Der Karstädter Klaus Erdmann : Ein großes Herz für kranke Kinder

Pro Woche 300 Kilometer fest im Sattel: Klaus Erdmann setzt seine sportliche Leidenschaft für gute Zwecke ein.
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Pro Woche 300 Kilometer fest im Sattel: Klaus Erdmann setzt seine sportliche Leidenschaft für gute Zwecke ein.

Klaus Erdmann macht seit Jahren Strecke für Benefiz-Veranstaltungen

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24. August 2016, 12:00 Uhr

Die 20. Auflage der „Hansetour-Sonnenschein“ zu Gunsten krebs- und chronisch kranker Kinder und Jugendlicher durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ist Geschichte. „Der Erfolg war in diesem Jahr enorm“, strahlt Tourteilnehmer Klaus Erdmann angesichts einer Spendensumme von über 250  000 Euro, die zusammenkam.

Der 72-Jährige begleitete die viertägige Benefizfahrt über 500 Kilometer mit Start und Ziel in Rostock zum neunten Mal. Beim Zwischenstopp der Tourkarawane mit rund 300 Radfahrern in Pritzwalk hatte der Karstädter mit einer von ihm gesammelten Spende von 1535 Euro selbst den scheidenden Chef der Tour, Helmut Rohde, überrascht (wir berichteten). Es war aber nicht Erdmanns erste Sternenfahrt für den guten Zweck.

Sechs Wochen vor der Tour begann er, bei Privatleuten und Unternehmen in seiner Karstädter Umgebung um Spenden zu werben, klärte die Angesprochenen über den Sinn und die Ziele der Aktion auf. „Ich wollte sehen, wie die Leute zu der Sache stehen. Und ich war positiv überrascht, hätte nicht gedacht, dass so viel Geld zusammenkommt“, sagt der begeisterte Radtourenfahrer.

Gleich 53 Einzel- und Firmenspender der Region beteiligten sich an seiner Sammlung. Zusammen mit den Spenden aus Pritzwalk und den anderen brandenburgischen Tourstopporten Wittstock und Meyenburg sowie dem Erlös der Hansetour-Tombola von 1465 Euro geht sein Beitrag an die „Björn-Schulz-Stiftung“ im Land Brandenburg.

Schon 1996 machte Klaus Erdmann erstmals Bekanntschaft mit der „Schulz-Stiftung“, die lebensbedrohlich und lebensverkürzend erkrankte Kinder und junge Menschen bis 35 Jahre und ihre Familien mit verschiedenen Projekten unterstützt. „Ich hab einen Staffellauf von St. Peter Ording nach Berlin mit dem Fahrrad begleitet“, erzählt der Karstädter, der damals vom Schicksal des kleinen Björn erfuhr, der 1982 mit nur sieben Jahren an Leukämie verstarb.

Björns Tod war der Impuls für seine Eltern, gemeinsam mit anderen Betroffenen, im Jahr 1983 den Verein Kinderhilfe zu gründen, aus der 1996 die „Björn-Schulz-Stiftung“ hervorging. Sie ermöglicht unter anderem, dass auch finanziell oft überforderte Familien die noch verbleibende Lebenszeit gemeinsam mit ihren Kindern voller Geborgenheit verbringen können. „Ich finde es wichtig, dass auf dieses Problem aufmerksam gemacht wird und denke, dass man dafür Unterstützung geben muss. Jeder noch so kleine Beitrag ist wichtig“, sagt Klaus Erdmann.

Auch an der Benefiz-Tour „Race Across MV“ über 500 Kilometer (in 24 Stunden!) von und nach Schwerin nahm er dreimal (von 2003 bis 2005) teil. „2007 sah ich im Fernsehen einen Bericht von der Tour ,Deutschland setzt ein Zeichen‘, bei der eine Gruppe um den Extremsportler und AIDS-Aktivisten Joachim Franz für die Kinder-AIDS-Hilfe in Südamerika und Afrika mit dem Rad gefahren ist. Der habe ich mich dann einfach angeschlossen“, erzählt Klaus Erdmann. 2008 wurde er durch den „Prignitzer“ erstmals auf die „Hansetour-Sonnenschein“ aufmerksam und radelte spontan mit. „Seitdem bin ich jedes Mal dabei.“

Auch vor knapp zwei Wochen trug der Karstädter das blaue Trikot mit dem Logo der Hansetour auf dem Rücken. Wie die Mitfahrer aus ganz Deutschland zahlte er bei seiner neunten Teilnahme das Sattelgeld von 170 Euro für Verpflegung und Unterbringung aus eigener Tasche. Erdmann berichtet, dass viele Fahrer wie er zum wiederholten Mal die Tour bestritten. „Die Stimmung, das Verständnis und der Zusammenhalt unter den Fahrern war erneut gut. Alle haben ein gemeinsames Ziel verfolgt“, erzählt Erdmann lächelnd und ist schon ein wenig stolz, dazu beigetragen zu haben, dass der Förderverein der Hansetour in den vergangenen Jahren mehr als 2,3 Millionen Euro an Spenden eingeworben und so den verschiedensten Einrichtungen zur Verfügung stellen konnte.

Doch die 20. „Hansetour-Sonnenschein“ war die letze Benefiz-Radrundfahrt dieser Art. „Der Organisator und Tourchef, Helmut Rohde, will altersbedingt aufhören“, erzählt Erdmann. Außerdem sei der organisatorische Aufwand, der zuletzt enorme Ausmaße angenommen hatte, vom ehrenamtlichen Förderverein kaum noch zu bewältigen. „Mal abwarten, wie es weitergeht. Wie ich aber gehört habe, wird an einem Nachfolgeprojekt unter neuem Namen gearbeitet. Sollte es weitergehen, werde ich wieder mitmachen“, ist sich der Karstädter sicher.

Und die Hilfe wird nicht aufhören. Wie der scheidende Tourleiter Rohde dem Medienhaus Nord verriet, „wird nur das Konzept verändert. Es wird eine Doppelspitze geben für die nächste Tourorganisation. Die Tourleitung hat dann der Rostocker IHK-Präsident Claus Madsen inne. Ich bleibe Vorsitzender des Fördervereins.“ Und es wird dafür auch weiter Rad gefahren – „aber keine Vier-Tages-Tour mehr“, so Rohde. Aus dem Umfeld war zu vernehmen, dass es künftig ein bis höchstens zwei Tage sein würden. Für Klaus Erdmann, der wöchentlich noch immer um die 300 Kilometer im Sattel sitzt, sicher kein Problem.


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