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Groß Gottschow : Ein alter Hof wird lebenswert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rentnerpaar entwickelt in kleinen Schritten einen Vierseithof und möchte einen Verein gründen, der das Projekt unterstützt

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 09:29 Uhr

„Willkommen auf Irmgards Hof“, sagt Rosemarie Zahn. Ihre Tante und frühere Bewohnerin Irmgard Schlenz ist die Namensgeberin für den Hof in der Dorfstraße 33 in Groß Gottschow.

2015 wurde der Vierseithof, dessen ältestes Feldsteingebäude aus dem 17. Jahrhundert stammt, unter Schutz gestellt, wie Dr. Ralph Paschke vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege dem „Prignitzer“ bestätigt. „Es gibt nur wenig so erhaltene Höfe im Land Brandenburg“, so seine Feststellung.

Grundmauern sind verschüttet

„Vielleicht ist er sogar älter“, sagt Ehemann Eckhard Kaleschke. „Doch um dies zu ermitteln müsste der Keller freigelegt werden.“ Dieser wurde zugeschüttet, die Stockwerke einen halben Meter höher gelegt.

Eckhard Kaleschke zog 2008 von Bremen in die Prignitz. Gemeinsam sanieren sie das alte Gehöft – in kleinen Schritten. „So wie es Kraft und Budget zulassen“, sagt Rosemarie Zahn, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Dabei werfen wir unsere Ost- und Westerfahrungen in einen Topf“, ergänzt sie lachend.

2005 begannen sie ihr ehrgeiziges Projekt mit der Aktion „Dächer dicht!“. Ein Jahr später wurden Türen und Tore in den Ställen erneuert. Inzwischen haben sie weitestgehend selbstständig einen 40 Meter langen Abwasserkanal verlegt und die Dachrinnen erneuert. In der Gartenmauer vor dem Haus war ein großes Loch, dass Eckhard Kaleschke denkmalgerecht geschlossen habe.

In diesem Jahr sollen die Dachrinnen an der Vorderseite des Wohnhauses erneuert werden. Da beide Rentner sind, bekommen sie keine Kredite oder Fördermittel. Daher sind sie auf der Suche nach Sponsoren.

„Ein Glücksfall ist, dass mein Mann handwerklich so begabt ist“, meint Rosemarie Zahn. Ideen hat sie viele. „Doch es fehlt einfach das Geld.“ Um besser agieren zu können., möchte sie gern einen Verein gründen, wie es Eigentümer ähnlicher Vierseithöfe getan haben. Daher suchen sie geschichtsinteressierte Leute, die sich engagieren wollen, um den Hof zu erhalten. Diese können sich per Mail rosannaza@web.de bei ihnen melden.

Grün blüht es im Innenhof

Gesucht wird auch nach einer alten Schmiedeeinrichtung. „Eisenbeschläge für die Türen sind nicht zu kaufen“, so Kaleschke. „Da ich schmieden kann, könnte ich diese selbst herstellen.“

Der Hof ist nicht mehr so kahl wie einst. Bäume, Sträucher und Rasen zieren ihn . Ein Blickfang sind die Hühner und Enten, die mit ihren zahlreichen Küken über den Hof watscheln. „27 Küken hat eine Ente“ erzählen beide. Von Hund und Katze unbehelligt, ist der Innenhof das Reich des Federviehs. Hinter der alten Scheune weiden noch zwei schottische Hochlandrinder.

Einblicke am Tag des offenen Denkmals

Im alten Wohn- und Stallgebäude wurde bis 1885 gewohnt. Auf dem Dachboden hat Eckhard Kaleschke eine alte Säge aus dem 18. Jahrhundert gefunden, sie diente zum Sägen von Balken.

In der Scheune steht ein alter Pferdeschlitten, den Eckhard Kaleschke gerne wieder herrichten möchte. Daneben sind alte Landmaschinen, wie ein Heuwender, Dreschmaschinen sowie ein Rasenmäher zu sehen. Diese Geräte will er am 10. September zum Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit vor.

Im Vorjahr kamen 70 Besucher. Die weiteste Anreise hatte ein Gast aus Gifhorn. Die Besucher konnten unter anderem auch die historische Stromleitung aus dem Jahr 1923 bewundern. „Sie stammt noch aus der Zeit, als das Dorf elektrifiziert wurde“, weiß Kaleschke mittlerweile. Er hofft, einen Elektriker zu finden, der sie wieder einsatzfähig macht, um sie Besuchern vorführen zu können.

 

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