Geschichte : Ehrengrab für Flüchtling Lemme

Ein schlichter Grabstein erinnert auf dem Groß Breeser Friedhof an Hans-Georg Lemme. Geht es nach der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, soll eine Ehrengrabstätte auch künftige Generationen an den Fall erinnern.
Ein schlichter Grabstein erinnert auf dem Groß Breeser Friedhof an Hans-Georg Lemme. Geht es nach der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, soll eine Ehrengrabstätte auch künftige Generationen an den Fall erinnern.

Stasibeauftragte des Landes schlägt Gemeinde Gedenktafel zur Erinnerung vor / Ortsbeirat stimmt einer Umsetzung zu

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15. März 2015, 12:00 Uhr

Das Grab von Hans-Georg Lemme auf dem Friedhof von Groß Breese ist schlicht, nichts weist hier auf die besonderen Umstände seines Todes am 19. August 1974 hin.

In den Abendstunden dieses Tages hatte Lemme nahe Lütkenwisch versucht, durch die Elbe zu schwimmen und so die DDR zu verlassen. Zunächst, so vermerken es mehrere Quellen, sei vom Ufer aus auf ihn geschossen worden. Kurze Zeit später habe ein Patrouillenboot der Grenztruppen versucht, ihm den Weg zu versperren und ihn an Bord zu holen. Da sich Lemme wehrt, habe der Kommandant schließlich befohlen, den Flüchtenden mit dem Boot zu überfahren. Eine halbe Stunde habe das Manöver gedauert, heißt es in einem Verhörprotokoll der Stasi. Lemme tauchte nicht wieder auf.

Erst am 6. September wurde die Leiche des 21-Jährigen nahe Lütkenwisch ans Ufer gespült, einen Tag später der Familie in einem versiegelten Sarg übergeben. Offiziell wurde Ertrinken als Todesursache genannt, obwohl Lemme als guter Schwimmer galt und bei der Obduktion schwere Verletzungen, die von Rumpf und Schrauben des Bootes herrühren konnten, und eine Schusswunde festgestellt worden waren.

Erst mit der Freigabe der MfS-Akten nach der Wende erfährt die Familie, wie Hans-Georg Lemme wirklich ums Leben gekommen war. „Die Geschichte von Hans-Georg Lemme ist vor drei Jahren in der Ausstellung „28 Jahre getrennt. Das Grenzregime und seine Folgen für die Brandenburger“ aufgearbeitet worden und steht beispielhaft für zahlreiche Fluchtversuche über die Elbe“, sagt Rainer Potratz, Mitarbeiter der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe.


Gemeinde behält Gestaltung in der Hand


„Wir haben uns mit diesem Fall intensiv auseinander gesetzt, und so entstand die Idee, der Gemeinde Breese vorzuschlagen, Lemmes Grabstätte als Ehrengrab auszuweisen.“ Dabei gehe es nicht um eine aufwändige Gestaltung, sondern lediglich darum, das Grab auch nach dem Tod der Angehörigen zu erhalten und zu pflegen. „Die Pflege einer Ehrengrabstätte übernimmt normalerweise die Gemeinde, sodass sie auch künftig ordentlich aussieht“, so Potratz.

Weiterhin habe die Behörde vorgeschlagen, in Lemmes Heimatort auch mit einer Gedenktafel an seine Geschichte zu erinnern. „Wie die Tafel aussehen soll, das wollen wir der Gemeinde überlassen, allerdings helfen wir bei inhaltlichen Fragen gerne.“

Der Ortsbeirat von Groß Breese brachte das Thema auf seiner jüngsten Sitzung zur Sprache. In der Diskussion wurde bemerkt, dass Erinnerungskultur grundsätzlich wichtig sei, allerdings gab es auch den Hinweis, dass am Ort des Geschehens bei Lütkenwisch bereits mit einer Gedenktafel an das Geschehen erinnert werde. Schließlich votierten die Mitglieder mit zwei Ja-Stimmen und einer Gegenstimme dafür, in der Gemeindevertretung für eine entsprechende Umsetzung zu werben.

Hans-Georg Lemmes Mutter Inge, die noch immer in Groß Breese lebt, begrüßt den Vorstoß der Landesbeauftragten: „Ich finde, diese Dinge dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Wenn das Grab auf diese Weise erhalten bleibt, ist das eine gute Sache.“

Die Entscheidung, ob der Plan in die Tat umgesetzt wird, müssen letztendlich die Gemeindevertreter fällen.

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