Paul Bardtke : Ehrung für den Vergessenen

Paul Bardtke, heute kaum noch bekannt, hat große Verdienste um das Raw bzw. Instandhaltungswerk und die Schweißtechnik.   Repro: Sembritzki
Paul Bardtke, heute kaum noch bekannt, hat große Verdienste um das Raw bzw. Instandhaltungswerk und die Schweißtechnik. Repro: Sembritzki

Traditionsgemeinschaft Deutsche Reichsbahn schlägt vor, Paul Bardtke im Stadtgedächtnis zu verankern

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13. Mai 2017, 08:00 Uhr

Für die Traditionsgemeinschaft Deutsche Reichsbahn Wittenberge schlägt Mario Sembritzki vor, in der Stadt einen Platz oder eine Straße nach Paul Bardtke zu benennen. Anbieten würde sich der neu entstehende Schulsportplatz am Bahnhof, so die engagierten Eisenbahner. Denn Preußische Staatsbahn, Hauptwerkstatt Wittenberge, später Raw, Schweißtechnik, ja Bahnwesen in Wittenberge überhaupt sind eng mit dem Wirken von Paul Bardtke verbunden.

„Er ist ein Mann, dem unsere Stadt bis heute viel zu verdanken hat, auch wenn er mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten ist“, sagt Sembritzki. Und nicht nur das. Noch heute profitieren Wittenberge und einige ortsansässige Unternehmer von seinen Ideen und seiner Einsatzbereitschaft.

Werkleiter und Professor

Wer also war Bardtke, dass ihm hier in der Stadt eine solche Ehrung zu teil werden könnte?

Paul Joseph Caesar Carl Bardtke, geboren am 2. Mai 1872 in Niederschlesien, übernahm 1916 die Leitung der Haupt- bzw. Zentralwerkstatt der Bahn, aus der sich später das Raw bzw. das heutige Instandsetzungswerk der Bahn entwickelte. Und auch die Schulungsstätte der Deutschen Gesellschaft für zerstörungsfreies Prüfen auf dem Schillerplatz steht letztlich in Verbindung mit dem Engagement von Bardtke.

Unter dessen Leitung, so haben Sembritzki und seine Mitstreiter nach dem Studium zahlreicher Unterlagen und historischer Dokumente herausgefunden, „wurde das Werk grundlegend umgestaltet“. „Nach der Abtrennung der Lokomotivabteilung entwickelte Bardtke mit großem Eifer und Erfolg die Sonderabteilungen des Werkes, u. a. die zentrale Holzbearbeitung, die Triebwagenabteilung und die Schweißtechnische Versuchsabteilung.“ Gerade die Versuchsabteilung habe weit über die Grenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf erlangt, unterstreicht Sembritzki.

Regierungsrat, Regierungsbaurat, Oberregierungsrat und Oberbaurat sowie schließlich Reichsbahn-Oberrat: Von 1918 bis 1925 durchlief der Werkleiter eine steile Karriere.

Bedeutender aber für das Heute ist der Umstand, dass Bardtke eine fachliche Kapazität war. „1929 erhielt er als Wittenberger Werkleiter einen Lehrauftrag für Schweißtechnik an der Technischen Hochschule Hannover und wurde 1930 zum Honorarprofessor ernannt. Bardtke veröffentlichte zahlreiche Fachbeiträge und sein Buch ,Darstellung der gesamten Schweißtechnik’ wurde auch ins Englische und Russische übersetzt.“ Das haben die Forschungen der Traditionsgemeinschaft zutage gefördert.

Engagierter und innovativer Ingenieur


Wie Sembritzki weiß, „wurde seit zirka 1913 in der hiesigen Eisenbahnwerkstatt mit Elektrowarmschweißen experimentiert“. So seien zum Beispiel auch Dampfzylinder aus Grauguss durch ein spezielles Schweißverfahren aufgearbeitet worden. „Dieser technische Vorsprung war Mitauslöser für die Gründung eines Versuchsamtes für Schweißerei 1923 auf dem Gelände des Eisenbahn-Ausbesserungswerks Wittenberge. Mit Bardtke stand dem Versuchsamt ein engagierter und innovativ denkender Ingenieur vor, der die Entwicklung der Schweißerei in Wittenberge mit allen Kräften förderte.“

Als Bardtke bei einem Unglücksfall 1935 als 62-Jähriger verstarb, war er fast 20 Jahre Werkleiter. Das hat bis heute kein Werkleiter jemals wieder vorweisen können.

Wie die Traditionsgemeinschaft der Deutschen Reichsbahn herausgefunden hat, soll Paul Bardtke nach einer Dienstreise hier in Wittenberge von einem Zug überrollt worden sein. Nach derzeitigen Erkenntnissen wohnte der Werkleiter in der Schillerstraße. Die Nachforschungen gehen aber noch weiter.

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