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Der Prignitzer

21. November 2017 | 02:11 Uhr

Ein Festival voller Illusionen

vom

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2012 | 09:49 Uhr

Wittenberge | Die Kino- und Fantasiewelt hielt Einzug im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus. Das 3. Norddeutsche Bodypaintingfestival fand am Samstagabend seine Meister. Das Motto "Film-, Musical- und Theaterillusionen" interpretierten die Künstler auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Bereits zum Publikumseinlass um 16 Uhr standen die Painter unter Strom. Vom "Kampfpinseln" spricht der Künstler Jörg Düsterwald aus Hameln. "Fünfeinhalb Stunden ist nicht viel, das wird sehr eng." Er taucht den Pinsel in die Farbe, immer wieder ein Kontrollblick auf die Skizze. Sein Model Sandra Betz erträgt die Hektik stoisch. Das Blitzlichtgewitter um sie herum macht ihr nichts aus. "Ich finde das alles hier sehr gemütlich", sagt das hübsche Mädchen. Eigens für diese Veranstaltung, an der er zum ersten Mal teilnimmt, weil er "Bock hatte", fertigte er eine Skizze an. Moulin Rouge entsteht auf der nackten Haut seines Models. "Ich habe den Anspruch, dass alles ein Großes und Ganzes ergibt", sagt er zwischen den Pinselstrichen. Nach gut fünfeinhalb Stunden "Kampfpinseln" macht Sandra Betz ihrem Kunstwerk alle Ehre und legt auf der Bühne eine erotische Tanzeinlage ein, zu der sie einen Mann auf die Bühne holt. Die Mühe macht sich am bezahlt.

Doch zurück hinter die Kulissen: Bewundernde Blicke auf die verzierte Haut lässt sich auch Madeleine Bernhardt gefallen. Auf den ersten Blick ist noch nicht ganz klar, was auf ihrem Körper entstehen wird. Später ist ihr Körper ein Abbild afrikanischer Savanne, das Thema unverkennbar. Mit "König der Löwen" malt sich Künstlerin Katja Becker aus Klötze in der Altmark in die Herzen der Jury und des Publikums.

Übrigens, schwitzen dürfen die Models unter dem Scheinwerferlicht möglichst nicht, verrät Ingrid Bingler, Künstlerin aus Nürnberg. Für Model Daniel Gerner ist das leichter gesagt als getan. Er verwandelt sich binnen weniger Stunden in Jack Sparrow - den schrulligen Piraten aus dem Film "Fluch der Karibik". "Wir lassen bis zum Ende die Achselhöhlen frei, sonst würde die Farbe durch den Schweiß verwischen," erklärt Ingrid Bingler. Es sei heute etwas schwierig mit dem Scheinwerferlicht, das von oben sehr viele Schatten werfe. Der Publikumsmagnet hat seinen Platz unter der Empore. Enrico Klein ist der einzige Airbrusher an diesem Tag. Das heißt, er bringt die Farbe mittels einer Spritzpistole auf die Haut von Model Josephin Gruhn und ist deshalb auch viel schneller als seine Kollegen. Am Rande verrät er noch einen Trick aus der Szene: Der Slip, den die Models tragen, ist angeklebt, damit er nicht verrutscht. Ein Gang zum Örtchen ist zwar prinzipiell möglich, aber schwierig, gesteht Enrico Klein.

Die Besucher im Kultur- und Festspielhaus erleben hautnah die Metamorphose in Fantasiegestalten mit. Der gebürtige Wittenberger Benjamin Kudla ist mit seinen Freunden gekommen. "Uns gefällt es hier ganz gut", sagt er stellvertretend. Bislang verstand er unter Bodypainting nur das Malen mit Airbrush. Die Pinsel und Schwammtechnik sei ihm völlig neu.

Kreativität stellen die Akteure der Coiffeur GmbH unter Beweis. Vor den Augen der Gäste frisierten sie einen Hut aus getrockneten Nudeln ins Haar, wahlweise auch aus Keksen und Biskuit - "das Dach aus Schokolade habe ich mit extra viel Haarspray fixiert", sagt Friseurin Christin Bauer. Selbst ein frischer Hamburger hält als Kopfschmuck stand.

Besondere Erwähnung gebührt den Wittenberger Gymnasiasten, die die Gesichter ihrer Models künstlerisch bemalten. Sie sind alle im Grundkurs zeichnen und entschieden sich auf Nachfrage ihrer Kunstlehrerin für die Teilnahme am Bodypaintingfestival.

Die Bewertung der fünfköpfigen Jury am Ende des Festivals fällt eindeutig aus. Sieger ist Katja Becker aus Nürnberg mit ihrem Model Madeleine Bernhardt, die den Film "König der Löwen" in den Augen der Experten hervorragend umsetzte. Das sah auch das Publikum so und so holte sie auch gleich den Publikumspreis. Womöglich lag das an ihren Fans, die sie mitgebracht hatte. Platz 2 belegte Jörg Düsterwald mit "Moulin Rouge", und den 3. Platz holt Gesine Marwedel aus Dortmund. Sie widmete sich dem Klassiker "Alice im Wunderland." Alleiniger Airbrusher Enrico Lein erhielt den Sonderpreis. Die Jury würdigte außerdem die Leistung von Luisa Hartl aus Bad Wilsnack, die zum ersten Mal an einer derartigen Veranstaltung teilnahm.

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