Deponie Wittenberge : Eidechsen vertreiben Bagger

Die Luftaufnahme zeigt die Hausmülldeponie zum jetzigen Zeitpunkt. Bis auf eine sieben Hektar große Fläche am rechten Bildrand ist die Sanierung beendet.
Die Luftaufnahme zeigt die Hausmülldeponie zum jetzigen Zeitpunkt. Bis auf eine sieben Hektar große Fläche am rechten Bildrand ist die Sanierung beendet.

Naturschutz erzwingt Baustopp an der Deponie in Wittenberge

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15. April 2015, 21:15 Uhr

Die Nachricht traf die Mitglieder im kreislichen Müllausschuss unvorbereitet und sorgte für Kopfschütteln: Die Sanierungsarbeiten an der Deponie in Wittenberge sind unterbrochen. Der Grund dafür sind Zauneidechsen und die Dorngrasmücke, eine Vogelart.

Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft, informierte die Abgeordneten darüber Dienstagabend. Sieben Hektar fehlen noch, dann wäre mit dem vierten und letzten Bauabschnitt die Sanierung abgeschlossen. Eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits laufen. So sei es auch mit der Landespolitik abgestimmt gewesen, die die Sanierung mit Fördermitteln unterstützen. Aber dann kamen die Eidechsen.

Da die umweltspezifischen Bestimmungen verschärft wurden, gab es eine faunistische Untersuchung. „Dabei wurden vier Zauneidechsen auf dem noch nicht sanierten Areal entdeckt“, sagt Much. Auch eine geschützte Dorngrasmücke wurde gesichtet.

Bevor die Bagger rollen, müssen die Tiere in Sicherheit gebracht werden. Die Zauneidechsen sollen auf dem bereits sanierten Bereich umziehen – so die Idee. Ob sie das wollen bzw. die gegenüberliegende Fläche ihres jetzigen Wohnortes annehmen, bleibe abzuwarten. Bei einem eventuellen Umsetzen müsse darauf geachtet werden, dass Männchen und Weibchen nicht voneinander getrennt werden, ergänzte Much seine Erklärungen. Wie im Fall der Dorngrasmücke zu verfahren sei, erklärte er nicht.

Offen sei noch, wie hoch die Mehrkosten für die Untersuchung und für die zusätzlichen Maßnahmen ausfallen. Wer die bezahlt, steht hingegen fest: die Prignitzer Bürger. Über die Müllgebühr werden die Sanierungskosten für die Deponien beglichen.

Fast unproblematisch verlief die Realisierung des dritten Bauabschnitts zwischen April 2013 und Ende 2014. Er umfasste 7,6 Hektar. Unterbrechungen gab es jedoch bedingt durch das Elbehochwasser im Juni 2013 und während des harten Winters 2013/14.

Für Uferschwalben musste eine Brutstätte errichtet werden. Die Baukosten betrugen sieben Millionen Euro, 2,4 Millionen waren Fördermittel.

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