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Auf in die Zukunft : Ein Baumhaus am Nedwighafen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schüler, Laien, Experten diskutieren kreative und teils kuriose Ideen im Wettbewerb Zukunftsstadt

von
erstellt am 12.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Klettern am Nedwighafen. Rustikal und ausgefallen sollte das Gerüst sein. Vielleicht sogar ein Baumhaus, von dem aus man auf die Elbe schauen kann. Xenia Kroschel und Emma-Sophie Karich haben ein Modell gebastelt, zeigen es Stadtverordneten. „So etwas wünschen wir uns“, sagen die Schülerinnen der Jahngrundschule.

Zusammen mit rund 100 Gästen nehmen sie am Sonnabend an der Zukunfts(werk)stadt teil. Die zentrale Frage lautet: Wie können Perleberg und Wittenberge 2030 so attraktiv sein, dass möglichst viele Kinder- und Jugendliche hier bleiben, die Region nicht dauerhaft verlassen?

Die Kinder haben sich zu Beginn gefragt: Wo sind wir gern in Wittenberge? Der Zetkinpark verlor am Ende gegen das Elbufer. Wasser sei einfach spannender und am Nedwighafen sei es viel ruhiger. „Dort könnten wir auch baden“, sagen Xenia und Emma-Sophie. Auch am neuen Parkplatz an der Elbpromenade wünschen sie sich ein Spielgerät, zum Beispiel ein Schiff.

Der Stadtverordnete Wolfgang Strutz (Linke) hört ihnen aufmerksam zu. Weder schüttelt er den Kopf, noch denkt er gleich an das nicht vorhandene Geld für so eine Umsetzung. Er sagt: „Wir müssen uns einige Fragen stellen und umdenken.“ Zum Beispiel: Was wollen unsere Bürger, unsere Kinder? Was steht dem wirtschaftlich entgegen?

Die Idee von der naturbelassenen Klettervariante am Nedwighafen findet er charmant. „Hochwasserschutz, die Erweiterung des Caravanplatzes und dieser Wunsch müssen miteinander verbunden werden.“ Er nehme ganz viele Anregungen in die kommenden Fachausschüsse mit. Sein Kollege Peter Fascher (SPD) formuliert sein Fazit so „Wir müssen handeln und nicht alles zu Tode diskutieren. Wir wollen eine familienfreundliche Stadt sein … dann dürfen wir diese Zettel mit den Ideen nicht einfach verschwinden lassen.“

Niklas Köhler und Michael Jahnke sitzen an einem anderen Tisch, verfolgen eine andere Idee. Sie möchten für die Region eine Paintball-Anlage errichten. Bei diesem taktischen Mannschaftssport, beschießen sich die Spieler mit Farbkugeln. „In meiner Generation ist das total beliebt, das würden gewiss viele Jugendliche und Erwachsene spielen wollen“, sagt Niklas aus der 8.Klasse, Oberschule Perleberg.

Auch eine passende Örtlichkeit hat er parat: einen alten Hangar auf dem verlassenen Flugplatz in Perleberg. Bundesweit gibt es Spielgruppen, Spielhallen und sogar Turniere, vor allem in Polen und Tschechien. Seit einem Jahr beschäftigt sich Niklas mit diesem Thema, seit ein paar Wochen spielt er aktiv: „Im Garten eines Freunde, aber das ist keine Dauerlösung.“

Eine Tauschbörse, einen Reparaturservice, eine Ausleihe für die Waffen – all das müsste es geben und natürlich eine Fahrmöglichkeit, um den Spielort erreichen zu können. Da die Schule bereits im Ganztag mit dem Schützenverein Perleberg zusammenarbeitet, ließe sich daran anknüpfen. All das klingt ziemlich konkret.

Christian Fenske, Wirtschaftsförderer in der Stadt Wittenberge, findet die Idee kreativ. „Die Werkstatt insgesamt zeigt, wie viel ungenutztes Potenzial wir haben“, meint er. Und wenn wie bei Niklas so viel Leidenschaft hinter einer solchen Idee steckt, kann sie was werden, sagt er.

Auch Martin Rieß sieht das so. Er lebt erst seit wenigen Monaten in Wittenberge, kam mit seiner Familie aus Hamburg. „So sehr wie die hiesigen Städte, engagiert sich Hamburg nicht für Konzepte“, sagt er. Zwar mag hier der Handlungsdruck größer sein, aber egal wie: „Die Zukunftswerkstatt ist eine gute Sache.“ Dem stimmt Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura zu: „Unsere Städte planen zum ersten Mal ihre Zukunft gemeinsam, alle Generationen sind vertreten, genau wie Experten und Laien.“ Mit den besten Ideen wolle man sich für die zweite Runde im Wettbewerb Zukunftsstadt bewerben. Im Falle eines Erfolgs, würde es Fördergeld für die Umsetzung der Ideen geben. Vorbereitet und geleitet hat die Zukunfts(werk)stadt die Künstlerin Ute Reeh.

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