Schlemmen mit reinem Gewissen : Ein Fahrplan zum gesunden Essen

Ernährungsberaterin Linda Otto verzichtet weitestgehend auf Verbote und hat jede Menge Tipps.
Ernährungsberaterin Linda Otto verzichtet weitestgehend auf Verbote und hat jede Menge Tipps.

Ernährungsberaterin und Köchin Linda Otto freut sich auf ihren Festtagsbraten, aber warnt vor den versteckten Gefahren im Alltag

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22. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Knieper mit Kassler und Kroketten zum Mittag. Noch einmal schlemmen, bevor Ernährungsberaterin Linda Otto gleich das schlechte Gewissen wecken wird. Nein, sie wird es wachrütteln. Spätestens nach der Beichte über die Speisekarte zu den bevorstehenden Weihnachtstagen. Doch Linda Otto lächelt charmant und macht sofort klar: „Ich bin nicht der Typ für den Zeigefinger.“ Sie sieht sich als Begleiterin. „Jeder muss für sich entscheiden, was er macht.“

Sie hat sich entschieden: Weihnachten gibt es bei ihr Ente mit Rotkohl und Klößen, dazu Rotwein. „Den Vogel natürlich mit knuspriger Haut. Ich esse gerne, essen ist Genuss“, so die 33-Jährige. Wer mit ihr das Gespräch sucht, bekommt keine Verbotsliste, aber erfährt viel über gesundes Essen, Lebensmittel, Kohlenhydrate und Zutaten in Fertiggerichten, die wir Kunden wissen sollten, aber lieber gar nicht wissen wollen.

Linda Otto ist diplomierte Ökotrophologin. Nach ihrem Studium in Hamburg hat sie in Putlitz das Studio Apfel & Eva eröffnet, bietet Ernährungsberatung, -therapie, betriebliche Gesundheitsfürsorge an, ist zu Gast in Schulen und Kitas. Wer keine Lust hat, mit ihr über Kilos und Fettverbrennung zu sprechen, der kann mit ihr kochen. Vor ihrem Studium absolvierte die Prignitzerin eine Ausbildung zum Koch. Das schließe sich nicht aus, sondern ergänze sich und sie sagt: „Ich koche leidenschaftlich gerne“.

Ein schlechtes Gewissen plagt sie nicht. Kuchen, Kartoffelsalat, Raclette, Fisch und Süßes wird bei ihr bis Neujahr auf den Tisch kommen. „All das darf sein, aber mit Augenmaß.“ Bezogen auf ihre Körpergröße von 1,65 Meter hätte Linda Otto an diesen Tagen rund 4000 Kilokalorien (kcal) zusätzlich verzehrt. „Umgerechnet bedeutet das 600 Gramm Gewichtszunahme“, sagt sie. Für einen gesunden Menschen tolerierbar.

Die Expertin warnt nicht vor dem Festtagsbraten, sondern erinnert an den Spruch: „Wir nehmen nicht zwischen den Feiertagen zu, sondern zwischen Silvester und Weihnachten.“ Sie greift zum Stift, rechnet.

Vier Tassen Kaffee mit Milch und Zucker pro Arbeitstag sind 132 kcal. Bei rund 200 Arbeitstagen macht das 26 400 kcal. „Das sind 3,7 Kilogramm“, sagt Linda Otto. Ein Beispiel, für eine schleichende Gewichtszunahme über Jahre hinweg, wie Otto sie häufig bei ihren Klienten erlebt.

Patentrezepte habe sie nicht. Jeder Mensch sei anders, habe andere Gewohnheiten, einen anderen Lebensrhythmus. „Die Kunst besteht in der individuellen Ernährungsberatung, ich gebe den Leuten einen Fahrplan.“ Manche essen morgens nur aus Gewohnheit, obwohl sie keinen Hunger hätten. „Man kann auf das Frühstück verzichten“, sagt sie.

Ein Vorteil für jene, die schnell ihr Gewicht reduzieren möchten. Intervall-Fasten bedeutet: Acht Stunden essen, 16 Stunden nichts. „Entweder Frühstück oder Abendbrote weglassen. Dann setzt die Fettverbrennung ein.“ So wie die Lehre von der angeblich wichtigsten Mahlzeit des Tages überholt sei, ändern sich auch andere Regeln. Butter war verpönt, wird wieder empfohlen. Vollkornbrot ja, aber Fleisch und Käse sind nicht tabu. Der Obstteller am Abend sollte aber nicht sein. „Der Fruchtzucker wird direkt zu Fett umgebaut und macht eine Fettleber.“

„Essen Sie alles, aber in Maßen“, rät Linda Otto. Wer nicht auf Brot verzichten möchte, für den wird es andere Möglichkeiten geben. Wenn sie über Verbote spricht, dann geht es um Erkrankungen: Diabetes, Rheuma, Multiple Sklerose. In diesen Fällen müssten Patienten in der Tat verzichten. Gesundes Essen beginnt beim Einkauf. Linda Otto analysiert Einkaufsverhalten, gibt auch dazu Tipps. „Fertiggerichte beinhalten zu viel Zucker und Stoffe, die man nicht braucht. Sie machen krank“, meint Linda Otto. Wer frisch kocht, auf Regionalität achtet, lebe in jedem Fall gesünder.

Privat laufe sie nicht mit einem Kalorienrechner durch den Supermarkt. „Meine Kinder dürfen Pizza essen und naschen.“ Die Fleischportionen ihres Mannes seien nicht rationiert. Wenn überhaupt, dann wird Linda Otto beim Thema Alkohol rigoros: „Er ist Gift für den Köper und hat viele Kalorien.“ Das ist die schlechte Botschaft für Silvester. Frohes Fest!

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