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Der Prignitzer

21. Oktober 2017 | 08:59 Uhr

Ehrenkreuz für Katastrophenschützer

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erstellt am 29.Sep.2013 | 05:50 Uhr

Prignitz/Potsdam | Helfen, wenn die Not groß ist, die eigene Freizeit opfern, um andere Menschen zu retten oder Sachwerte zu schützen: Das ist die Aufgabe der Brand- und Katastrophenschützer im Landkreis Prignitz und im Land Brandenburg. Als Anerkennung dieser Leistungen verliehen Innenminister Ralf Holzschuher und Ministerpräsident Dietmar Woid ke am Freitag in Potsdam an 74 Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Polizisten und Fluthelfer hohe Auszeichnungen.

Unter den Geehrten sind auch sechs Prignitzer: Volker Lehmann, stellvertretender Kreisbrandmeister, Erich Schlott hauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz und Bernd Lindow von der unteren Wasserbehörde wurden für ihre hauptamtliche Arbeit im Brand-, Katastrophen- und Hochwasserschutz ausgezeichnet. Für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement erhielten Wolfgang Taepke, Sven Roggemann und Jürgen Jahncke das silberne Ehrenkreuz für den Brand- bzw. Katastrophenschutz.

Feuerwehrmann mit Leib und Seele - seit 45 Jahren

Über die Ortsfeuerwehr Baek findet Wolfgang Taepke im Jahre 1968 seinen Weg ins Ehrenamt. "Das ging ganz klassisch als Anwärter und Läufer los, wie das eben so ist", erinnert sich Taepke mit einem Schmunzeln an seine ersten Jahre in der blauen Uniform. Eine gute Truppe sei es damals gewesen, motiviert und schlagkräftig im Einsatz und bei Wettkämpfen. Dann kam die Wende, und niemand wusste, wie es mit den kleinen Wehren weiter gehen würde. "Wir konnten unsere Ortswehr gut durch die turbulente Zeit bringen und in der Gemeinde Groß Pankow stabil aufstellen - der Weg zur heutigen Stützpunktwehr", sagt Taepke.

2001 übernimmt der Baeker als Amts- und später Gemeindebrandmeister die Verantwortung für alle Wehren in der Gemeinde Groß Pankow. "Doch damit bist du nicht nur für den Brandschutz zuständig, sondern quasi auch für das kulturelle Leben in den Dörfern, da die Feuerwehren dieses neben den Sportvereinen maßgeblich mit gestalten", resümiert er. Acht bis zehn Stunden pro Woche - nach Feierabend und am Wochenende - investiert er in sein Ehrenamt, lotst die Blauröcke durch viele Einsätze. "Gleich nach meiner Amtsübernahme hat bei der Schweinemast Gulow ein Strohlager gebrannt, das war meine Bewährungsprobe."

Seit Mai tritt Taepke etwas kürzer, hat die "Amtsgeschäfte" an seinen Nachfolger Axel Gruschka abgegeben. "Der Feuerwehr bleibe ich aber in der Senioren kameradschaft verbunden", sagt er und resümiert, dass die Auszeichnung eine tolle Anerkennung für sein Engagement sei. "Eins steht allerdings fest: Sowas schafft man nicht alleine, sondern nur mit guten Kameraden."

20 Jahre mit schwerer Technik im Einsatz

Der Seesport war einst Sven Roggemanns Leidenschaft. Mit Auflösung der GST verliert der Kletzker nach der Wende seine sportliche Heimat. "Ein Bekannter hat mir vom THW in Cumlosen erzählt, und da sich dort die Fachgruppen Wassergefahren und Ölschaden gerade im Aufbau befanden, habe ich meine Chance gesehen, ein Ehrenamt auszuüben und dabei dem Wasser treu zu bleiben."

Als Wehrersatzdienstleistender verpflichtet sich Roggemann 1993 für zunächst acht Jahre. "2002 bin ich Gruppenführer geworden, sechs Jahre später schließlich Zugführer des technischen Zuges", sagt der 37-Jährige, der seitdem Verantwortung für 35 Helfer und zehn Fahrzeuge sowie mehrere Boote trägt. "Ausbildungen planen, Einsätze koordinieren und auch selbst mit anpacken", beschreibt er sein Aufgabenfeld - so saß er auch im Sommer dieses Jahres rund eine Woche lang im Führerhaus eines Lkw, die Pritsche voller Paletten mit Sandsäcken.

Doch nicht nur die Hochwässer als Katastrophen riesigen Ausmaßes sind Sven Roggemann in Erinnerung geblieben. "Leider gab es auch zwei Einsätze, bei denen ich Tote bergen musste, 1995 bei einer Gasexplosion in Neuruppin und 2009, als das Wohnhaus in der Kyritzer Straße in die Luft geflogen war. Doch das gehört dazu, und auf der anderen Seite hat man die Kameradschaft oder das gute Gefühl, wenn Menschen in Not einfach nur sagen: ,Schön, dass ihr da seid."

Im Notfall einfach für Betroffene da sein

Zur NVA wollte Jürgen Jahncke nicht, auch die Kampfgruppe kam für ihn nicht in Frage. "So bin ich zunächst beim Betriebssanitätsdienst im damaligen Raw Wittenberge gelandet und habe hier meine ehrenamtliche Erfüllung gefunden. Im DRK der DDR bildet er sich zum Gruppen- und Zugführer weiter, erwirbt schließlich die Qualifikation als Lehrkraft für Erste Hilfe. Fast 40 Jahre später ist der 59-jährige noch immer dabei, engagiert sich in der Sanitätsbereitschaft Wittenberge und gibt regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse. "Die Arbeit mit Menschen macht mir einfach großen Spaß, ich bin sogar im Rettungsdienst mitgefahren und habe im Krankenhaus bei der Betreuung geholfen, um neben der gelernten Theorie auch Praxiserfahrung zu sammeln", sagt er.

Zuletzt war Jürgen Jahncke im Hochwassereinsatz, hat eine Woche lang in der Rolandhalle Perleberg Evakuierte und Einsatzkräfte betreut. "Es sind die Kleinigkeiten wie Besorgungen und Gespräche, die in diesen Momenten für die Betroffenen sehr wichtig sind. Und deren Dank ist noch viel mehr wert als eine Auszeichnung."

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