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Praktikum in der Forst : Ein Däne lernt im Gadower Forst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Frederik Christiansen ist beeindruckt von den norddeutschen Wäldern und der Herzlichkeit der Prignitzer

von
erstellt am 18.Dez.2014 | 21:45 Uhr

Frederik Christiansen will Forstingenieur werden, auch wenn er weiß, dass die Jobaussichten in seiner dänischen Heimat schlecht bis sehr schlecht sind. Magere zehn Prozent der Landesfläche sind Wald, in Deutschland sind es weit über 30 Prozent.

„Vor 150 Jahren kannte man in Dänemark noch nicht einmal die Forstwirtschaft, sondern begann von den deutschen Nachbarn zu lernen“, sagt der 21-Jährige. An diese Tradition knüpft er an. Seit Januar absolviert er bei Holger Galonska, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz, ein Praktikum.

Ein Freund machte ihn auf diese Chance aufmerksam, schwärmte von seinen Erfahrungen im Gadower Forst und hat nicht übertrieben, wie Frederik Christiansen betont. Er hat Bäume geschlagen, das mobile Sägewerk bedient. Er lernte den Obstbaumschnitt, pflanzte Obstplantagen, machte im Herbst Brennholz. Mit Gästen ging er auf die Jagd, erlegte Reh, Dammwild, Waschbär und Marderhund.

Unter Anleitung von Galonska baute er Hochsitze und bildete Jagdhunde aus. Besonders stolz ist er auf die bestandene Prüfung zum Zapfenpflücker. Hoch oben in den Wipfeln der mächtigen Douglasien die Zapfen zu ernten, ist nicht jedermanns Sache, aber der junge Mann hat es gepackt.

Vor seinem Praktikum kannte er Deutschland nur von wenigen Kurzaufenthalten. Von der Sprache beherrschte er keinen einzigen Satz. Heute, zwölf Monate später, führen wir das Interview auf Deutsch. „Die Menschen hier sind alle so freundlich und selbst als ich die Sprache noch nicht kannte, redeten sie mit mir. Das hat geholfen“, sagt er.

Er werde so ziemlich alles vermissen, selbst die dänischen Wälder seien mit den hiesigen nicht zu vergleichen. Der häufige Wind bremst das Wachstum der Bäume, sie sind nicht so mächtig wie die hiesigen. „Und dann natürlich das deutsche Bier und das gute Essen.“ Galonskas Frau koche täglich das Mittag und er könne sich nicht erinnern, dass es einmal nicht geschmeckt hätte.

Heute bricht er auf nach Jütland. Weiße Weihnachten wird er auch dort nicht haben, aber mit Familie und Freunden feiern. Bei aller Neugier auf Deutschland hat er abgesehen von Kurzbesuchen in Hamburg und Berlin auch seinen Urlaub genutzt, um nach Dänemark zu fahren. Allerdings kommt er wieder. Zunächst für drei Wochen im Januar. Nach dem Ausbildungsende möchte er Forstwirtschaft studieren – in Deutschland.

 

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