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Der Prignitzer

19. November 2017 | 01:55 Uhr

Ein in jeder Hinsicht kostbarer Schatz

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2013 | 07:18 Uhr

Perleberg | Mit dem Judenhof hat Perleberg einen wahren Schatz. Einen so typischen Grundriss eines mittelalterlichen Vorplatzes einer Synagoge aus dem 13. Jahrhundert, wo einst Gericht gehalten, Hochzeiten bekannt gegeben und die Toten aufgebahrt wurden, finde man in ganz Deutschland nicht mehr. Mit diesen Worten leitet Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm die Veranstaltung, zu der der Kulturverein am Donnerstag ins Stadt- und Regionalmuseum eingeladen hatte, ein.

Der Schatz aber liegt im Boden, ist für den Betrachter so nicht ohne weiteres wahrzunehmen, verdeutlicht Rainer Meißle, der geistige Vater des Projektes, die Problematik. Ihn erlebbar, lebendig zu machen, dieses ehrgeizige wie anspruchsvolle Ansinnen hat sich der Kulturverein auf die Fahnen geschrieben. Vor allem auch, "um Gedächtnislücken zu schließen", wie Vereinsvorsitzender Hartmut Schneider betont. Hier habe man in Perleberg immens zu tun.

Entstehen soll ein Ort der Begegnung und der Information insbesondere über jene Zeit, in der die Juden in Brandenburg nicht verfolgt, sondern hofiert, nicht geduldet, sondern benötigt und umworben wurden. Der Judenhof soll an seiner Entstehungsgeschichte festgemacht werden, wie Rainer Meißle sagt.

Ein Garagenkomplex, den die Stadt eigens erworben hat, soll entsprechend umgebaut und hergerichtet werden. 200 000 Euro, Mittel aus dem Förderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren, stehen dafür zur Verfügung, wobei 100 000 Euro durch die Stadt als Eigenanteil aufgebracht werden müssen, "die auch im Haushalt eingestellt sind", wie Bürgermeister Fred Fischer bekräftigt. Entstehen soll dafür "ein Haus wie aus Glas, das nachts beleuchtet ist und tagsüber neugierig macht, indem es ahnen lässt, was sich hinter der zur Parchimer Straße und zur Stepenitz hin transparenten Hülle verbirgt, heißt es sinngemäß im Konzept. Über einen Projektor schaffe man die Voraussetzung, dass auch der Einzelne zu jeder Zeit von einem kleinen Vorraum aus Informationen abrufen kann, ohne dass er direkten Zutritt hat. Besuchergruppen wolle man über die Stadtführer den Raum voll erschließen.

Und was erwartet diese hier? Eine Frage aus dem Publikum am Donnerstagabend. "Wir werden keine Originalstücke haben, sondern darüber informieren, wie alles hier einmal ausgesehen hat", erläutert Hartmut Schneider. Wolfgang Schulz, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, ergänzt: "Es wird kein Museum, es wird ein Dokumentationszentrum."

Das Konzept nennt allerdings als Funktion des Hauses auch die eines Museums mit dem Blick auf christlich-jüdische Traditionen und antijüdische Ressentiments, mit Stadtgründung und Mittelalter, mit Wechselausstellungen.

Weitere Funktionen: Raum für Veranstaltungen im Innern mit bis zu 35 Besuchern. Hier denkt man an Vorträge, Lesungen, Tagungen, Filmvorführungen. Der Hof (dritte Funktion) biete Platz für Lesungen zum Büchertag, Konzerte zum Perleberg-Festival und … "Das Projekt gefällt mir", so Klaus Herpich (Linke). Ein gelungener Kompromiss, den Grundriss des Hofes zu erhalten.

Doch dazu müssen vor allem auch die angrenzenden Gebäude, unter anderem eine unter Denkmalschutz stehende Fachwerkscheune bzw. die marode Mauer, erhalten werden. Aufgaben, denen man sich in einem nächsten Schritt widmen werde, wie Rainer Meißle anführt.

Zur bauseitigen Umsetzung des Projektes, bei dem man im Kostenlimit von 198 000 Euro bleibe, wie die Veranstalter verdeutlichten, bedarf es nun aber des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung. Die Zeit drängt, denn bis Ende 2014 müssen die Fördermittel abgerufen sein, ohne sie ist das Projekt nicht machbar. Und in diesem Zusammenhang betont Schneider, dass sich der Kulturverein seiner Verantwortung bewusst sei und für die komplette Innenausstattung aufkomme, Kostenumfang schätzungsweise 30 000 bis 50 000 Euro, wie der Bürgermeister anführt. Denn die 198 000 Euro seien reine Baukosten.

Schützenhilfe bekommt der Perleberger Kulturverein hier von Dr. Hinrich Enderlein, Vorsitzender des Brandenburgischen Kulturbundes: "Ist ein Beschluss gefasst, ist die Innenausstattung zu organisieren eine vergleichbar kleine Aufgabe." Rainer Meißle ergänzt, dass man bereits eine Liste potenzieller Geldgeber habe, "wenn wir wissen, dass es los geht".

Jetzt gehe es vor allem um die Akzeptanz in der Bevölkerung. "Wichtig ist, das Thema nicht zu zerreden, aber intensiv darüber zu reden", bringt es Schneider auf den Punkt. Allerdings hält sich das Interesse am Donnerstag in überschaubaren Grenzen. Und so stellt der Dergenthiner Dirk Rumple nicht von ungefähr die Frage, ob es notwendig sei, in dieser Größenordnung zu bauen? "Kann man nicht die Informationen auch im Museum abbilden?" Er habe nichts gegen das Projekt und verwahre sich dagegen, in eine Ecke gedrängt zu werden, in die er nicht gehöre,. "Es muss doch gestattet sein, zu fragen." Gerda Braatz vom Kulturvereine: "Redet nicht so viel, packt es an."

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