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Nussknacker-Sammler aus Spremberg : Ein Arzt ist verrückt nach Nussknackern

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Der Nussknacker-Sammler Gerd Rust hält in Spremberg in seiner Arztpraxis einen Thüringer Nussknacker aus den 70er Jahren im Arm. Rund 5000 verschiedene Nussknacker hat der Sammler seit 1975 zusammengetragen.

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erstellt am 18.Dez.2012 | 11:08 Uhr

Spremberg/Neuhausen | Mit großen blauen Augen blickt der hölzerne Soldat in roter Uniform die Patienten von Hausarzt Gerd Rust an. Die außergewöhnliche Sprechstundenhilfe steht im Behandlungsraum des Mediziners in Spremberg (Oberspreewald-Lausitz). Rust sammelt seit den 1970er Jahren leidenschaftlich Nussknacker. In seiner Praxis steht der größte Teil seiner privaten Sammlung. Mehr als 5000 Stück hat er zusammengetragen. Die Holz-Männer haben es auch ins Wohnhaus geschafft. Nur das Schlafzimmer sei Nussknacker-freie Zone, sagt der 64-Jährige. "Das habe ich meiner Frau versprechen müssen."

Manchmal kämen die Leute nicht wegen einer Grippe oder Erkältung in die Praxis, sondern nur, um die Nussknacker-Sammlung anzuschauen. Seine größten Schätze hält Rust vor seinen Patienten versteckt in seinem Privathaus. Hierfür hat er unzählige Vitrinen aufgebaut. Die Reihe reicht vom Flur übers Wohnzimmer bis in seinen Hobbyraum. In allen Varianten hat er sie: groß, klein, dick, dünn, Nussknacker aus Holz, Porzellan und Metall. Auch thematisch gibt es keine Grenzen: Neben den Klassikern aus dem Erzgebirge stehen hölzerne Matrosen, Soldaten aus der Kaiserzeit und Wikinger. Auch wenn es bunt durchgewürfelt aussieht: Alles folgt einer starren Ordnung. "Alle Nussknacker sind nach Hersteller geordnet", erklärt Rust.

Vom Nussknacker-Sammelfieber ist auch Familie Löschner aus Neuhausen (Mittelsachsen) befallen. Sie hat vor 18 Jahren das erste europäische Nussknackermuseum eröffnet. "Genau 5500 Nussknacker haben wir bisher gesammelt", berichtet Uwe Löschner stolz. Akribisch wird über alle Figuren Buch geführt. Jedes Ausstellungsstück ist durchnummeriert und hat seine eigene Karteikarte mit Herkunft und Hersteller. Die sächsische Familie hat Nussknacker aus vier Kontinenten zusammengetragen. Viele stammen aus dem Erzgebirge, der Rhön und den Alpen. Auch in Sachen Größe verfügen die Sachsen über eine breite Palette: Der Kleinste misst nur 4,9 Millimeter und der Größte bringt es auf stolze 10,10 Meter.

Diese Mischung zieht viele Besucher an. Etwa 25 000 waren schon im sächsischen Neuhausen. Die Löschners und Gerd Rust sind nicht allein mit ihrem Sammelfieber. "In den USA gibt es etwa 1000 Liebhaber, in Deutschland sind es 50 bis 60, die alle mehr als 1000 Stücke besitzen", sagt Uwe Löschner. "Die älteste bekannte Nusszange stammt aus dem Jahr 400 vor Christus und ist am Fundort in Süditalien zu bestaunen." Geschnitzte Figuren tauchten erstmals im 14. Jahrhundert auf. Erste gedrechselte Holzfiguren aus dem Erzgebirge werden auf 1870 datiert. Uwe Löschners ältestes Exemplar ist ein geschnitzter Schweizer Fürst und stammt aus dem Jahr 1650. In dieser Kategorie kann sein Lausitzer Sammlerkollege nicht mithalten. Rusts ältester Nussknacker ist 200 Jahre alt. Dafür ist für den Hausarzt das ganze Jahr über Nussknacker-Zeit. Einzige Veränderung im Advent: Da rückt Rust seine Bergleute, Schornsteinfeger und Weihnachtsmänner in den Vordergrund.

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