sei, das Vorderhaus komplett wieder einzudecken. Statt eines Daches nach historischem Vorbild werde allerdings "moderner Ingenieurbau praktiziert, sprich aus Bohlen, Nägeln und Wellbitumenplatten soll hier ein Provisorium, das auf Jahre ausgelegt ist, entstehen", umreißt Kunzemann das geänderte Konzept. Damit wäre zugleich ein Standsicherheitsnachweis gegeben, den man bei der Beantragung einer Teilnutzung benötige.

Alles ist aber letztlich eine Frage des Geldes und bürgerschaftlichen Engagements, denn auf diese Säulen bauen die Enthusiasten um den Perleberger Architekten. Die linke hölzerne Dachstuhlkonstruktion blieb vom Feuer verschont, so dass hier umgehend mit der Eindeckung begonnen werden kann. Eine Aufgabe für Fachleute, wie Kunzemann betont. Zwei bis drei Dachdecker werden benötigt, die ehrenamtlich die Arbeit übernehmen sofern das Wetter es zulasse. Unterstützung vom Verein sei garantiert.

Von der Hand in den Mund

Die rechte Dachhälfte hingegen muss eine neue Konstruktion erhalten. "17 Kubikmeter Holz für die Sicherung des Dachstuhls hat uns Hans-Dieter Böhm, ein Unternehmer und Waldbesitzer aus Stepenitz, zur Verfügung gestellt. Am Dienstag wurde es ins Perleberger Sägewerk gefahren", so Kunzemann, der damit die Hoffnung verbindet, dass das Geld des Vereins für den Zuschnitt reicht. Und er macht kein Hehl daraus, dass man von der Hand in den Mund lebe und so auch zeitlich alles nicht anderes, schneller raffen konnte. "Helfer stehen leider nicht Schlange", so Kunzemann.

Hilfe gibt es seit Anfang Dezember. Fünf Ein-Euro-Jober hat die Arge genehmigt, die die Beräumung des Vorderhauses in Angriff genommen haben. Konkret gehe es darum, "alles zu entfernen, was das Wasser im Gebäude hält, wie den alten Teppichboden und dergleichen, damit das Haus atmen kann". Mit Handwerkskammer und IHK sei die Maßnahme abgestimmt. Eine große Sperrmüllaktion ist inzwischen gelaufen.

Abstimmen will der Freundeskreis kurzfristig auch die nächsten Maßnahmen, wie man weitere Hilfe organisieren könne. Außer Zweifel stehe, jede Spende, materielle wie Werkzeug und Baustoffe, und finanzielle hilft, "damit wir schneller agieren und mehr Substanz retten können", unterstreicht Kunzemann. Sofern die ersten Bitumenplatten auf dem Dach sind, soll ein Flohmarkt auf dem Hof von Hoffmanns Hotel stattfinden, dessen Erlös in die Notsicherung fließe. "Wir wollen mit der Aktion natürlich Geld einwerben aber zugleich auch zeigen: Hier passiert etwas." Dass etwas geschieht, zeigt, dass die Baustellensicherung jetzt abgebaut wird, wie Stefan Kunzemann erklärt. Die Bauaufsicht habe bescheinigt, dass nach den bereits erfolgten Maßnahmen keine Gefahr mehr für den öffentlichen Raum ausgehe. Thomas Kolbow vom Ordnungsamt der Stadt bestätigte, dass man auf Anfrage auch diese Information erhalten habe.

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