Königsgrab Seddin : Eimerweise Funde aus uralter Zeit

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Grabungsteam der Uni Göttingen war nahe des Königsgrabes erfolgreich / 2016 sollen die Arbeiten an gleicher Stelle weitergehen

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25. März 2015, 12:00 Uhr

Sie gruben und sie wurden fündig: Das Studententeam um Dr. Immo Heske von der Universität Göttingen konnten gestern zur öffentlichen Präsentation nahe des König-Hinz-Grabes nicht nur viele interessierte Menschen begrüßen, sondern auch eine Menge vorweisen. Untersucht wird derzeit ein Areal direkt neben einer Erdgastrasse, die hier 2004 verlegt worden ist und wo man bereits damals auf Siedlungsfunde stieß, die der Bronzezeit zuzuordnen sind.

Mit den Erkenntnissen aus 2004 und mit entsprechendem Kartenmaterial konnte das Grabungsteam nun gezielt zu Werke gehen. Die menschliche Ansiedlung aus der Bronzezeit erhärtet sich mit den aktuellen Funden. Dazu zählen tatsächliche kleine Bronzefunde – z. B. eine Ahle – und zudem eimerweise Scherben. Die Keramikteile konnten teilweise bereits ihrem möglichen früheren Gebrauch zugeordnet werden: Vorratsgefäße für Getreide, Gefäße für Flüssigkeiten oder zur Nutzung auf dem Herdfeuer. Einige Teile konnten man bereits puzzleartig zusammensetzen. „Ja, es ist wie ein Puzzle, allerdings ohne Vorlage, in 3D und man hat nur 400 von 500 Teilen“, beschreibt Immo Heske den Aufwand, den die Nachbereitung in den kommenden Monaten verursachen wird. Kleines Detail am Rande: Immo Heske konnte auch zwei Ziegenzahn-Fragmente finden und identifizieren.

Dr. Franz Schopper, Leiter des brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, machte vor diesem Hintergrund deutlich, dass die Grabung stets nur ein kleiner Part der archäologischen Untersuchung sei. Die eigentliche Arbeit folge danach. Der oberen und der unteren Denkmalbehörde sowie den Forschern der Uni Göttingen liegt jedoch am Herzen, vor Ort so viel wie möglich öffentlich zu zeigen, das Interesse der Menschen für diese ziemlich einzigartige zeitgeschichtliche Fundstelle zu wecken. Dr. Immo Heske nennt das Areal im gleichen Atemzug mit Pompeji und Troja. „Hier graben zu dürfen, ist für einen Archäologen eine besondere Ehre. Seddin ist in jedem Einführungsvortrag in der studentischen Ausbildung zur Ur- und Frühgeschichte dabei“, skizziert Heske, wie das Prignitzer Areal in der deutschen, aber auch der europäischen Wissenschaft einzuordnen ist. Es gehöre europaweit zu dem archäologischen Glanzlichtern.

Zu Tage gefördert wurden auch Hausgrundrisse und darin Steinformationen, die sehr wahrscheinlich nicht natürlicher Art sind, sondern von Menschen gemacht wurden. Feuerstelle, Hausaltar … Erklärungsansätze gebe es dafür bereits jetzt einige, so Immo Heske. Im nächsten Jahr soll nach Möglichkeit hier, in Sichtweite zum Hügelgrab des Königs Hinz, weiter gegraben werden, in noch größerem Stil, blickt Dr. Franz Schopper voraus. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits im Hintergrund. Für die Auswertung der Funde sei man u. a. auch an der VW-Stiftung dran, ein Förderantrag ist gestellt. Die Grabungsstelle bei Seddin wird in Kürze, nach Abschluss der Arbeiten und nachdem alles ausführlich dokumentiert ist, wieder verfüllt.

Perspektivisch wird das Gelände in das erste Grabungsschutzgebiet Brandenburgs eingebettet sein, das man demnächst offiziell ausweisen will. Die nächsten Grabungen stehen bereits Ende Juli an: Dann geht es direkt in die Tiefe des Hügels – Forschungen im Herzen des Königsgrabes.

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