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Der Prignitzer

18. November 2017 | 17:08 Uhr

Himmelpfort : Ein himmlischer Arbeitsplatz

vom

Ulrike Speyer bügelt rote Schleifen auf, die in Kürze zu Hunderten Büsche und Hecken. Die „Weihnachtsengel“ schmücken den Tannenbaum. Nur noch wenige Stunden, dann zieht der Weihnachtsmann in Himmelfort ein.

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erstellt am 06.Nov.2013 | 09:45 Uhr

Ulrike Speyer bügelt rote Schleifen auf, die in Kürze zu Hunderten Büsche und Hecken in Himmelpfort (Oberhavel) zieren werden. Nebenan bringen Dekorateure goldene und rote Vorhänge an. Die „Weihnachtsengel“ Conni, Heidi und Christine schmücken den Tannenbaum mit goldgelben Kugeln. Möbelpacker bringen einen riesigen alten Schreibtisch. Nur noch wenige Stunden – dann zieht der Weihnachtsmann ein. Bis zum 24. Dezember landen dann säckeweise Wunschzettel in dem brandenburgische Örtchen – etwa 292000 Briefe waren es 2012. Der Weihnachtsmann wird sie alle beantworten.

Für den staatlich anerkannten Erholungsort mit seinen rund 450 Einwohnern beginnt mit der Eröffnung von Deutschlands größter Weihnachtspostfiliale heute eine zweite Saison. „Für uns ist das Lohn und Brot“, sagt Ingo Tausendfreund. Der gelernte Bautechniker steht in der Wohnstube des Weihnachtsmanns und tapeziert die Wände. Im Sommer ist der Familienvater für den Reiseveranstalter Nordlicht im Einsatz und vermietet Kanus. Rund um die Adventszeit setzt ihn sein Chef als „Handwerker des Weihnachtsmanns“ ein - und ermöglicht ihm so Einkünfte außerhalb der Saison. „Eigentlich sind wir ein Ort für Sommertouristen. Damit wird das Geld verdient“, meint Ortsvorsteher Lothar Kliesch. Schon zu DDR-Zeiten war Himmelpfort für seine gute Luft bekannt. „Den Bekanntheitsgrad hat unser Ort aber seinem Namen und der Weihnachtspostfiliale zu verdanken“, räumt Kliesch ein. „Egal wo: man trifft immer einen, der schon einen Wunschzettel geschrieben hat.“

Für 19 „Engel“ und einen „Wichtel“ ist die Deutsche Post in den kommenden Wochen der Arbeitgeber. Weil der Weihnachtsmann die vielen liebevoll gestalteten Wunschzettel aus aller Welt nicht allein beantworten kann, stellt ihm das Unternehmen fleißige Helfer zur Seite. Sieben Tage in der Woche, maximal zehn Stunden täglich und nach Tarif gezahlt, berichtet Sprecherin Sylvia Blesing.
Die Post hat in ganz Deutschland himmlische Filialen - beispielsweise in Engelskirchen (Nordrhein-Westfalen), Himmelstadt (Bayern) oder Nikolausdorf (Niedersachsen). In Ostdeutschland ist Himmelpfort jedoch der einzige Standort - und nirgendwo anders sind so viele Helfer hauptamtlich der Seite des Weihnachtsmannes. „Unser Name weckt Erwartungen“, berichtet Matthias Paul. Der gelernte Konditor, Kaufmann und Pädagoge ist seit 2010 Pächter des früheren „Hauses des Gastes“ in Himmelpfort. Vertraut ist dem 66-Jährigen die Region, in der sich einst Zisterziensermönche an der „Pforte des Himmels“ ansiedelten, schon länger als Veranstalter von Kanutouren. Mit seinem Branchenwissen will er die touristischen Möglichkeiten des himmlischen Örtchens weiter ausschöpfen.

„Die Menschen kommen mit leuchtenden Augen hierher - und erwarten etwas Weihnachtliches“, berichtet Paul. Sein Haus - Café, Herberge und Tourist-Information zugleich - ist zum „Weihnachtshaus“ geworden. Einmal quer durch den Garten steht die „Weihnachtsstube“ - dort wohnt der Mann mit weißem Bart und rotem Mantel. „Nur sehen kann ihn dort keiner“, sagt Paul und lächelt geheimnisvoll. Diesen Zauber will er bedienen - und zugleich die Wirtschaft ankurbeln. An allen vier Adventswochenenden gibt es inzwischen Programm mit Weihnachtsmärkten: Mal mehr für die Kleinen und deren Kreativität, dann für die ganze Familie mit mittelalterlichem Flair. Vom „singenden Weihnachtsbaum“ bis zur Wichtelwanderung und einem Krippenspiel mit echten Tieren reicht das Programm.

„Wir sind inzwischen für fast acht Wochen ein Weihnachtsort“, meint der Himmelpforter Ortsvorsteher. Davon könne die gesamte Region profitieren, betont der SPD-Politiker, der viele Jahre der Spitze des Tourismusverbands Land Brandenburg angehörte. 15000 bis 20000 Gäste kämen an den Adventswochenenden nach Himmelpfort. „Da könnte sich die ganze Region dranhängen und Erlebnisse entlang der Hin- oder Rückfahrtstrecke kreieren“, so Kliesch. Aus seiner Sicht wird noch Potenzial verschenkt. 150000 bis 180000 Tagesgäste zählt die Verwaltung in Fürstenberg/Havel jährlich für die Region. Etwa 80000 Übernachtungen gibt es, berichtet Bürgermeister Robert Philipp. „Die Priorität liegt bei Himmelpfort.“

Erstmals schrieben übrigens 1984 zwei Kinder aus Berlin und Sachsen an den Weihnachtsmann in Himmelpfort. Da die damalige Postmitarbeiterin keinen Empfänger fand, antwortete sie selbst. Heute ist sie als „Oberengel“ Conni unterwegs. Marion van der Kraats

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