Wunderblutkirche : Ein Denkmal von nationalem Rang

Die Bausubstanz des Gotteshauses ist grunsätzlich in Ordnung, dennoch gibt es an vielen Stellen Handlungsbedarf.
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Die Bausubstanz des Gotteshauses ist grunsätzlich in Ordnung, dennoch gibt es an vielen Stellen Handlungsbedarf.

Kirchengemeinde Bad Wilsnack strebt höchsten Status für Gotteshaus an / Umfassendes Sanierungskonzept in Arbeit

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25. November 2014, 08:00 Uhr

Figurenreparaturen und neue Farbe für den Altar. Ausbesserungsarbeiten an Setzungsrissen im Gemäuer. Großflächige Sanierung der Westwand. Aufarbeitung der Orgel.

Die Liste der Maßnahmen, die die Kirchengemeinde Bad Wilsnack in den vergangenen Jahren zur Erhaltung ihres Gotteshauses in die Wege geleitet hat, ließe sich fortsetzen. „Auf der einen Seite haben wir viel erreicht“, resümiert Christian Richter vom Gemeindekirchenrat. „Auf der anderen Seite müssen wir uns eingestehen, dass das bisher alles nur punktuelle Aktivitäten waren, einzelne Projekte, für die das Geld gerade mal wieder gereicht hat. Der Masterplan fürs große Ganze fehlte bisher.“

Doch mit halben Sachen wollen sich Richter und seine Mitstreiter nicht mehr zufrieden geben. Bereits vor gut einem Jahr haben man alle Beteiligten an einen Tisch geholt, um die Weichen für die Zukunft der Wunderblutkirche zu stellen. „Mit dabei waren die Gemeinde, die Kreiskirche, die Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, die untere Denkmalbehörde und die Stadt Bad Wilsnack. Ziel dieser Zusammenkünfte war es, eine Strategie zu entwickeln, um für die Kirche den Status eines „national wertvollen Kulturdenkmals“ zu erhalten.“

Das Landesdenkmalamt habe durchaus Wohlwollen bekundet, so Richter, allerdings auch Hausaufgaben verteilt. „Bis Herbst 2015 müssen wir belastbare Daten zum Bauzustand der Kirche und Besucherzahlen sowie Veranstaltungen liefern, die das Potenzial der Wunderblutkirche belegen. Außerdem gehört ein umfassendes Nutzungskonzept dazu“, erklärt Richter. Die Zeiten, in denen zehntausende Euro in die Sanierung eines Gebäudes gesteckt wurden, dessen spätere Nutzung nicht geklärt war, seien eindeutig vorbei.

Der Status eines national wertvollen Kulturdenkmals bedeute vor allem eins: Planungs- und Finanzierungssicherheit. „Wenn es klappt, können wir über sieben bis acht Jahre verlässlich planen. Aufgrund der Drittelfinanzierung – die Zuwendungen kommen zu je einem Drittel von Bund, Land und Kirche – wird jeder Euro, den die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln bereitstellt oder an Spenden einwirbt, quasi vervierfacht“, macht Richter deutlich. „Damit können wir die Sanierung unserer Kirche umfassend angehen und das Haus dauerhaft erhalten. Unsere kleine Kirchengemeinde wäre damit allein völlig überfordert.“

Besonders hervorzuheben sei, dass die Förderung national bedeutender Kulturdenkmäler aus einem separaten Fördertopf fließe – also nicht zu Lasten kleinerer Kirchen in der Umgebung gehe. Weiterhin bleibe die Handlungshoheit bei der Kirchengemeinde. „Wir bestimmen, wohin es geht“, so Richter.

Tatsächlich stehen die Chancen für Bad Wilsnack nicht schlecht. „Wir gehen 2017 ins 500. Jahr der Reformation. Kaum ein sakrales Bauwerk zeigt die Auswirkungen dieser historischen Zäsur so deutlich wie die Wunderblutkirche – geplant war ein riesiges Gebäude, dass nach der Reformation nur zum Teil fertiggestellt wurde. Dazu die Wunderblutgeschichte, die Lage am Pilgerweg und die vielen Veranstaltungen, die wir seit Jahren rund um die Kirche organisieren, das dürfte Eindruck machen“, gibt sich Richter optimistisch.

Was die Öffnung der Kirche im Allgemeinen angeht, ist die Gemeinde offen für neue Wege. „Mit Gottesdiensten allein bekommt man so ein Haus nicht bespielt“, sagt Richter. Vielmehr solle die Kirche ein Raum für Begegnungen sein, für Kunst, Kultur und Diskussionen.

Einen Schritt in diese Richtung ging die Gemeinde bereits am Dienstag, dem 18. November, hatte Interessierte zu einem interreligiösen Gespräch ins Wilsnacker Gemeindehaus eingeladen. Gemeinsam mit Vertretern der Religionen Judentum, Buddhismus, Islam und Christentum und mit Beteiligung von Atheisten stand an diesem Abend die Vielfalt religiöser Anschauungen auf dem Programm, wobei kritische Fragen durchaus erwünscht waren. "Das Judentum und vor allem den Islam kennen viele nur aus den Nachrichten – zumeist im Zusammenhang mit Gewalt und Kriegen. Wir wollten hingegen einladen, nicht nach Differenzen, sondern nach Gemeinsamkeiten zu suchen und einfach ins Gespräch zu kommen“, so Richter.
 

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