Ein „Gewohnheitskrimineller“

Nach Überfall auf Frau in Wittenberger Wohnung wird René S. am Landgericht Neuruppin zu sechs Jahren Haft verurteilt

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30. Juni 2016, 12:00 Uhr

Es ist ein unheilvoller Kreislauf: René S. trinkt, wird kriminell, wird verurteilt, sitzt seine Strafe ab – und alles beginnt wieder von vorn. Das geht so seit 1992. Einen „Gewohnheitskriminellen“ nannte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann den Angeklagten. Vorgestern wurde der 41-jährige René S. vom Landgericht Neuruppin wegen Diebstahls, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren verurteilt.


René S. hatte nach Überzeugung des Gerichts die Mutter seiner Ex-Lebensgefährtin in ihrer Wohnung in Wittenberge überfallen, die Wohnung auf der Suche nach Geld auseinander genommen, der wehrlosen Frau ihr Handy abgenommen, sie geschlagen und mit einem Messer in den Oberschenkel gestochen - weil sie sich weigerte, ihre EC-Karte und die Pin-Nummer herauszurücken. In die sechs Jahre ist ein Urteil aus dem vergangenen Jahr von einem Jahr und drei Monaten einbezogen. Damals hatte er seine Ex-Freundin krankenhausreif geprügelt.

René S. beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Nicht er sei der Täter, sondern ein unbekannter Dritter, den er namentlich nicht kenne, der ihn aber zu dem späteren Opfer begleitet habe. „Man kann natürlich sagen, dass er nur seine Haut retten will“, sagte Verteidiger Bernd Hohmann. Er habe aber mit seinem Mandanten bisher die Erfahrung gemacht, dass dieser, wenn er es denn war, auch gestanden habe. „Keiner kann sagen, was passiert ist“, so Hohmann. Er forderte einen Freispruch. Die Version des Angeklagten überzeugte das Gericht nicht. René S. habe sich eine „wunderschöne Geschichte“ ausgedacht. „Ich weiß nicht, ob Sie die mittlerweile glauben – wir nicht“, sagte Richter Lechtermann.

Die Richter glaubten der Aussage des Opfers. Demnach saß die 61-Jährige in der Silvesternacht allein in ihrer Wohnung, als der Angeklagte über den Balkon einstieg und den unbekannten Dritten in die Wohnung einließ. Dass war der Frau zwar nicht recht, sie trank aber mit ihren ungebetenen Gästen. Sie hatte Angst vor dem Angeklagten, der bereits beim Eintreten ein Messer in der Hand hielt und sogleich ihr Handy einsteckte. Das Gericht war davon überzeugt, dass die dritte Person die Wohnung irgendwann im Laufe der Nacht verließ, als die beiden schliefen. Unsanft wurde die Frau dann von Ohrfeigen geweckt. René S. verlangte ihre EC-Karte und die Pin. Sie weigerte sich, er schlug zu. Und als das nichts nutzte, stach er ihr in den Oberschenkel. Er stellte die Wohnung auf den Kopf und fand etwas Bargeld. Dann verschwand er, mit dem Handy des Opfers im Rucksack, und ging zur nächsten Party. „Er hat die hilflose Frau in ihrer Wohnung überfallen und stundenlang entmündigt. Das war eine üble Tat“, sagte Lechtermann. Ihres Handys beraubt, konnte sie keine Hilfe holen. Die kam erst am nächsten Tag, nachdem der Angeklagte ihre Tochter benachrichtigt hatte. Das war das einzig Positive, das das Gericht für René S. in die Waagschale werfen konnte. Es ging von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus. „Sie sind Alkoholiker und Sie haben nie gelernt, soziale Werte zu achten, Probleme ohne Gewalt zu lösen“, sagte Lechtermann. Sämtliche Versuche, René S. von seiner Alkoholsucht zu befreien, seien in der Vergangenheit erfolglos geblieben. Deshalb ordnete das Gericht keine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. René S. muss seine Strafe im Gefängnis verbüßen.„Sechs Jahre Freiheitsstrafe sind ausreichend, aber auch erforderlich“, so Lechtermann. Der Angeklagte wirkte davon nicht überzeugt.  

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