Ein großes Herz für die kleine Cindy

Cindy mit ihren Eltern:  Mama Heike (Mitte), Mama Doris und Papa Bernd. Petra Ferch
Cindy mit ihren Eltern: Mama Heike (Mitte), Mama Doris und Papa Bernd. Petra Ferch

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13. Mai 2011, 06:03 Uhr

Wittenberge/Legde | Heike Schumacher war 20, als Cindy 2004 zur Welt kam. Von dem Vater hatte sie sich längst getrennt, ihre Mutter lebte in Berlin. "Ich war völlig auf mich allein gestellt, hatte keinerlei Erfahrungen mit einem Kind", erinnert sie sich. Und Cindy war kein einfaches Baby, hatte gesundheitliche Probleme, schrie viel. "Ich war völlig überfordert", beschreibt die junge Frau die damalige Situation.

Sie suchte Hilfe und fand sie beim kreislichen Jugendamt. Gabriele Jenschek wählte eine Pflegefamilie für das Baby aus - Doris und Bernd Schulz aus Legde. "Sie haben mir versprochen, dass mein Baby in gute Hände kommt", betont Heike Schumacher, denn das war ihr ganz wichtig. Cindy kam im Alter von drei Monaten zu Schulzes. "Unsere Kinder sind groß, mittlerweile aus dem Haus, da haben wir uns überlegt, dass es eine dankbare Aufgabe sei, anderen Kindern zu helfen", beschreiben die beiden ihre Motivation. Räumen aber auch ein, dass es am Anfang eine ziemliche Umstellung war, "plötzlich wieder ein Baby im Haus" zu haben.

"Man braucht sehr viel Geduld und Verständnis, vor allem aber Liebe, denn die Kinder, die zu Pflegeeltern kommen, haben besondere Ansprüche, allein schon, weil sie ja schon Eltern haben. Man muss diese Kinder so abholen und akzeptieren, wie sie sind, sich auf ihre Besonderheiten einlassen können", macht Gabriele Jenschek die Kompliziertheit dieser Aufgabe deutlich. Und dazu komme, dass sich die Pflegeeltern ständig der Tatsache bewusst sein müssen, dass sie diese Kinder sozusagen auf Zeit haben. "Wenn die leiblichen Eltern ihre Lebenssituation wieder im Griff haben, wird das Kind natürlich zurückgegeben", stellt die Jugendamt-Mitarbeiterin die Konsequenz dar.

Bei Cindy ist das allerdings schon geklärt. "Sie soll bis zu ihrem 18. Lebensjahr bei Schulzes bleiben", blickt Heike Schumacher voraus. Das, so ist sie sich sicher, sei im Sinne des Mädchens, das sich in der Legder Familie wunderbar entwickelt hat. Die Kleine ist aufgeweckt und wissbegierig, mittlerweile ein Schulkind. "Ich mag besonders Mathe und Deutsch", verrät Cindy. Und sie ist kein bisschen aufgeregt beim Fototermin mit dem "Prignitzer". Im Gegenteil. "Ich weiß schon, wo wir das beste Foto machen, am Klettergerüst im Park". Gemeinsam mit Mama Heike, Mama Doris und Papa Bernd steuert sie den Spielplatz im Wittenberger Clara-Zetkin-Park an. In der Elbestadt wohnt nämlich Mama Heike. Der Kontakt zur leiblichen Mutter ist nie abgebrochen. Im Gegenteil, "Heike hat das Baby bei uns mit gebadet und gewickelt, hat später über Kindergarten und Schule mit entschieden", führt Doris Schulz nur einige Beispiele der engen Zusammenarbeit an. Für Heike Schumacher, die mittlerweile zwei Söhne hat, ist es schön, Cindy so behütet und glücklich aufwachsen zu sehen. Regelmäßig trifft sie sich mit ihrer Tochter. Auch auf dem Spielplatz wird sie gleich entführt. "Mama Heike, komm mal mit, ich muss dir was zeigen", ruft Cindy, greift die Mutter bei der Hand und läuft zu einem anderen Spielgerät. Doris und Bernd schauen den beiden lächelnd nach. Sie freuen sich über ihre Pflegetochter. "Wir bekommen so viel Liebe von ihr zurück, das ist einfach wunderschön", gesteht Bernd. Vielleicht auch deshalb haben sie mittlerweile noch ein zweites Pflegekind aufgenommen und sind glücklich, dass es sich so gut mit Cindy versteht.

Für Gabriele Jenschek ist dieses Beispiel ein schöner Beleg dafür, wie das Modell Pflegeeltern funktionieren kann im Sinne aller Beteiligten, vor allem der Kinder. Insgesamt gibt es derzeit im Landkreis 36 solcher Pflegefamilien, werden 55 Mädchen und Jungen von ihnen betreut. Doch der Bedarf ist steigend, weiß die Jugendamt-Mitarbeiterin. "Viele Familien sind überfordert, brauchen Hilfe". Nicht selten hätten die Eltern psychische Probleme, würden einfach mit der Situation nicht fertig. Oder es gebe aus anderen Gründen Konflikte, beispielsweise bei zu großer Wohnraumenge. Die Ursachen seien vielfältig, weshalb Kinder Hilfe von Dritten benötigten.

Wer sich einer solchen Aufgabe stellen möchte, sollte selbst Erfahrung mit der Kindererziehung haben, vor allem aber ein sehr liebevolles Herz. Es könnten sich durchaus auch Alleinstehende melden, betont Gabriele Jenschek. Pensionäre seien ebenfalls nicht ausgeschlossen, denn nicht selten würden auch Pflegepersonen für einen kürzeren Zeitraum benötigt.

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