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Der Prignitzer

24. November 2017 | 05:03 Uhr

Ein Feuer zerstörte jahrelange Arbeit

vom

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2012 | 07:30 Uhr

Streesow | Wie muss einem Menschen zumute sein, wenn er über Jahre in mühevoller Kleinarbeit ein Haus umbaut und modernisiert, dafür nach dem eigentlichen Arbeitstag und an Wochenenden viel Zeit und Mühe aufwendet, nicht wenig Geld investiert, im März die Lebensgefährtin mit Baby zu sich holen wollte und plötzlich alles Geschaffene ein Raub der Flammen wird? Enrico Prescher hat diese Hölle erlebt: Sein Haus in Streesow brannte am 23. Januar ab, ist nur noch eine Brandruine (der "Prignitzer" berichtete).

"Ich wollte gerade die Frühschicht beginnen, als ich einen Anruf bekam, dass mein Haus brennt", erzählt der 39-Jährige. So schnell war er wohl noch nie von Meyenburg nach Streesow gekommen. Retten konnten die alarmierten Feuerwehren das Haus nicht mehr. Enrico Prescher musste mit ansehen, wie das Feuer, das im Obergeschoss des Hauses ausgebrochen war und schnell den gesamten Dachstuhl erfasste, alle Arbeit und Mühen zunichte machte. Als Brandursache ermittelten die Kriminaltechniker einen technischen Defekt an der Elektroanlage.

Erbaut in den 30er Jahren, wohnten hier die Großeltern von Enrico Prescher. Er übernahm das Grundstück 1994. Stück für Stück baute er das Dachgeschoss aus und zog dort ein. Später modernisierte er das Erdgeschoss. Vor fünfeinhalb Jahren lernte der Streesower seine Lebensgefährtin kennen. Bald stand fest: Wir ziehen zusammen! Also wurde noch mal in die Hände gespuckt, sagte sich doch auch Nachwuchs an, der vor einem halben Jahr zur Welt kam. Liebevoll arbeitete der werdende Vater ein Familienerbstück auf - ein Kinderbett, das der Uropa für seine Nachkommen gebaut hatte und in dem auch Enrico Prescher als Kind schlief.

Das Bett ist zwar nicht verbrannt, doch völlig verqualmt und kaum mehr nutzbar. "Ein richtig schlimmer Anblick war für mich, Spielzeug von unserem Kind in dem Brandschutt zu sehen. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", so der junge Vater. Ein Opfer der Flammen bzw. durch Qualm, Ruß und Löschwasser unbrauchbar wurden auch Möbel, die bereits aus der Pritzwalker Wohnung der Lebensgefährtin nach Streesow geholt worden waren. "Es ist alles hinüber. 18 Jahre Arbeit umsonst. Eigentlich wollte ich jetzt das Leben genießen."

Enrico Prescher spricht sachlich, will nicht verzweifeln. Dabei hilft ihm, dass er abgelenkt wird von Dingen, die jetzt zwangsläufig zu erledigen sind, wie Termine mit Wemag und WTAZV, um Strom- und Wasseranschlüsse abzuklemmen oder mit der Versicherung. Das Ergebnis des Gutachtens ist allerdings ernüchternd: die Bausubstanz ist dermaßen geschädigt, dass nur ein Abriss bleibt.

Bis zu einem Neubau gehen vermutlich einige Monate ins Land. Derzeit wohnt der Streesower bei seiner Lebensgefährtin, doch erwägen beide, eine gemeinsame Wohnung in Karstädt zu mieten. Zumal die Pritzwalkerin ihre Wohnung mit Blick auf den geplanten Umzug nach Streesow zum 31. März bereits gekündigt hat. Was den jungen Vater stark bedrückt - er hat zwar eine Wohngebäude-, jedoch keine Hausratversicherung. "Das heißt, wenn wir eine Wohnung mieten, haben wir bis auf die wenigen in Pritz walk verbliebenen Möbelstücke kein Mobiliar, Geschirr und all das, was zu einem Haushalt mit Kind gehört", erklärt der Familienvater. Er und seine Partnerin wären mehr als dankbar, wenn man sie mit Sachspenden unterstützt. Kontakt: 0172/4659094.

"Herr Prescher kann sich in unserem Möbellager und in der Kleiderkammer melden. In Situationen wie in seinem Fall helfen wir sehr gern", reagierte Wolfgang Schulz, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes, auf "Prignitzer"-Nachfrage.

Und noch etwas liegt dem Streesower am Herzen: Er sucht übergangsweise ein Zuhause für seinen achtjährigen Hund - ein Mix aus Labrador, Border Collie und Schäferhund. "Wir wissen nicht, wohin mit dem Tier. Im Moment ist er im Zwinger, das ist aber keine Lösung. Und in den Neubau wollen wir den Hund nicht mitnehmen", so Prescher.

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