In Perleberg ein neues Zuhause gefunden : Ehrenbürgerschaft zum 100.?

Hans Seiler bei seinem 99. Geburtstag vor einem Jahr in Perleberg.
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Hans Seiler bei seinem 99. Geburtstag vor einem Jahr in Perleberg.

Der Maler Hans Seiler wäre heute 100 Jahre alt geworden / Stadt gibt Erinnerungsblättchen heraus / Freunde fordern Ehrenbürgerschaft

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11. April 2020, 22:00 Uhr

Seinen 99. Geburtstag konnte der Maler Hans Seiler vor einem Jahr noch in seiner Wahlheimat Perleberg feiern. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden, diesen Tag können wir nicht mehr mit ihm feiern, denn Seiler starb am 30. Oktober 2019.

Hans Seiler hat viel für die Rolandstadt getan. Nachzulesen auch im Erinnerungsblättchen, das die Stadt aus Anlass seines 100. Geburtstages herausgibt. Hier wird an den Künstler erinnert, der hier seine Spuren hinterlassen hat. So war er in den Jahren 1955 bis 1958 als Kreissekretär des Kulturbundes verantwortlich für das Magazin „Unsere Heimat – Blätter aus der Prignitz“. Obwohl er ein „Zugezogener“ war, Seiler kam nach dem Krieg in die Rolandstadt, machte er mit Text und Zeichnungen auf die Schönheiten der Prignitz aufmerksam. Geboren in der Oberlausitz, erlernte er das Malerhandwerk und ging zur Weiterbildung als Schriftgestalter nach Naumburg. Doch der erste Kriegseinsatz, bei dem er verletzt wurde, unterbrach seine künstlerische Ausbildung, die er später als Meisterschüler an der Kunstgewerbe-Akademie in Dresden fortsetzte. Erneut musste er zur Wehrmacht einrücken und kam in russische Kriegsgefangenschaft. Danach war Perleberg 75 Jahre lang seine Heimat. Die Prignitz war immer Grundlage für seine Motive. Auch im öffentlichen Raum ist Hans Seiler anzutreffen. So an den Giebelseiten des Hauses Wilsnacker Straße 16, wo er die Rolandstadt in einer stilisierten Ansicht vereweigt hat, und der Dobberziner Straße 4, wo ein Apfelzweig grüßt.

Doch sollte die Stadt nicht mehr für den Mann tun, der mit seinen Werken „für Perleberg ein Botschafter wurde und war“, wie es sein Freund Peter Dahms in der Trauerrede zum Ausdruck brachte. Er und viele andere hatten schon seine Ehrenbürgerschaft gefordert. Dahms hat immer wieder geärgert, wer sich alles in das Ehrenbuch der Stadt eintragen dürfe. Seiler durfte es nie. Ein Antrag auf Ehrenbürgerschaft wurde nach Seilers Tod in der Stadtverordnetenversammlung von Fred Fischer zurückgezogen. „Insofern ist es noch unklar, ob und wann das Thema erneut in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht wird“, so Bürgermeisterin Annett Jura auf „Prignitzer“-Anfrage.

Peter Dahms bedauert es, dass sich bisher weder die Linke, deren Mitglied Seiler lange Zeit war, noch die SPD, wo er zum Schluss Mitglied war, sich dafür einsetzten.

Thomas Domres, Fraktionsvorsitzender der Linken hat persönlich „kein Problem damit“. Er will es in der Fraktion thematisieren, ein Meinungsbild herbeiführen. „Bei seinen Aktivitäten für das gesellschaftliche Leben in Perleberg wäre der 100. Geburtstag ein gegebener Anlass“, sagt Domres.

„Wir haben das Thema schon auf der Agenda“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende Nicole Bahr. „Es gibt bereits einen gefertigten SPD-Antrag, in dem wir vorschlagen, einer der nächsten Straßen, die für eine Benennung vorgesehen ist, den Namen Hans-Seiler-Straße zu geben.“ Nun hat Bahr diesen Antrag, der am Dienstag in der Fraktionsvorsitzendenrunde mit der Bürgermeisterin auf der Tagesordnung stand, noch mit der Ehrenbürgerschaft ergänzt. „Wir haben das Thema besprochen“, so Nicole Bahr nach der Sitzung. „Bevor es in der Stadtverordnetenversammlung abschließend behandelt wird, soll es im Kulturausschuss beraten werden.“ Dabei solle auch noch einmal geprüft werden, welche Verdienste Seiler sich um die Stadt Perleberg erworben habe. Somit hätten alle Fraktionen Zeit, sich mit dem Thema sowie dem Leben Seilers befassen.

Leider verhindert Corona gerade auch die geplanten Ausstellungen in Eibau, seinem Geburtsort, und im Museum Zeitz. Doch der Zeitzer Museumsdirektor Peter Knüvener sagt, dass es dort 2022 eine Max-Langer-Ausstellung geben werde. „Da werden wir, denke ich, auch seine Schüler oder Nachfolger würdigen, gern auch Hans Seiler.“

Das Perleberger Stadt- und Regionalmuseum hat zahlreiche Arbeiten in seinem Bestand. Erst im vergangenen Jahr gingen 225 seiner Arbeiten als Dauerleihgabe in die Museumssammlung über. Daher hoffen Freunde und Fans, dass es in diesem, spätestens aber im kommenden Jahr, noch einmal eine Ausstellung mit Werken von Hans Seiler geben wird.

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