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Der Prignitzer

17. August 2017 | 05:32 Uhr

Ein Computer füttert Jan-Philip

vom

Perleberg/Schwerin | Jan-Philip mag kein Eis, keine Bratwurst, keine Schokolade. Essen empfindet der Dreieinhalbjährige als Strafe, er ekelt sich davor. Der lebenslustige Junge hat nie gelernt zu essen, besitzt keinen Darm und wird sein Leben lang künstlich ernährt werden müssen. Betreut wird die Perleberger Familie durch Pro-Fil - ein sozialmedizinisches Nachsorgeprojekt aus Schwerin.

Ivo Wille und Sandra Schmidt freuten sich auf ihr erstes Kind, doch dann gab es Komplikationen, die Schwangerschaft musste in der 27. Woche beendet werden. Jan-Philip kam am 23. Mai 2008 als Frühchen zur Welt. "680 Gramm wog er, war nur 30 Zentimeter groß", sagt Sandra Schmidt. Ärzte machten ihnen wenig Hoffnung, ein monatelanges Bangen und Ringen um den Kleinen begann. Die nächste Hiobsbotschaft kam nach einem Monat: Das Kind hatte einen verkürzten Darm, muss künstlich ernährt werden.

23 Operationen folgten. "Vielleicht waren es nur 22 oder 24, wir wissen es nicht genau", sagt die Mutti. Stückweise starb der Darm ab, musste stückweise entfernt werden. Seitdem hat der Junge einen Katheter, der weit in eine Vene hinein reicht. "Der ist seine Lebensversicherung", sagt Schwester Ines Gutzeit. Sie kennt den kleinen Burschen seit seiner Geburt, betreut ihn über "Pro-Fil" in Perleberg.

Fast rund um die Uhr ist der Katheter mit einer Nahrungslösung verbunden, einem Beutel, den Jan-Philip am Körper trägt. Von diesem zweigt eine etwa vier Meter lange Schnur ab, dehnbar wie die eines Telefonhörers. Am anderen Ende reguliert ein Computer die Ernährung. Nur fünf Stunden lang, von 14 bis 19 Uhr, kann der Junge frei herumtoben.

Das An- und Abstöpseln ist eine aufwendige Prozedur, allein die Vorbereitung dauert 20 Minuten. "Wir müssen steril arbeiten, tragen Handschuhe", erklärt Ivo Wille. Das Kinderzimmer mit dem riesigen Pflegebett gleicht einer Apotheke. Wo bei anderen Kindern Kuscheltiere liegen, sind es hier Ampullen, Binden, Flaschen mit Desinfektionsmitteln. Jeder Keim kann lebensgefährlich sein.

"Er darf mit der Schnur nirgendwo hängen bleiben, beim Schlafen kann sie sich um seinen Hals wickeln. Ständig müssen wir aufpassen", so der Vater. Die Unterstützung durch Pro-Fil sei für sie von unschätzbarem Wert. Beginnend bei den täglichen Handgriffen, bis hin zur Suche nach einer Apotheke, die die Infusionen herstellen kann und einem Kurierdienst, der sie wöchentlich liefert.

Eine Vollzeitpflege ist nicht mehr nötig. 20 Stunden für drei Monate sind bewilligt. Derzeit kommt Schwester Ines einmal wöchentlich aus Schwerin, nachdem im November ein Prignitzer Pflegedienst kündigte: Er habe kein Personal. Ohne finanzielle Unterstützung, könnte "Pro-Fil" solche Fälle nicht betreuen, in der Prignitz sind es aktuell zwei. Mit Ihrer Spende, liebe Leser, können Sie Familien und Kindern helfen, die auf Pro-Fil angewiesen sind.

Jan-Philip, dessen acht Monate alter Bruder Nils Julian kerngesund ist, geht seit Sommer in die Kindereinrichtung der Lebenshilfe in Breese, fühle sich dort sehr wohl. Nächstes Jahr soll er in die integrative Kita nach Wittenberge kommen. Der Katheter wird ihn sein Leben lang begleiten. Selbst wenn er essen würde, könnte sein Körper die Nährstoffe nicht verarbeiten. Sein Papa hofft, dass er eines Tages mit ihm ein Steak wird essen können. "Ach, ein Stückchen Schokolade wäre schon schön", meint die Mama.

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erstellt am 08.Dez.2011 | 06:49 Uhr

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