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Seltene Würdigung des Ehrenamtes in der Mark : Ehrung für 54 Dienstjahre

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Für sein Engagement bei den Bad Wilsnacker Blauröcken wurde Harald Kreutz das Ehrenkreuz des Landes verliehen.

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Eigentlich ist ihm der Rummel unangenehm. Harald Kreutz bleibt lieber im Hintergrund und erledigt dort seine Aufgaben. Doch nach dieser Auszeichnung muss er einmal in die erste Reihe treten.

Der 70-Jährige erhielt für sein jahrzehntelanges Mitwirken in der Freiwilligen Feuerwehr Bad Wilsnack das Feuerwehr-Verdienstkreuz des Landes Brandenburg. 54 Jahre ist Harald Kreutz nun schon dabei. „Keiner hat bei uns mehr Dienstjahre auf dem Buckel“, sagt er lachend. Der Orden und die vom Präsidenten des Landesfeuerwehrverbands unterzeichnete Urkunde wurden ihm von Amtsdirektor, Torsten Jacob, und dem Wehrleiter, Marco Franke, auf der Jahreshauptversammlung der Wilsnacker Feuerwehr verliehen. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut, weil das ein Zeichen für die Würdigung des Ehrenamtes ist“, erzählt der Hauptbrandmeister.

Das Besondere: Diese Ehrung wird nur wenige Male im Jahr in der Mark vergeben. Harald Kreutz gehört damit zu einem exklusiven Kreis. Das macht den gelernten Elektromonteur schon stolz – zu Recht. Mit seinen 70 Lenzen gehört er noch immer zu den aktiven Kameraden in der Kurstadt. Als sich Anfang vergangener Woche eine kilometerlange Dieselspur durch die Region zog, war er mit draußen. Trotz seines Alters ist Kreutz für die Blauröcke unverzichtbar – und das nicht nur wegen seiner Einsatzerfahrung. „Ich habe den Lkw-Führerschein bei der Armee gemacht. Heute haben wir in den Wehren ja kaum noch Nachwuchs. Dabei brauchen wir dringend Leute, die die Einsatzwagen auch fahren können“, weiß Harald Kreutz.

Zu den Blauröcken kam der gebürtige Baeker in seiner Heimat. „Damals stand für mich aber der sportliche Aspekt im Vordergrund. Ich fand die Wettkämpfe und die Kameradschaft reizvoll“, so Kreutz. Damals sei die Einsatzdichte bei Weitem nicht so hoch gewesen wie heute. Durch die Liebe zog er 1969 nach Bad Wilsnack, Ehefrau Christa stammt von hier. „Für mich war gleich klar, dass ich auch wieder in der Feuerwehr mitwirken möchte.“ In 54 Dienstjahren ist viel passiert. An einige besondere Einsätzen erinnert sich Harald Kreutz aber auch heute noch. Zum Beispiel an das Feuer in der Wilsnacker Schlossschule im Jahr 1976, die völlig abbrannte. Oder an den Waldbrand bei Kuhblank in den 70er Jahren, der über mehrere Tage die Kameraden der Umgebung in Atem hielt. „Und dann war da noch ein Hausbrand in Karthan, bei dem eine Frau ums Leben kam. Sie lief wieder in ihr Haus, weil sie ihre Katze retten wollte. Wir konnten nichts für sie tun“, schildert Harald Kreutz.

Die furchtbaren Eindrücke verarbeitet er für sich, mit anderen Blauröcken spreche er nicht über solche Dinge. Auch seine Frau Christa belastet er damit nicht. Sie wollte übrigens nie in die Feuerwehr eintreten, erklärt sie, als sie zum Gespräch dazu stößt. Hatte sie immer Angst um ihren Mann, wenn der Pieper sich meldete? „Manchmal schon, gerade wenn es dunkel war.“ Dieses Ehrenamt fordert von den Angehörigen viel Toleranz. „Bei jeder Feier oder Veranstaltung lässt er alles stehen und liegen, wenn der Pieper geht. Egal, was gerade ist“, erzählt Christa Kreutz. Zumindest sei das kleine Gerät nun aus dem Schlafzimmer verbannt. „Dabei höre ich den immer, nicht er“, fügt sie lachend an.

Ans Aufhören denkt Harald Kreutz bisher nicht. „Solange ich es gesundheitlich noch schaffe und in den Einsatzwagen komme, die werden ja auch immer größer und höher, bin ich dabei. Einer muss ja die Fahne hochhalten“, scherzt er. Dankbar sei er für die Jahre in der Feuerwehr, betont der 70-Jährige. „Der Zusammenhalt ist etwas Besonderes. Auch in der Freizeit unternehmen wir gemeinsam etwas, zum Beispiel Grillabende, Angelausflüge oder Skatabende wie vor einer Woche beim Amtsskat in Quitzöbel. So eine Feuerwehr ist auch ein Stück Kultur in einem Ort und das muss gepflegt werden“, ist Harald Kreutz überzeugt.

 

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