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Ein Händchen für den Tierschutz : Eimer-Taxi rettet Frösche

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hans-Jürgen Wilhelm sorgt in Bentwisch dafür, dass die Amphibien unbeschadet über die Straße kommen

von
erstellt am 26.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Nacht war kalt. Auch jetzt, kurz vor 9 Uhr, ist es noch sehr frisch. Außerdem ist es trocken. Bei solchem Wetter ist der Drang der Frösche, zum Mäscheteich zu hopsen, nicht groß, weiß Hans-Jürgen Wilhelm. Trotzdem hat sich der Bentwischer auf den Weg gemacht Richtung Dorfausgang. Er will die Eimer kontrollieren, die entlang der Straße eingegraben sind. „Sicher ist sicher“, sagt Wilhelm.

Der Pastorpark in Bentwisch mit seinem Unterholz ist für Frösche, Kröten und Molche eine gutes Winterquartier, erklärt Sachbearbeiter Marcus Pankow von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung. Zum Laichen müssen Frosch und Co. aber über die recht viel befahrene Kreisstraße Richtung Motrich. Für die Tiere eine Todespiste, wenn da nicht der Schutzzaun, Plasteeimer und vor allem Hans-Jürgen Wilhelm wären. Ein grünes Plasteband stoppt die Amphibien, wenn sie den Drang verspüren, Richtung Teich zu wandern. „Sobald es etwas wärmer wird, machen sich die Tiere auf den Weg zum Laichen“, sagt Pankow. Am Schutzzaun schnappt dann quasi die Eimerfalle zu. Auf der Suche nach einem Übergang fallen die Tiere in die Behältnisse. „Ich gehe morgens gegen 9 und abends gegen 18 Uhr, um die Eimer zu kontrollieren und zu leeren“, sagt Wilhelm. Er hat einen kleinen Plasteeimer dabei und Handschuhe übergestreift. Wenn Frösche oder ihre Verwandten in den Eimern hinterm Zaun festsitzen, holt er sie heraus, trägt sie in seinem Behälter über die Straße und lässt sie am Teichrand wieder frei. Manchmal ist er dort nicht allein. Reiher haben den Teich für sich als Nahrungsquelle entdeckt. Für sie sind die Amphibien Leckerbissen.

„Im März beginnt die Amphibienwanderung“, sagt Marcus Pankow und hält, je nach Witterung, bis in den Mai hinein an. Hans-Jürgen Wilhelm führt Buch darüber, wie vielen Tieren er wann bei welcher Witterung in seinem Eimer-Taxi über die Straße geholfen hat. In diesem Jahr waren es bereits 150, sagt er. Der Rentner, der von sich selbst sagt, er habe genügend Zeit für eine solche Aufgabe, führt die Arbeit seiner Enkelin fort, die nach Wittenberge gezogen ist. Hans-Jürgen Wilhelm sieht es pragmatisch: „Es muss doch gemacht werden“, sagt er, während er die Reihe der alle sechs bis sieben Meter eingegrabenen Eimer abschreitet. In jedem steckt ein Stock. Der Bentwischer erklärt: „An ihnen können Käfer wieder ’rauskrabbeln, wenn welche reingestürzt sind.“

Die untere Naturschutzbehörde ist froh über so engagierte Leute. 2015 kamen per Eimer-Taxi 382 Frösche, Molche und Kröten vom Pastorpark in den Mäscheteich, im Jahr zuvor waren es 208, weiß Pankow aus der Statistik.

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